Heinz-Nixdorf-Museumsforum in Paderborn feiert 25. Geburtstag – zwei Sonderausstellungen geplant
Vom Röhrencomputer bis zur Maus

Paderborn -

Zwei Sonderausstellungen, zwei besondere Exponate sowie ein neuer Museumsshop und ein neues Café mit Außengastronomie: Das Heinz-Nixdorf-Museumsforum (HNF) in Paderborn hat sich für seine Besucher im Jahr des 25-jährigen Bestehens einiges vorgenommen. Der Höhepunkt soll im Oktober sein, denn am 24. Oktober 1996 ist das weltgrößte Computer­museum vom damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl eröffnet worden.

Samstag, 20.02.2021, 05:27 Uhr aktualisiert: 20.02.2021, 06:28 Uhr
Geschäftsführer Jochen Viehoff zeigt es: Das größte Computermuseum der Welt, das Paderborner Heinz-Nixdorf-Museumsforum, feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen.
Geschäftsführer Jochen Viehoff zeigt es: Das größte Computermuseum der Welt, das Paderborner Heinz-Nixdorf-Museumsforum, feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen. Foto: Jörn Hannemann

„Wir gehen davon aus, dass wir in Kürze mit Restriktionen wieder öffnen können“, sagte HNF-Geschäftsführer Dr. Jochen Viehoff am Freitag. Über das gesamte Jahr soll es Aktionen und zahlreiche Veranstaltungen gaben. Die erste Sonderausstellung „Papierflieger und Gummitwist“ soll am 3. Oktober eröffnet werden. Die Besucher sollen dabei spielerisch die Welt des Computers erkunden. Die Mitmachausstellung widme sich mit 24 interaktiven Stationen Grundprinzipien der Informatik und des Computers, erklärte Vie­hoff. Kinder könnten auf bekannte Dinge zurückgreifen – etwa Papierflieger, Gummitwist, Trickfilme oder Puzzles. „Die Themen der Digitalisierung sollen haptisch und analog erklärt werden. Der Papierflieger ist dafür ein sehr schönes Beispiel. Falten, ausprobieren und von Fehlern lernen“, erläuterte Viehoff.

Im Eingangsbereich ist ein neuer Platz zum Verweilen entstanden. Im Hintergrund: Computerpionier Heinz Nixdorf.

Im Eingangsbereich ist ein neuer Platz zum Verweilen entstanden. Im Hintergrund: Computerpionier Heinz Nixdorf. Foto: Jörn Hannemann

Am Vorabend des Jubiläums, am 23. Oktober, soll im Foyer eine Schau eröffnet werden, die unterhaltsam auf 25 Jahre Heinz-Nixdorf-Museumsforum zurückblickt. „Dort sollen die Besucherinnen und Besucher wie auf dem Jahrmarkt von Bude zu Bude schlendern und so ‚Best of HNF‘ von der Eröffnung bis 2021 erleben.“

Außer den beiden Sonderausstellungen können sich die Besucher auf die überarbeitete Dauerausstellung freuen, die 5000 Jahre Geschichte der Informationstechnik erzählt. Unter anderem wird der dortige Eingangsbereich neu gestaltet. Ab Oktober beginne der Rundgang durch das Museum mit einem modernen Start, erklärte Viehoff. Die Besucher würden durch schwarze Stelen in die Ausstellung hineingezogen und anhand spannender Exponate erfahren, wie vor 5000 Jahren Zahl und Schrift entstanden. Die Gestaltung dieses neuen Bereichs hat der Paderborner Innenarchitekt und Tischler Alexander Ostermann übernommen, der bereits bei der sehr erfolgreichen Ausstellung „Aufbruch ins All“ mitgearbeitet hat.

Bereits fertiggestellt ist der neue Bereich zur Mikroelektronik. Er soll eine besondere Attraktion des HNF sein, betont Vie­hoff. Zu sehen sei nicht nur, wie aus einfachem Sand hochkomplexe Mikroprozessoren würden. Kinder könnten sich auch einen Schutzanzug überstreifen und beim Gang durch die Luftschleuse einen Eindruck eines sogenannten Reinraums erhalten. „Außergewöhnlich ist die Anwendung Deep Frame, die verblüffende dreidimensionale Bilder wie einen Flug durch das Innere eines Mikroprozessors zeigt, ohne dass Besucher eine spezielle Brille aufsetzen müssen“, sagte Viehoff.

Diese Maus, Theseus genannt, wird ebenfalls nachgebaut. Sie fand bereits 1950 selbstständig aus einem Labyrinth hinaus.

Diese Maus, Theseus genannt, wird ebenfalls nachgebaut. Sie fand bereits 1950 selbstständig aus einem Labyrinth hinaus. Foto: HNF

Darüber hinaus sind Nachbauten von herausragenden historischen Objekten der Informationstechnik geplant. Zum einen baue das Museum derzeit gemeinsam mit dem Museum des Massachusetts Institute of Technology (MIT) eine mechanische Maus des Pioniers der Informationstheorie Claude Shannon nach. Die kleine Maschine, Theseus genannt, fand bereits 1950 selbstständig aus einem Labyrinth hinaus. Ein weiterer Nachbau ist der erste Rechner, den Heinz Nixdorf ab 1953 fertigte.

„Mir und dem Stiftungsvorstand war wichtig, dass wir Heinz Nixdorf auch als Wissenschaftler mit viel Technik-Spirit zeigen“, sagte Viehoff. Der Elektronen­saldierer arbeitete mit Röhren und wurde bei RWE in Essen eingesetzt. „Man kann sich das so ähnlich wie heute Excel vorstellen. Der Saldierer wurde für die Buchhaltung genutzt“, erklärte Viehoff. Der Ingenieur Henry Westphal hat in Kooperation mit dem HNF die Schaltung des Rechners in eine den heutigen Anforderungen gemäße Form übertragen, um den Nachbau auf Dauer im Museum funktionsfähig präsentieren zu können.

Mehr als 2000 Objekte

Das Heinz-Nixdorf-Museumsforum ist dem 1986 gestorbenen Computerpionier und Paderborner Unternehmer Heinz Nixdorf gewidmet. Es ist das weltweit größte Computermuseum. Auf 6000 Quadratmetern Dauerausstellungsfläche zeigt es mehr als 2000 Objekte und bietet Informationen und Anschauliches zur Kulturgeschichte der Informationstechnik. Jährlich wird es von weit mehr als 100.000 Menschen besucht. Getragen wird es durch die von Heinz Nixdorf gegründeten Stiftung Westfalen, die Wissenschaft und Lehre auf dem Gebiet der Informationstechnik fördert.

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Bereits im Frühjahr soll ein Fotowettbewerb unter dem Motto „My HNF“ beginnen. Im Sommer soll dann mit Hilfe der Fotos gezeigt werden, was die Menschen mit dem HNF verbinden. Im Sommer soll zudem der Umbau des Eingangsbereichs beginnen, die Arbeiten sollen bis Oktober abgeschlossen sein. Wie viel Geld das Museum insgesamt investiert, wollte der Geschäftsführer nicht verraten.

Auch ein neuer, 260 Seiten starker Museumsführer wird derzeit aufgelegt. Am eigentlichen Jubiläumstag, Sonntag 24. Oktober, öffnet das HNF bei freiem Eintritt und präsentiert die Neuerungen sowie die Sonderausstellungen. Von den in der HNF-Geschichte immer sehr erfolgreichen Familientagen folgt ein weiterer am 21. November. Mit Blick auf die neue Außengastronomie sagte Viehoff: „Wir hoffen, dass wir auch einen neuen Ort in Paderborn haben zum Einkehren nach einem Spaziergang oder einer Radtour.“

HNF-Geschäftsführer Jochen Viehoff hockt neben dem Röhrencomputer, der nachgebaut wird und im Museum rechnen soll.

HNF-Geschäftsführer Jochen Viehoff hockt neben dem Röhrencomputer, der nachgebaut wird und im Museum rechnen soll. Foto: Jörn Hannemann

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