Mo., 02.09.2019

»Schwer zu realisieren« – Ex-Rödinghauser trifft bei Unions 3:1-Sieg doppelt Bülter schießt Borussia ab

Marius Bülter breitet die Arme aus. Der Union-Profi erlebte am Samstag gegen Dortmund einen unvergesslichen Abend.

Marius Bülter breitet die Arme aus. Der Union-Profi erlebte am Samstag gegen Dortmund einen unvergesslichen Abend. Foto: Paul Zinken/dpa

Berlin (dpa/WB/dis). Inmitten der Jubelgesänge der Eisernen suchten die geschlagenen BVB-Profis und ihr Trainer nach Erklärungen. Schönreden war nicht angesagt nach dem völlig überraschenden 1:3 (1:1) des vor allem auch selbst ernannten Titelkandidaten Borussia Dortmund beim Neuling 1. FC Union Berlin. Mann des Abends war Unions Doppeltorschütze Marius Bülter.

Mit seinem Doppelpack in der 22. und 50. Minute brachte er die Gastgeber zweimal in Führung. Zwischenzeitlich hatte Paco Alcacer (25.) für den BVB ausgeglichen. Endgültig gelaufen war das Spiel, als Sebastian Andersson in der 75. Minute zum 3:1 traf.

So richtig könne er sich an die Emotionen nach seinem ersten Tor in der 22. Minute gar nicht erinnern, sagte Bülter. Nur so viel: »Es war schon ein geiles Gefühl.« Kein Wunder: Vor gut einem Jahr spielte der mittlerweile 26-Jährige noch für den SV Rödinghausen in der Regionalliga West. »Es ist schwer zu realisieren«, betonte Bülter.

Sky-Experte Lothar Matthäus nannte das zweite Bülter-Tor schlicht »Weltklasse«. Der Gefeierte selbst sagte beinahe etwas ungläubig: »Es war mein größtes Spiel. Meine ersten Bundesliga-Tore. Gegen Borussia Dortmund. An einem Samstagabend.« Dass ihm »mit den ersten beiden Torschüssen zwei Tore gelungen sind, war auch ein wenig Glück«, befand er bescheiden.

20 Tore für Rödinghausen

Innerhalb von 15 Monaten schaffte der in Ibbenbüren geborene Bülter den Sprung vom Amateur- zum Bundesligaspieler. Am 13. Mai 2018 kickte er noch in der Regionalliga West für den SV Rödinghausen. Für den Klub aus dem Kreis Herford war Bülter insgesamt vier Jahre am Ball (2014 bis 2018). Beim 4:0 gegen den SC Verl erzielte der Flügelspieler drei Tore. Insgesamt kam er in der Saison 2017/18 auf 20 Treffer.

Der damalige Zweitliga-Aufsteiger 1. FC Magdeburg wurde so auf Bülter aufmerksam. Nach einer Saison beim FCM wurde Bülter dann für zunächst ein Jahr nach Köpenick ausgeliehen. Union hat eine Kaufoption. Wenn Bülter, der 2019 ein Maschinenbaustudium abschloss, so weitermacht, besteht kein Zweifel, dass die Berliner davon auch Gebrauch machen werden.

Mentalitätsfrage beim BVB

Ganz anders war die Gefühlslage beim BVB. »Wir haben uns im gesamten Spiel einfach komplett dumm angestellt«, betonte Dortmunds Kapitän Marco Reus: »Wir glauben manchmal, dass man allein mit unserer Qualität solche Spiele gewinnen kann. Das muss aufhören!«

Schon am dritten Spieltag der Bundesliga wird der Meisterschaftskampf für den BVB zur Mentalitätsfrage. Man könne nie ganz genau in die Köpfe reinschauen, entgegnete Lizenzspieler-Leiter Sebastian Kehl auf die Frage, ob manche Akteure gegen einen vermeintlich schwächeren Gegner nicht voll dabei seien. Nicht zu vergessen: Auch bei den vorherigen Siegen gegen den FC Augsburg und den 1. FC Köln waren die Dortmunder jeweils in Rückstand geraten.

Bülter entscheidet die Partie

»Für Union war es wie für Köln vergangene Woche ein Highlight-Spiel. Aber das wird uns diese Saison öfter erwarten«, prophezeite Kehl, das sei aber auch schon im vergangenen Jahr so gewesen und dürfe keine große Überraschung sein. »Wir müssen auch in solche Spiele mit der 100 Prozent richtigen Einstellung gehen. Ansonsten wird man auch mit der Qualität, die wir haben, den Unterschied nicht sehen.«

Die drei Punkte, die man in Berlin liegenlassen habe, täten sehr weh. Er habe gedacht, die Mannschaft sei einen Schritt weiter. Nicht ein Reus, nicht ein Julian Brandt, der bei seinem ersten Startelfeinsatz in der ersten Halbzeit dennoch einer der Aktivposten und Antreiber im Dortmunder Spiel war, entschieden die Partie. Es war Marius Bülter.

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