34. Spieltag
Kramaric demütigt BVB - Hoffenheim direkt in Europa League

Was für ein peinliches Saisonfinale. Beim 0:4 über Hoffenheim bot der Meisterschaftszweite BVB mal wieder ein Beispiel für unerklärliche Formschwankungen. Das dürfte für neue unliebsame Diskussion sorgen. Dagegen gab es beim Gast Grund zur Freude - dank Andrej Kramaric.

Samstag, 27.06.2020, 18:37 Uhr aktualisiert: 27.06.2020, 18:40 Uhr
Andrej Kramaric (l) sorgte mit seinem Tor zum 2:0 für die Vorentscheidung bei Hoffenheims Sieg in Dortmund.
Andrej Kramaric (l) sorgte mit seinem Tor zum 2:0 für die Vorentscheidung bei Hoffenheims Sieg in Dortmund. Foto: Bernd Thissen

Dortmund (dpa) - Als die Hoffenheimer im Mittelkreis tanzten und lauthals Europapokal-Lieder anstimmten, waren die Dortmunder schon längst in der Kabine verschwunden. Das peinliche 0:4 (0:2) zum Saisonabschluss verhagelte allen Beteiligten mächtig die Stimmung.

Nur eine Woche nach dem imponierende Auftritt beim 2:0 im Spitzenspiel bei RB Leipzig bezog das Team von Lucien Favre eine denkwürdige Niederlage, die neue Zweifel an der Charakterstärke des Teams schüren dürfte. «Vielleicht haben wir einfach manchmal die falsche Mentalität», klagte Torhüter Roman Bürki im ersten Frust bei Sky.

Zum Leidwesen der Borussen lief Andrej Kramaric zu großer Form auf. Mit seinen vier Treffern besiegte der Kroate den Revierclub fast im Alleingang. Damit gelang seinem Team noch der Sprung auf Tabellenrang sechs, der den direkten Weg in die Europa League ebnete. Die ungeliebten Qualifikationsspiele bleiben den Kraichgauern erspart. «Es ist ein wunderbares Gefühl. Schließlich passiert einem das ja nicht so häufig», schwärmte Kramaric, dem als ersten Hoffenheimer Profi in einem Bundesliga-Spiel ein Viererpack gelang.

Sportdirektor Alexander Rosen geriet angesichts der famosen Vorstellung des zuletzt vom Verletzungspech geplagten Profis ins Schwärmen: «Die TSG mit Kramaric ist eine andere Mannschaft als ohne Kramaric. Er hat nicht nur diese Scorer-Qualität, sondern arbeitet auch sehr viel. Wir sind froh, dass er uns zum Saisonabschluss wieder zur Verfügung stand.» Mit leuchtenden Augen ließ Rosen die Spielzeit Revue passieren: «Das war ein grandioser Abschluss einer anspruchsvollen Saison. Und das war nach einem solchen Umbruch im Sommer nicht unbedingt zu erwarten.»

Ein solch euphorisches Fazit kam beim BVB niemandem über die Lippen. Mit einem Mal schien die Freude über den respektablen zweiten Platz und die beste Torausbeute der Vereinsgeschichte verflogen. «Es war nicht gut von uns und wir haben zu viele Geschenke verteilt. Das war zu wenig», klagte Lucien Favre. Bleibende Schäden befürchtet der BVB-Coach jedoch nicht: «Wir werden das ziemlich schnell vergessen. Wir haben trotzdem unser Ziel erreicht und sind am Ende die Nummer zwei. Wir haben eine gute Saison gespielt.»

Wie sehr die normalerweise inspirierende Atmosphäre des eigenen, vollen Stadions der Borussia fehlt, dokumentiert die ernüchternde Bilanz in den Geisterspielen seit der Corona-Pause. Drei der fünf Partien endeten mit einer Niederlage.

Das leise Lebewohl für Mario Götze kuzz vor der Partie passte ins Bild eines deprimierenden Saisonfinales. Vier Jahre nach seiner Rückkehr aus München wurde der 28 Jahre alte Mittelfeldspieler offiziell verabschiedet. «In der Summe waren es viele Jahre, die ich in Dortmund verbracht habe, die mit vielen positiven und negativen Gefühlen bestückt waren», sagte der WM-Held von 2014.

Dass er bei seinem Goodbye ohne die Emotionen der Zuschauer auskommen musste, konnte Götze verschmerzen: «Es ist eine spezielle Situation mit Corona. Ich bin eh nicht der Typ, der großen Augenmerk darauf legt, gerade was den Abschied betrifft.»

© dpa-infocom, dpa:200627-99-587354/5

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