SPD-Bundesvize will wissen: Wo setzt man die Grenze?
Kevin Kühnert gegen NRW-Landesbürgschaft für Schalke 04: „Ich fürchte die Signalwirkung“

Bielefeld (WB/sba). Der stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende Kevin Kühnert hat sich kritisch zu Plänen in Nordrhein-Westfalen geäußert, dem Fußball-Bundesligisten Schalke 04 mit einer Bürgschaft zu helfen .

Dienstag, 30.06.2020, 17:28 Uhr aktualisiert: 30.06.2020, 18:06 Uhr
Kevin Kühnert, stellvertretender SPD-Bundesvorsitzender. Foto: Ruth Matthes
Kevin Kühnert, stellvertretender SPD-Bundesvorsitzender. Foto: Ruth Matthes

Kühnert sagte dem WESTFALEN-BLATT: “Ich bin wie viele andere auch eher irritiert gewesen, als ich das gehört habe. Klar, auch Schalke 04 ist Arbeitgeber, und die Politik will dort, wie überall, Jobs schützen. Das ist vollkommen okay. Aber es stellt sich natürlich die Frage, wo setzt man jetzt in Zukunft die Grenze? Ist jeder Verein in jeder Liga für die Politik systemrelevant und muss gerettet werden? Oder gilt das erst ab einer bestimmten Mitglieder- und Zuschauerzahl? Oder hängt es von einer Jahreszahl ab, mit der man seine Tradition ausweisen kann?”

Kühnert sagte weiter: “Das Land NRW wird nicht ruiniert, weil es Schalke 04 unter die Arme greift. Aber was macht man in zukünftigen Fällen? Man kennt es aus dem ostdeutschen Raum, wo Stadtparlamente regelmäßig vor der Frage stehen: ‘Geht unser Verein vor Ort nun in die Insolvenz oder helfen wir mal wieder mit einem Kredit?’ In Chemnitz ist das der Fall gewesen, in Erfurt gab es die Diskussion.”

Kühnert gab zu bedenken: “Ich fürchte die Signalwirkung für Funktionäre vom Schlage des zurückgetretenen Schalker Aufsichtsrats-Chefs Tönnies , die eigentlich über große Vermögen verfügen, aber im Notfall mit dem Klingelbeutel vor der Politik stehen. In festem Glauben, dass im Zweifel schon jemand kommt, die Standortbedeutung des Vereins erkennt und diesen rettet. Das macht mir ein ungutes Gefühl, wenn man bedenkt, wie viele Menschen in unserer Gesellschaft in ihrer Existenz bedroht sind und nicht so einfach an enorme Hilfen kommen.”

Lesen Sie das ganze Interview in der Donnerstagausgabe.

Kommentare

Klaus Müller  schrieb: 01.07.2020 10:40
Mit zweierlei Maß gemessen?
Ich meine mich zu erinnern, dass seine Arminia aus Bielefeld, damals einen zweistelligen Millionenkredit Vom Land NRW und der Sparkasse bekommen hat.
Offensichtlich kann sich Herr Kühnert nicht mehr daran erinnern. Zudem hat Schalke damals sogar ein Benefizspiel für Arminia gegeben, um den Verein zu retten.
Das ist also die Dankbarkeit aus Bielefeld! Da sollte man sich als Arminia-Fan schämen.
Mike  schrieb: 30.06.2020 20:08
Keine Zocker-Knete
Da hat Herr Künert völlig recht! Keine Staatsknete für Zocker-Vereine oder -Unternehmen. Dieser Verein (der Vorstand) hat Millionen-Gehälter vertraglich vereinbart und für das Missmanagement sollen jetzt die Bürger mit ihren sauer verdienten Steuergroschen herhalten? Das ist das alte Muster: Gewinne werden privatisiert, Verluste sozialisiert.
Mögen doch Herr Tönnies und seine Schalke-Fans die Schieflage selbst auslöffeln. Fußballvereine sind keinesfalls systemrelevant - auch nicht im Sinne von "Brot und Spiele" zur Ruhigstellung der Bevölkerung!
2 Kommentare
Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7474998?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198306%2F2509832%2F2198360%2F
Richter verbieten Sonntagsöffnung
“Sorry we’re closed” (Leider Geschlossen): Das gilt voraussichtlich an allen schon geplanten oder noch ungeplanten verkaufsoffenen Sonntagen in NRW. Foto: dpa
Nachrichten-Ticker