2. Spieltag
Schalkes Wagner nach Niederlage gegen Bremen vor dem Aus

Für den FC Schalke 04 geht es desolat weiter: Dem 0:8 in München folgt ein 1:3 zu Hause gegen Bremen. Trainer Wagner droht das Aus, eine Spuckattacke sorgt für Diskussionen.

Samstag, 26.09.2020, 21:13 Uhr
Bremens Niclas Füllkrug (l) bejubelt sein erstes Tor des Abends.
Bremens Niclas Füllkrug (l) bejubelt sein erstes Tor des Abends. Foto: Guido Kirchner

Gelsenkirchen (dpa) - Kein Sieg, kein Punkt - und wahrscheinlich auch keine Zukunft für Trainer David Wagner: Nach einer weiteren demütigenden Niederlage muss der Trainer des FC Schalke 04 schon nach dem zweiten Spieltag der Fußball-Bundesliga akut um seinen Job bangen.

Nach dem 0:8 zum Auftakt beim FC Bayern München verloren die Schalker im eigenen Stadion das Krisen-Duell mit Werder Bremen 1:3 (0:2) und zeigten wie schon in der Vorwoche erschreckend wenig Gegenwehr. Seit 18 Spielen und acht Monaten wartet der Tabellenletzte nun schon auf einen Sieg. «Das ist schwer zu erklären», sagte Schalkes Neuzugang Vedad Ibisevic im TV-Sender Sky konsterniert.

David Wagner weiß um seine ungewisse Situation. «Die Frage ist, bist du Teil der Lösung oder Teil des Problems? Ich bin der Überzeugung, ich kann Teil der Lösung sein. Aber ich bin lange genug dabei, um zu wissen, dass die Argumente in Form von Ergebnissen fehlen», sagte der Trainer bei Sky.

Bremen, das auf dem Weg zum Last-Minute-Klassenerhalt in der Vorsaison im Mai schon mit 1:0 auf Schalke gewann, und Trainer Florian Kohfeldt dürfen nach dem 1:4-Fehlstart gegen Hertha BSC dagegen aufatmen. Niclas Füllkrug führte Werder nach Standard-Situationen von Ludwig Augustinsson (22./37.) und mit einem Foulelfmeter (59.) zum Sieg. Mark Uth (90.+3) gelang nur noch das 1:3. «Ein verdienter Sieg», analysierte Kohfeldt.

Für Diskussionen sorgte Schalkes Abwehrspieler Ozan Kabak, der - von den Fernseh-Kameras eingefangen - in Richtung des am Boden liegenden Augustinsson spuckte. «Das ist nicht schön, das hat nichts mit Fußball zu tun. Das ist nicht Fairplay», sagte Augustinsson. Die Situation in der 27. Minute habe er gar nicht bemerkt, sagte der 26 Jahre alte Schwede beim Betrachten der Fernsehbilder. «Das ist natürlich ein absolutes Unding, was nicht auf den Fußballplatz gehört», sagte Kohfeldt.

Sky-Experte Lothar Matthäus schimpfte über «eine bewusste Aktion» und sagte: «Als Spieler angespuckt zu werden, ist das Schlimmste. Ich hoffe, dass er noch bestraft wird.» In der 84. Minute sah Kabak wegen wiederholten Foulspiels Gelb-Rot.

Das Spiel musste wegen der Corona-Zahlen kurzfristig ohne Zuschauer ausgetragen werden, Schalke hatte mit etwa 11 000 Besuchern geplant. Im Endeffekt blieb den Königsblauen zumindest der Frust und die Wut der Anhänger erspart.

Wagner konnte erstmals seit mehr als sieben Monaten wieder auf Kapitän Omar Mascarell zurückgreifen. Zudem brachte er Benito Raman und Nassim Boujellab. Kohfeldt ersetzte gleich vier Spieler. Die Verunsicherung und Nervosität war auf beiden Seiten von Beginn an greifbar. Bezeichnend, dass das 0:1 durch eine aus Schalker Sicht völlig unnötige Standard-Situation fiel: Keeper Ralf Fährmann ging mit der Hand an einen Schuss von Augustinsson, der weit vorbeigegangen wäre. Die Ecke brachte Augustinsson rein, Sargent verlängerte per Kopf und Füllkrug schob völlig ungedeckt ein.

Der auf der Linie stehende Mark Uth hob den Arm, obwohl für jeden erkennbar er das Abseits aufgelöst hatte.

Die Schalker agierten nun noch verunsicherter, Werder wurde stabiler. Auffällig war vor allem Linksverteidiger Augustinsson. Wie schon die Bayern in der Vorwoche nutzte Schalkes Gegner die Unsicherheit des zum Rechtsverteidiger umgeschulten Nationalspielers Sebastian Rudy. Doch auch die Innenverteidiger Stambouli und Kabak waren nicht auf der Höhe. Bremens zweites Tor fiel leichter als im Training: Ein einfacher Freistoß - und Füllkrug durfte einköpfen.

Zur Pause wechselte Wagner doppelt, unter anderem kam Routinier Vedad Ibisevic (36) zu seinem Debüt im Schalke-Trikot. Schalke schien nun mental zurück im Spiel, kam zu Chancen, vergab sie aber kläglich. Ibisevic köpfte fast so freistehend wie zuvor Füllkrug vorbei (53.), Nassim Boujellab schoss in bester Position daneben (55.). Kabaks völlig unnötiges Foul gegen Füllkrug, der den Elfmeter selbst verwandelte, machte die leise Hoffnung kaputt.

© dpa-infocom, dpa:200926-99-722377/5

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