Mi., 30.11.2016

Handball-Bundesliga: Sky-Vertrag sieht vier Spiele um 12.30 Uhr vor Zwischen Kirchgang und Sonntagsbraten

Ab der neuen Saison übertragt Sky zwischen fünf und neun Partien jedes Spieltags der Handball-Bundesliga – einen Großteil zur ungewohnten Zeit am Sonntagmittag.

Ab der neuen Saison übertragt Sky zwischen fünf und neun Partien jedes Spieltags der Handball-Bundesliga – einen Großteil zur ungewohnten Zeit am Sonntagmittag. Foto: imago

Von Volker Krusche und Oliver Kreth

Lübbecke/Minden/Lemgo (WB). Revolution in der Handball-Bundesliga? Vorbei werden die schönen Samstagabende sein, an denen die ostwestfälischen Topklubs in ihren Arenen auflaufen. Stattdessen sorgt der künftige TV-Rechte-Inhaber Sky dafür, dass künftig zwischen Kirchgang und Sonntagsbraten gespielt wird. Die Verantwortlichen sehen das aber als wenig dramatisch an.

»12.30 Uhr ist doch perfekt. Da hat man nach dem Frühstück wenigstens was zu tun!« Galgenhumor oder Überzeugung? Christian Sprdlik, Geschäftsführer des TBV Lemgo, sieht die bevorstehende Veränderung positiv. »Für den Handball ist das eine gute Sache. Das ist eine eindeutige Aufwertung unserer Sportart.«

Chance für aktive Handballer

Das sieht auch sein Mindener Kollege Horst Bredemeier nicht anders, der zudem deutlich macht, »dass wir doch alle wussten, was bei einem Zuschlag für Sky auf uns zukommt. Wir sind vom HBL-Gremium immer auf dem Laufenden gehalten worden. Mag sein, dass am Sonntagmittag der eine oder andere bisherige Fan weniger in die Halle kommt. Dafür kommen aber vielleicht aktive Handballer zu den Spielen, die immer am Samstag spielten.«

Wachstum der Sportart Handball sei nur über große Arenen oder eben mehr Fernsehpräsenz möglich. »Wir können nun mal nicht die Forderung stellen: Wasch mich, aber mach mich nicht nass! Sky muss nun mal dem Fußball aus dem Weg gehen. Daher ist die frühe Anwurfzeit am Sonntag absolut nachvollziehbar«, so »Hotti« Bredemeier weiter.

Entscheidung bereitet Bauchschmerzen

Beim dritten Ostwestfalen-Topklub, dem TuS N-Lübbecke, sieht man den Sonntagmittag eher kritisch. »Gerade in ländlichen Regionen gehen viele Menschen noch in die Kirche. Sollen die von dort aus dann direkt in die Halle weiterziehen?«, fragt sich Geschäftsführer Torsten Appel. »Mir bereitet diese Entscheidung Bauchschmerzen.«

Und Hauptsponsor Armin Gauselmann findet die Anwurfzeit »einfach nur lächerlich! Für mich ist es unverständlich, dass eine Hallensportart mittags um 12.30 Uhr stattfindet. Das wird uns alle mit Sicherheit einige Zuschauer kosten.« Der Sendeumfang werde aber »die Außenwirkung unserer Sportart weiter verbessern«, sagt der Teammanager des aktuellen Zweitliga-Titelkandidaten, Zlatko Feric, voraus. »Man muss sehen, ob und wann es uns treffen wird. Für uns geht das Ganze jedenfalls erst mit dem Aufstieg los. Ungeachtet dessen ist es für mich ein zweischneidiges Schwert.«

Keine Zersplitterung der Spieltage

Einig ist man sich unter den drei Geschäftsführern, dass man es sehr viel lieber gesehen hätte, wenn die eigene Sportart auch im freien Fernsehen empfangen werden könnte. »Dafür aber liefert Sky uns künftig ein absolutes Premium-Produkt«, hebt Christian Sprdlik hervor. »Ich finde es zudem gut, dass es keine Zersplitterung der Spieltage mehr gibt, sondern alles planbar ist.«

Aktuell leidet die Handball-Bundesliga durch die Einsätze der in den internationalen Wettbewerben im Einsatz befindlichen deutschen Teams. Spielverlegungen und auseinandergerissene Spieltage sind die Folge. Künftig soll es nur noch zwei Tage geben, an denen der Handball fliegt: eben am Sonntag, an dem um 15 Uhr noch das Topspiel angepfiffen wird, und am Donnerstag (vier Spiele um 19.00 Uhr). Letzteren Tag sieht man in OWL unproblematisch. »Bislang haben wir mittwochs gespielt. Da war die Konkurrenz durch die Fußball-Champions-League sicher größer als donnerstags durch die Euro-League«, meint Horst Bredemeier. Der Samstag (20.30 Uhr) ist nur noch ein Ausweichtermin.

Interessant dürften jetzt die neuen Hallenstandards sein, die nach dem Sky-Zuschlag folgen sollen. Minden und Lübbecke könnten dabei dauerhaft Probleme bekommen, denn ihre Hallen entsprechen den möglichen Anforderungen mit dann wohl vier Tribünenseiten nicht.

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