Mi., 13.02.2019

«Wirtschaftsreport 2019» Fußball-Bundesliga hat Umsatz seit 2010 fast verdoppelt

Christian Seifert: «Der deutsche Profifußball hat sich unverändert positiv entwickelt.»

Christian Seifert: «Der deutsche Profifußball hat sich unverändert positiv entwickelt.» Foto: Arne Dedert

Von dpa

Milliarden, Rekorde, «historische Bestmarken»: Im Wirtschaftsreport beschreibt die DFL das florierende deutsche Fußball-Business. Doch die immer höheren Zahlen stellen Aufsteiger und Zweitligisten vor zunehmend größere Probleme.

Frankfurt/Main (dpa) - Das Raumschiff Fußball-Bundesliga hebt immer weiter ab und verbessert von Jahr zu Jahr seine eigenen Rekordmarken.

Mehr Umsatz, mehr Eigenkapital und mehr Jobs: Es gibt in dem florierenden Geschäft der höchsten deutschen Spielklasse quasi keine Kennziffer, die sich in der abgelaufenen Spielzeit 2017/2018 nicht deutlich verbessert hätte. Bis man im «Wirtschaftsreport 2019» der Deutschen Fußball Liga (DFL) eine Statistik ohne «Rekord» oder «historische Bestmarke» findet, muss man auf Seite 16 blättern. Gesunken ist nämlich der Umsatz der 18 Zweitligisten.

Die DFL verweist zwar bei der 2. Liga auf das «positive Ergebnis» (26,7 Millionen Euro Gewinn) und die «veränderte Zusammensetzung der Spielklasse» (Ingolstadt und Darmstadt runter, Stuttgart und Hannover hoch). Der leichte Rückgang des Umsatzes der Zweitligisten um etwa vier Prozent aber ist ein Indiz für die immer größere Schere zwischen Bundesliga-Millionengeschäft und Zweitliga-Kampf um den Anschluss.

«Der deutsche Profifußball hat sich unverändert positiv entwickelt. Dazu tragen wesentlich die Erlöse aus den aktuellen Medienverträgen bei, die sich erstmals in den Bilanzen niederschlagen», sagte DFL-Boss Christian Seifert. Er gestand indes ein, dass sich die beiden höchsten Ligen in der letzten Saison «unterschiedlich entwickelt haben».

Das beste Beispiel dafür ist der 1. FC Nürnberg: Die Franken müssen nach vier Zweitliga-Jahren und den damit verbundenen Einbußen nun massiv fürchten, sofort nach dem Aufstieg wieder abzusteigen. In der jüngeren Vergangenheit konnten sich auch der FC Ingolstadt, Darmstadt 98, Eintracht Braunschweig, der SC Paderborn und Greuther Fürth nicht lange halten, sie waren innerhalb von zwei Jahren wieder weg.

An der Spitze des Raumschiffs mit dem am 13. Februar verkündeten Bestwert von 3,81 Milliarden Euro Umsatz in der vergangenen Spielzeit stehen Meister FC Bayern München (657 Millionen Euro) und Tabellenführer Borussia Dortmund (536 Millionen Euro), die signifikant zulegen konnten und den Bundesliga-Anstieg fast alleine zu verantworten haben. Die komplette 2. Liga (608 Millionen Euro) kann demnach beim Umsatz nicht mit den Bayern mithalten, auch der BVB setzt allein schon fast soviel um wie das gesamte Unterhaus.

Bayern-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge ist klarer Befürworter des Modells, das 80 Prozent der TV-Gelder für die Bundesligisten und 20 Prozent für die Zweitligisten vorsieht. «Im Ausland werden wir für dieses Modell eher bewundert als kritisiert, das ist für mich der Beweis, dass die Welt in Fußball-Deutschland in Ordnung ist», stellte Rummenigge in der «Sport Bild» (Mittwoch) klar.

Für wen sich diese Regelung vor allem bezahlt macht, weiß Rummenigge auch. «Ich kenne keinen Bundesligisten, der in den letzten Jahren nicht schön gewachsen ist im Windschatten der TV-Vermarktung», sagte Rummenigge, was sich anhand von Beispielen wie Mainz 05, dem FC Augsburg oder dem SC Freiburg auch belegen lässt.

An den enormen Unterschieden zwischen den höchsten beiden Ligen hat auch Fußball-Manager Andreas Rettig Kritik geübt. Der Geschäftsführer von Zweitligist FC St. Pauli lobte zwar das wirtschaftliche Wachstum der Proficlubs, relativierte aber auch. «Ob allerdings das Streben nach Rekordumsätzen das Alleinseligmachende sein muss, sollten wir uns selbstkritisch fragen. Oder ob nicht die Erhöhung der Attraktivität des Wettbewerbs durch eine gerechtere Verteilung der (gemeinsam verdienten) Medienerlöse perspektivisch der bessere Weg ist», sagte der früher für die DFL tätige Rettig am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur.

Bei der Ausschreibung der TV-Rechte ab 2021, die laut Seifert im Frühjahr 2020 vergeben werden sollen, dürften noch mehr Medien-Riesen einsteigen ins große Wettbieten um den Volkssport Fußball. Spiele am Montagabend wird es dann auf Druck der Fans in beiden Ligen nicht mehr geben.

Rummenigge kann dies verstehen, er betont dennoch: «Ich bin aber leider auch ziemlich überzeugt, dass die Idee, dafür am Samstagabend gegen 'Deutschland sucht den Superstar' oder den Krimi im ZDF ein Livespiel der 2. Liga auszutragen, keinen großen Erfolg haben wird.»

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