Mi., 17.04.2019

Feuerwehrsportler aus Kreis Höxter absolviert Marathon und Osterlauf Erst Boston, dann Paderborn

Mathias Schmidt steht glücklich im Ziel – er ist für den guten Zweck gelaufen.

Mathias Schmidt steht glücklich im Ziel – er ist für den guten Zweck gelaufen. Foto: Mona Wördehoff

Von Dennis Pape

Boston (WB). »Es ist einfach unglaublich – ich bin überglücklich.« Feuerwehrsportler Mathias Schmidt (33) aus Bredenborn (Kreis Höxter) ist beim Boston-Marathon in 4:29 Stunden ins Ziel gekommen. Bereits in den Tagen vor seinem großen Lauf hat er in den USA auf eine unheilbare Kinderkrankheit aufmerksam gemacht – denn das ist seit Jahren seine Mission.

Wenige Minuten nach seinem Zieleinlauf verkündete Wildcard-Teilnehmer Schmidt bereits die frohe Botschaft um kurz nach 22 Uhr deutscher Zeit im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT – seine unbändige Freude war tausende Kilometer von Boston bis in den Kreis Höxter durch die Telefonleitung förmlich zu spüren.

» Dass ich für kranke Kinder laufe , setzt bei mir immer wieder ungeahnte Kräfte frei. Es ist unglaublich, was man bewegen kann, wenn man mit voller Power auf ein Ziel hinarbeitet und das dann auch nicht aus den Augen verliert«, sagte er und fügte anschließend mit einem Lachen hinzu: »Heute Abend gönne ich mir ein dickes Steak und ein großes Bier.«

Schmidt läuft seit Jahren für den Verein »Aktion Benni und Co.« und sammelt damit Spenden für Kinder, die an der unheilbaren Muskelkrankheit Duchenne erkrankt sind. Dies macht er eigentlich immer in bis zu 25 Kilogramm schwerer Feuerwehrausrüstung – sein Vorhaben ist in Boston jedoch von der US-Polizei in letzter Sekunde aus Angst vor Terror gestoppt worden.

Viele neue Freunde kennengelernt

Schmidt hatte in unmittelbarer Nähe seines Hotels auf der Halbinsel Hull sowie bei einer Laufmesse in Boston viele Kontakte geknüpft und dabei bereits auf die Krankheit aufmerksam gemacht. Mehrere Male war er beim »Fire Departement« in Hull.

Die Kameraden setzten sich ebenfalls dafür ein, dass Schmidt mit einer Ausnahmegenehmigung in Feuerwehrkleidung laufen durfte. »Auch wenn das nicht geklappt hat, bin ich den Jungs unendlich dankbar. Hier habe ich viele neue Freunde und ganz besondere Menschen kennen gelernt«, sagte Schmidt.

Seit dem Tod seines Vaters, der ebenfalls an einer Muskelkrankheit gelitten hatte, läuft der Bredenborner für den guten Zweck – unter anderem auch beim Osterlauf in Paderborn am kommenden Samstag über zehn Kilometer. An der Pader tritt Schmidt in gewohnter Kleidung auch zum ersten Mal als Botschafter der Veranstaltung in Szene.

Jubel vom Seitenrand

»Dass ich in Boston dagegen nicht in Feuerwehrausrüstung starten durfte, hat mich schon sehr geärgert und das hatte ich immer mal wieder im Kopf. Aber auch ohne meine Klamotten haben mich sehr viele Menschen am Rand erkannt und mir zugejubelt – unter anderem eine komplette Mädchenschule und auch viele Feuerwehrleute an der Strecke. Es ist der Wahnsinn, wie viel Unterstützung ich von der Seite bekommen habe.«

Schmidt trug anstelle seiner Ausrüstung ein T-Shirt mit der Aufschrift: »Ich laufe für an Duchenne erkrankte Kinder. Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen.« Dabei hatte er auch seine »Firefighters-OWL«-Fahne, an der ihn viele als Feuerwehrmann erkannt haben – und die werden in Amerika bekanntlich verehrt. »Wäre ich in Uniform gelaufen, hätte ich so viele Selfies machen müssen, dass ich nie ins Ziel gekommen wäre«, scherzte der Familienvater.

Ein besonderes Selfie gab es dann doch – mit der gebürtigen Paderbornerin Mona Wördehoff, die seit zwei Jahren in Boston lebt. Sie betonte: »Mein Arbeitgeber entwickelt neue Therapien gegen Krankheiten. Es ist toll, dass sich jemand aus meiner Heimat so selbstlos für Kinder mit Duchenne einsetzt. Meine Eltern haben von Mathias im WESTFALEN-BLATT gelesen – deshalb habe ich im Ziel auf ihn gewartet.«

Stolz nach dem ersten Marathon

Schmidt musste zuvor auf der 42,195 Kilometer langen Strecke mit zum Teil starken Regengüssen und vielen Steigungen kämpfen. »Bei Kilometer 15 hatte ich erste Zweifel – aber ich habe mich zurückgekämpft und durchgehalten. Nach etwa 39 Kilometern ist es wieder angefangen zu regnen, aber kurz vor dem Ziel konnte mich nichts mehr aufhalten.«

Schmidt hatte im Training in der Heimat nicht mehr als 30 Kilometer pro Strecke absolviert. Umso größer war der Stolz nach dem ersten Marathon: »Und dann ist es auch noch der berühmteste weltweit, einfach nur großartig«, sagte er. Und dann – typisch Schmidt – zog er sich zunächst auf der Toilette eines Schnellimbisses um und machte sich anschließend zu Fuß auf den Weg zur Fähre nach Hull.

Als wenn seine Füße ihn nicht schon genug getragen hätten. Aber Schmidt hatte halt bereits das nächste Ziel vor Augen – auch wenn es dieses Mal »nur« ein Steak und ein Bier waren.

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