Do., 25.04.2019

Wie die Hermannslauffamilie Kulgemeyer Training, Beruf und Alltag unter einen Hut bekommt »Hier kommt der Kulgi-Express«

Für dieses besonderes Familienfoto haben die Kulgemeyers sogar alte Hermannslauf-Startnummern hervorgeholt (von links): Christin mit dem kleinen Johannes (1), Carolin (11), Clara-Marie (5), Vater Christoph und der 14-jährige Jonas.

Für dieses besonderes Familienfoto haben die Kulgemeyers sogar alte Hermannslauf-Startnummern hervorgeholt (von links): Christin mit dem kleinen Johannes (1), Carolin (11), Clara-Marie (5), Vater Christoph und der 14-jährige Jonas.

Von Hans Peter Tipp

Osnabrück/Bielefeld/Detmold (WB). Christin Kulgemeyer und der Hermannslauf – das ist eine lange, eine intensive Geschichte. 2001 lief sie erstmals mit, damals unter ihrem Mädchennamen Pöling bunt angemalt im Kreis ihrer Freundesclique vom TV Georgsmarienhütte. 2010 war sie Dritte, 2009 und 2017 Vierte. Am Sonntag ist die Apothekerin wieder dabei – nach der Geburt ihres vierten Kindes vor einem Jahr (fast) so fit wie immer.

Bereits am frühen Morgen geht es bei den Kulgemeyers sportlich zu. Mit dem Mountainbike radelt die fünfjährige Clara-Marie zum Kindergarten. Mama Christin ist natürlich an ihrer Seite – in Laufschuhen.

Für sie ist es die erste kleine Laufeinheit des Tages. Carolin (11) und Jonas (14) haben ebenfalls das Zweirad herausgeholt. Sie fahren in die Schule. Und wenn in Kürze der kleine Johannes (1) in die Kita kommt, ist auch das kein Fall für den Familien-Pkw, sondern für den Babyjogger. Dann wird die Morgenrunde der Mama halt etwas länger.

»Man muss sich bemühen, das Auto zu meiden«, erklärt die 41-Jährige aus Osnabrück den wichtigsten Kniff, um Sport- und Laufbegeisterung, Familien- und Berufsleben so hinzubekommen, dass keiner zu kurz kommt und alle ihren Spaß haben. »Unsere Kinder machen alle alltäglichen Wege mit dem Fahrrad.«

Eltern als sportliche Vorbilder

Die Eltern machen es vor, wobei sportliches Vorbild nicht nur die Mutter ist, die 2010 Sechste der deutschen Marathon-Meisterschaften war. Vater Christoph fährt so oft es geht mit dem Fahrrad zur Arbeit in Bad Iburg. Häufig genug läuft der Orthopäde abends die 14 Kilometer zurück. Er ist ebenso sportbegeistert wie seine Frau.

»Anders ginge es auch nicht«, sagt Christin Kulgemeyer und erzählt von der Zeit, als die beiden noch nicht verheiratet waren: »2003 hat mein Bruder aus Spaß zu Christoph gesagt, dass er sich nur weiter mit mir treffen dürfe, wenn er den Hermannslauf mitmacht.«

Also schleppte sich der damalige Junggeselle zum Start und hielt auch ohne Training bis zur Sparrenburg tapfer durch. Danach dauerte es nicht mehr lange, bis geheiratet wurde. Den Hermann läuft Christoph Kulgemeyer übrigens seitdem fast immer – auch an diesem Sonntag.

Rückblick: 2005 lief Christin Kulgemeyer verkleidet im Kreis ihrer Clique mit. Unten links ihr Mann Christoph. Foto: Stefan Hörttrich

Bei den Kulgemeyers sind aber nicht nur im Alltag, sondern auch im Urlaub oder beim Wochenendausflug zwei und nicht vier Räder das beliebteste Fortbewegungsmittel. »Wenn wir samstags oder sonntags unterwegs sind, machen wir es oft so: Einer von uns fährt, einer läuft. Und auf dem Rückweg tauschen wir«, erzählt Christin.

Gemeinsame Tour im Bayerischen

Neulich waren sie im Bayerischen auf Tour – 350 Kilometer mit Kind und Kegel von Füssen nach Rosenheim in vier Tagen. Christin Kulgemeyer beschreibt die Reiseanordnung so: »Der Kleinste saß bei mir im Anhänger, die Nächstgrößere im Nachläufer am Rad meines Mannes.

Unsere Zweitälteste hat mit einem E-Bike einen Anhänger gezogen, so dass wir alles transportieren konnten. Und für den Ältesten ist eine Fahrradtour überhaupt kein Problem.« So hatten alle ihre Aufgabe, niemand auf Kosten des oder der anderen: Teamwork als Familienmotto.

Training mit der ganzen Familie

Das habe so sehr begeistert, dass selbst der wohl unvermeidliche Plattfuß keinen Trübsinn ausgelöst habe. Christin Kulgemeyer: »Während wir den Reifen geflickt haben, sangen unsere Kinder lauthals: ›Hier kommt der Kulgi-Express‹.«

Einen Trainingstermin im engeren Sinne hat Christin Kulgemeyer nur ein Mal die Woche. Natürlich macht die Familie mit: »Dann trainieren wir gemeinsam beim Osnabrücker TB. Carolin und Jonas üben in den Jugendgruppen, wir mit den Erwachsenen, und der Jüngste sitzt beim Intervalltraining der Mama im Babyjogger.«

Eigene Begeisterung trägt ins Ziel

Vor allem durch die regelmäßige Bewegung im Alltag kommt Christin Kulgemeyer, die ab dem Sommer wieder als Apothekerin arbeiten will, auch als vierfache Mutter pro Woche auf 60 bis 65 Laufkilometer. Das sollte für einen ordentlichen Hermannslauf genug sein.

Und falls die Beine an diesem Sonntag, zwei Jahre nach ihrem vierten Platz in persönlicher Bestzeit (2:17:32) und einer Pause im vergangenen Jahr wegen der Geburt ihres Jüngsten, nicht so schnell wollen wie gewünscht, dann wird ihre eigene Begeisterung für diesen Lauf sie ganz gewiss ins Ziel tragen. Denn wie sagt die Osnabrückerin: »Es gibt viele schöne Läufe, aber nur wenige besondere. Und da steht der Hermannslauf ganz oben.«

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