Sa., 08.06.2019

Turnierdirektor Ralf Weber über Roger Federer und die Zukunft der Gerry Weber Open – mit Video »Das Turnier bleibt in Halle«

Turnierdirektor Ralf Weber und sein bester Mann: Roger Federer ist das prägende Gesicht der Gerry Weber Open.

Turnierdirektor Ralf Weber und sein bester Mann: Roger Federer ist das prägende Gesicht der Gerry Weber Open. Foto: imago

Halle (WB). Der Name wird sich spätestens im kommenden Jahr ändern, am Standort der Gerry Weber Open wird allerdings nicht gerüttelt. »Das Turnier bleibt in Halle«, versichert Hausherr Ralf Weber (55). Mit Dirk Schuster und Hans Peter Tipp sprach der GWO-Turnierdirektor auch über seinen Schweizer Topstar Roger Federer und dessen Bedeutung für die Rasentennisveranstaltung (15. bis 23. Juni) in Halle.

In einer Woche starten die 27. Gerry Weber Open. Was ist aus sportlicher Sicht das Besondere an dieser Auflage?

Ralf Weber: Dass ein Weltstar wie Roger Federer jedes Jahr hier in Halle spielt, erscheint uns allen ja fast schon selbstverständlich. Aber viele 500er-Turniere werden niemals die Chance bekommen, dass er überhaupt nur ein einziges Mal dort zu sehen ist. Dass wir Roger Federer in Halle präsentieren können, ist etwas ganz Besonderes. Allein wegen ihm reisen Fans aus aller Welt an, und natürlich ist er auch für die Tennisfans in der Region klar der Zuschauermagnet.

Worauf dürfen sich die Zuschauer sonst noch freuen?

Weber: Wir haben definitiv ein Teilnehmerfeld wie noch. Mit Federer, Alexander Zverev, Dominik Thiem, Kei Nishikori und Karen Khachanov, der kommende Woche erstmals zu den besten zehn Tennisprofis der Welt gehören wird, haben wir fünf Top-Ten-Spieler am Start. Das hatten wir noch nie. Damit stehen wir gegenüber dem Konkurrenzturnier in Queens deutlich besser da. Dazu kommen ehemalige Top-Ten-Spieler wie Jo-Wilfried Tsonga, David Goffin, Roberto Bautista-Agut, Richard Gasquet und Gael Monfils sowie Titelverteidiger Borna Coric. Jan-Lennard Struff spielt stark wie nie. Philipp Kohlschreiber liebt unseren Rasen. Die Tennisfans können sich wirklich auf diese Turnierwoche freuen, die am ersten Wochenende mit einer sehr starken Qualifikation und der Champions Trophy prominent beginnt. Auch der GWO-Doppelwettbewerb hat es in sich – unter anderem mit den aktuellen French-Open-Finalisten Kevin Krawietz und Andreas Mies.

Was glauben Sie: Wie lange wird Roger Federer noch in Halle aufschlagen?

Weber: Er hat mir mal gesagt, dass er das von seiner gesundheitlichen und sportlichen Form abhängig machen wird. Solange Roger – wie jetzt – spürt, dass er Titel gewinnen und die Großen schlagen kann, wird er meiner Ansicht nach nicht von heute auf morgen aufhören. Deshalb denke ich, dass er auf jeden Fall noch 2020, vielleicht aber auch 2021 bei uns spielt.

Machen Sie sich schon Gedanken, wie Sie Roger Federer nach der aktiven Zeit ins Turnier einbauen können?

Weber: Da wird es auf jeden Fall eine weitere Zusammenarbeit geben. Das haben mir Roger und sein Manager schon bestätigt. Was aber alles möglich ist, muss man in Ruhe besprechen, wenn es so weit ist. Da stelle ich mir auch Themen vor, die weit über einen Schaukampf hinausgehen. Es wäre natürlich das Beste, das uns passieren kann, wenn wir ihn in irgendeiner Form auch für die Zukunft langfristig einbinden könnten.

Wen könnten Sie sich in einer ähnlich bedeutsamen Rolle für das Turnier vorstellen?

Weber: Einen Nachfolger, der ihn 1:1 ersetzen kann, wird es nicht geben. Da muss man sich nichts vormachen. Was Roger Federer geleistet hat und immer noch leistet, steht so über allem anderen. Da wird es jeder schwer haben, zu sagen, ich trete jetzt in diese Fußstapfen. Also müssen wir mit Blick auf das gesamte Turnier darauf achten, dass wir – wie in diesem Jahr – eine super Mischung haben aus Weltstars, deutschen Profis und Spielern der sogenannten Next Generation, den Stars von morgen. Unsere Zuschauer wollen attraktives Tennis sehen. Das wollen wir ihnen bieten.

Finden Sie in der Vorbereitung auf das eigene Turnier die Zeit, die French Open zu verfolgen. Schauen Sie hin, wenn Roger Federer in Paris spielt?

Weber: Ich muss gestehen, das klappt momentan nur abends. Wenn man mal zuhause ist, schaut man sich Zusammenfassungen an oder bei Youtube Highlights. Es interessiert mich einfach, wie die spielen. Wenn man so eine Tennisleidenschaft hat – das ist nun mal ein Grand Slam – und wenn dann sozusagen die ›eigenen Spieler‹ antreten, dann freut man sich, wenn die weiterkommen. Da ist man schon über die Ergebnisse ganz aktuell informiert, und ich versuche auch, alles mitzubekommen.

Gibt es auch mal eine Glückwunsch-WhatsApp an Roger Federer, wenn er eine Runde weitergekommen ist?

Weber: Seinem Manager schreibe ich schon, und auch zu Khachanov haben wir einen guten persönlichen Draht. Mit ihm und dem ein oder anderen kann man sich auch direkt austauschen. Das gehört für mich einfach dazu, dass man während des Jahres Kontakt hält und bei außergewöhnlichen Erfolgen dem Spieler auch gratuliert. Das kommt bei ihnen auch ganz gut an.

Favorit ist Roger Federer auf Rasen sowieso. Aber wer ist für Sie bei diesem Turnier der größte Herausforderer?

Weber: Sascha Zverev in der jetzigen Form ist für Roger auf jeden Fall ein großer Herausforderer. Auch von Karen Khachanov, unserem zweimaligen Viertelfinalisten, erwarte ich etwas. Mit seiner krachenden Vorhand ist er bestimmt nicht zu unterschätzen. Aber auch die anderen Top-Ten-Spieler sind alle gefährlich und scheinen momentan in einer guten Verfassung zu sein. Ich sehe die Topgesetzten schon als Turnierfavoriten.

In den vergangenen Jahren gab es noch einmal Zuschauerrekorde: Sehen Sie da noch mehr Potenzial?

Weber: Wir steuern wieder auf sehr, sehr gut besuchte Gerry Weber Open zu. Bedingt durch den Feiertag und den Brückentag gibt es nur noch Restkarten für die letzten vier Turniertage. Noch warten einige vielleicht ab, ob Roger wirklich kommt. An den Tagen, an denen Roger hier spielt, werden wir bestimmt keinen freien Platz mehr haben. Insgesamt erwarte ich in diesem Jahr einen ähnlichen Zuspruch wie in den vergangenen Jahren, also rund 110.000 Zuschauer. Das ist ja auch eine beeindruckende Zahl und ein Level, das wir allein aus infrastrukturellen Gründen nicht mehr ohne weiteres steigern können.

Wie wichtig ist für das Turnier die weitere Entwicklung beim Hauptsponsor?

Weber: Nach diesem Turnier wird es eine vollständige Trennung geben. Gerry Weber ist hier Geschichte. Gerry Weber ist hier als Hauptsponsor ausgefallen. Wir möchten die Zukunft hier mit neuen Sponsoren gestalten und befinden uns in sehr intensiven Gesprächen. Wir haben ja auch eine Premium-Marke. Das Turnier wird in mehr als 130 Ländern ausgestrahlt. Sowohl Eurosport als auch das ZDF wollen die Verträge verlängern. Mündlich sind wir uns da schon einig. Denn die Sender wissen auch: Dieses Turnier – mit dieser Besetzung – das ist eine Perle. Da müssen wir unser Licht gar nicht unter den Scheffel stellen. Wir haben hier wirklich ein außergewöhnliches Turnier aufgebaut. Da muss sich keiner Sorgen machen: Die Zukunft ist gesichert. Und auf jeden Fall ist die Zukunft auch ohne Gerry Weber gesichert.

Was heißt es, wenn Sie für das Turnier einen neuen Hauptsponsor suchen? Ändert sich nur der Name der Veranstaltung oder auch der des Stadions?

Weber: Beide werden sich ändern. Es gibt zwei Pakete, die wir separat vermarkten. Ich finde das auch ganz gut, dass wir uns künftig nicht wieder von einem Partner abhängig machen. Für das Turniersponsoring suchen wir einen internationalen bzw. nationalen Partner, das Namensrecht am Stadion würden wir gern langfristig in der Region verankern.

Wann erwarten Sie eine Entscheidung?

Weber: Auf jeden Fall noch in diesem J ahr – für beide Pakete.

Worüber entscheidet der neue Turniersponsor mit? Tennisveranstaltungen sind in der Vergangenheit ja auch schon umgezogen, weil der Geldgeber es so wollte. Wird es dieses Rasenturnier weiterhin in Halle geben?

Weber: Ich habe sehr viele Anfragen bekommen, dieses Turnier in anderen Städten, Ländern oder Kontinenten stattfinden zu lassen. Ich habe keines dieser Gesprächsangebote angenommen und auch nicht darüber nachgedacht, eines anzunehmen. Dieses Turnier ist unser Herzstück und unsere Basis. Deshalb ist es für uns und die Region das Beste, dass das Turnier hier bleibt.

Ist das Bestandteil der aktuellen Verhandlungen?

Weber: Nein. Das ist nicht verhandelbar. Die Sponsoren wissen, das Turnier findet hier in Halle statt. Die Anfragen kamen von anderer Seite, von anderen Turnierveranstaltern. Aber noch mal: Das Turnier bleibt in Halle.

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