Fr., 14.06.2019

Auch vor dem Turnier in Halle schwankt die Leistung des ATP-Weltmeisters Mal so, mal so: Noch fehlt Zverev die Konstanz

Alexander Zverev ist der beste deutsche Tennisprofi und auch in Halle einer der Favoriten auf den Turniersieg.

Alexander Zverev ist der beste deutsche Tennisprofi und auch in Halle einer der Favoriten auf den Turniersieg. Foto: dpa

Von Hans Peter Tipp

Halle (WB). Es war ein Frühjahr zum Fürchten für Alexander Zverev. Die private Trennung von der Freundin Olga, die berufliche von seinem Manager Patricio Apey und die zwischenzeitliche Sorge um den erkrankten, inzwischen aber wieder erholten Vater Alexander. Phasenweise fehlten dem so begabten Tennisprofi drei der wichtigsten Bezugspersonen.

Auch an dem besten deutschen Tennisspieler ging das alles nicht spurlos vorbei, obgleich die Auswirkungen in der Weltrangliste überschaubar blieben. Statt Dritter wie zu Jahresbeginn ist Zverev derzeit Fünfter, obwohl er von März bis Mitte Mai mehr Matches verlor als gewann. Nach dem Aus beim Masters in Rom sprudelte der Frust aus ihm heraus: »Ich habe gerade keine Lust, Tennis zu spielen«, schimpfte Zverev und mahnte mehr Professionalität an bei sich und seinem gerade erst neu formierten Team.

Alexander Zverev

Nationalität: Deutscher

Alter: 22 Jahre

Geburtsort: Hamburg

Größe: 1.98 Meter

Profi seit: 2013

Höchste ATP-Platzierung: 3 (6. November 2017)

Aktuell in der Weltrangliste: 5

ATP-Turniersiege: 11

Bisheriges Preisgeld: 17.194.172 US-Dollar

Halle-Bilanz: Finalist 2016, 2017; Achtelfinalist 2015; 1. Runde: 2018

Danach wurde es besser. Am Ende der Sandplatzsaison bekam Zverev seine erste sportliche Krise ansatzweise wieder in den Griff. Der Turniersieg in Genf und das erneute Erreichen des Viertelfinales bei den French Open machen Hoffnung, dass der verkorksten ersten Saisonhälfte eine bessere zweite folgen könnte. Der frühe Aus im Achtelfinale von Stuttgart ließ aber erneut Zweifel aufkommen.

Als deutsche Hoffnung hat sich Zverev bereits einen Namen gemacht. Früh galt der gebürtige Hamburger als Gewinnertyp. Mit jetzt 22 Jahren ist er bereits ATP-Weltmeister, hat weitere zehn Turniere gewonnen und ist einer der Anführer der jungen Tennisgeneration. Aber es gibt nicht nur diesen strahlenden Zverev. Man kennt auch den hadernden, den unzufriedenen, den Schläger werfenden. Dieses Bild hat sich längst eingeprägt. Das aber stört den jungen Mann nicht wirklich. Ändern möchte er es jedenfalls nicht, wie er WESTFALEN-BLATT verrät. Er sei halt ehrlich und verstelle sich nicht, sagt Zverev.

Auch deshalb ist er mal so, mal so: zielstrebig und ehrgeizig, aber auch emotional und aufbrausend. Er kann sehr freundlich sein, charmant sogar. Doch Zverev verbirgt nicht, wenn er genervt oder gereizt ist. All diese Facetten seiner Persönlichkeit sind für ihn nur Beleg der kompletten Hingabe an jenen Sport, den er so liebt. »Ich bin einer der Tennisspieler, der die meisten Emotionen zeigt – ob positiv oder negativ«, sagt Zverev: »Ich hoffe, das wird immer so bleiben. Denn damit zeige ich ja auch, wie viel mir dieser Sport bedeutet.« »Und«, schiebt er nach: »Meistens spiele ich besser, wenn ich Emotionen zeige.« Aber auch das kann man so oder so sehen.

Mal so, mal so – das gilt auch im sportlichen Bereich. Trotz höchst respektabler 58 Siege im vergangenen Jahr – kein Tennisprofi hat 2018 mehr Matches gewonnen – verblüfft die Rasanz, mit der noch immer die Dinge ihren Lauf nehmen können, wenn es bei Zverev nicht läuft wie gewünscht.

Ein Phänomen, das verstärkt auftritt, wenn drei Gewinnsätze gefordert sind. Australian Open, French Open, Wimbledon, US Open: Stets ging am Ende nichts mehr. Auch in Paris gegen Novak Djokovic hatte Zverev wieder einen kompletten Systemausfall, als er den ersten Satz nicht gewinnen konnte und statt dessen das Match in drei Sätzen verlor.

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Ich möchte der Beste sein.

Alexander Zverev

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Trotzdem hat sich Zverev in Stellung gebracht für die Zeit, wenn die Generation 30 plus nachlassen sollte oder abtritt. Dass er in dieser Halteposition in der deutschen Öffentlichkeit einen schweren Stand hat, findet Zverev nachvollziehbar. »Wir hatten in Deutschland immer unglaublich erfolgreiche Sportler – nicht nur die Fußballer, auch in anderen Sportarten und gerade im Tennis. Wir hatten Steffi Graf, Boris Becker, Michael Stich. Wenn jetzt jemand unter den Top Fünf steht, dann ist das zwar sehr gut. Aber man erwartet immer, dass noch mehr kommt. Verstehen Sie das nicht falsch: Ich erwarte von mir selbst das meiste. Niemand erwartet mehr von mir als ich selber. Aber es braucht auch Zeit. Ich verstehe, dass man Dinge verbessern und manchmal auf demselben Level und auf einer Weltranglistenposition eine Zeit lang bleiben muss, um sich dann weiter vorzuarbeiten.«

Ein neuer Realismus? Zverev schüttelt den Kopf: »Ich war immer realistisch und bin es auch noch. Aber ich möchte trotzdem der Beste sein.«

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