Fr., 14.06.2019

Rasen-Turnier in Stuttgart Struff mit Chance auf Final-Teilnahme - Brown scheitert

Jan-Lennard Struff ballt nach dem Match die Faust.

Jan-Lennard Struff ballt nach dem Match die Faust. Foto: Silas Stein

Von dpa

Jan-Lennard Struff feuerte sich immer wieder selbst an, spielte stark und ließ sich auch von schlechten Gedanken und Nervosität nicht vom Erfolg abbringen. Der Bezwinger von Alexander Zverev vergab dagegen einen Matchball und verpasste das Tennis-Halbfinale in Stuttgart.

Stuttgart (dpa) - Der beeindruckend aufspielende Jan-Lennard Struff lässt auf den ersten deutschen Sieg beim Tennis-Turnier in Stuttgart seit 1991 hoffen.

Mit dem verdienten 6:4, 6:4 gegen den Franzosen Lucas Pouille zog der French-Open-Achtelfinalist erstmals ins Halbfinale ein und zeigte dabei eine erneut überzeugende Leistung. In einer engen Partie verpasste Qualifikant Dustin Brown anschließend den Sprung unter die Top vier und vergab beim 6:7 (3:7), 7:6 (7:2), 6:7 (2:7) gegen den favorisierten jungen Kanadier Felix Auger-Aliassime einen Matchball.

Struff spielt damit als einziger von anfangs sechs deutschen Teilnehmern um den Einzug ins Finale und trifft am Samstag auf den italienischen Tennisprofi Matteo Berrettini. «Ich bin happy, dass ich es geschafft habe. Ich habe einen Weg gefunden, auch wenn ich nervös war im letzten Spiel», sagte Struff: «Auf jeden Fall ist es ein großer Erfolg für mich, hier im Halbfinale zu stehen.» Eine Endspiel-Teilnahme auf der ATP-Tour fehlt ihm noch.

Anders als dem früh gescheiterten Alexander Zverev glückte Struff der Wechsel von Sand auf Rasen bei dem mit 754 540 Euro dotierten MercedesCup eindrucksvoll. Die deutsche Nummer zwei hatte bei den French Open in Paris zuletzt erstmals das Achtelfinale bei einem Grand-Slam-Turnier erreicht und tritt nach erfolgreichen Wochen und beflügelt von seiner neuen Rolle als junger Vater mit einem frisch gestärkten Selbstverständnis auf.

Gegen den Weltranglisten-26. Pouille ließ sich Struff am Ende auch nicht davon irritieren, dass ihm Gedanken an seine unglückliche Niederlage vor zwei Jahren im Kopf herumspukten. Im Achtelfinale in Stuttgart hatte er damals einen Matchball ausgelassen, Pouille holte anschließend den Titel. Diesmal war entscheidend, dass der Davis-Cup-Spieler bei eigenem Aufschlag keine Breakmöglichkeiten zuließ. Jeweils beim Stande von 4:4 gelang es der Nummer 38 der Welt in beiden Sätzen, dem Kontrahenten den Aufschlag abzunehmen.

Gegen den Weltranglisten-30. Berrettini hat der Davis-Cup-Spieler noch nie gespielt. Der 23-jährige Italiener setzte sich im Viertelfinale souverän mit 6:3, 6:3 gegen den US-Amerikaner Denis Kudla durch. «Jetzt habe ich gute Leute geschlagen. Der Glaube an mein Spiel wächst», sagte Struff. «Ich gehe in die Matches rein und weiß, dass ich eine gute Chance habe zu gewinnen, wenn ich mein Level abrufe.» Bislang letzter deutscher Turniersieger in Stuttgart war Michael Stich, der 1991 auf Sand gewann.

Brown stand einen Tag nach seinem überraschenden Sieg gegen den topgesetzten Zverev dicht vor dem nächsten Coup. Der 34-Jährige brachte mit seinem unorthodoxen Spielstil und seinem feinen Händchen beinahe auch den Kanadier Auger-Aliassime zur Verzweiflung. Im dritten Satz nutzte der Weltranglisten-170. eine Schwächephase der Nummer 21 der Welt zum Break, ließ aber beim 5:4 einen Matchball aus. «Felix hat unfassbar serviert, mir wenig Chancen gelassen», lobte Brown die 30 Asse des Gegners und erklärte: «Wenn man trotzdem Matchball hat, ist das sehr bitter. Seinen Ball hat er nicht sauber getroffen, und ich bin weggerutscht vorm Volley, was dann natürlich sehr frustrierend ist. Im Normalfall spiele ich den Volley rein.»

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