Sa., 15.06.2019

Der Ex-Versmolder Louis Weßels trat beim Haller ATP-Turnier in der Qualifikation an Doppel-Siege mit Kumpel Tsitsipas

Louis Weßels spielt an diesem Wochenende auf Haller Rasen die Qualifikation. Der 20-Jährige hat schon viel erlebt, steht aber noch am Anfang seiner Profi-Karriere.

Louis Weßels spielt an diesem Wochenende auf Haller Rasen die Qualifikation. Der 20-Jährige hat schon viel erlebt, steht aber noch am Anfang seiner Profi-Karriere. Foto: Stephan Arend

Von Stephan Arend

Halle (WB). Für den 20-jährigen Detmolder sind die Noventi Open ein Heimspiel, zumal er auch schon in der Haller Breakpoint-Base trainiert hat. Im WB-Gespräch spricht Louis Weßels über seine bisher besten Tennis-Tage vor drei Jahren, das anstehende Turnier in Halle und seine Hoffnungen für die Zukunft.

 

Normalerweise spielen Sie bei kleineren Turnieren. Bei wie vielen ATP-Events sind Sie in der Qualifikation angetreten?

Louis Weßels: Bei zwei Turnieren. In Hamburg habe ich 2017 in der Qualifikation gegen Leonardo Mayer gespielt, der später das Turnier gewonnen hat. In Genf hat mein Quali-Gegner Mischa Zverev das Finale erreicht. Anscheinend ist es ein gutes Omen, in der Quali auf mich zu treffen... Aber im Ernst: Wenn man gegen diese Spieler gut mitgehalten hat, ist das trotz der Niederlage ein gutes Gefühl.

 

Schon 2016 haben Sie dank einer Wild Card in Hamburg sogar im Hauptfeld gespielt und bei der ATP-Premiere das Erstrunden-Match gegen Steven Diez sensationell gewonnen...

Weßels: Ich war damals 17 Jahre alt und hatte zuvor bei Junioren-Turnieren gespielt. Eine ATP-Veranstaltung wie die am Rothenbaum ist eine ganz andere Welt. Dann gewinne ich auch noch mein Erstrunden-Spiel und komme ins Fernsehen. Mein größter Sieg und die besten Tennis-Tage meines Lebens, auch wenn ich in Runde zwei gegen den späteren Sieger Martin Klizan verloren haben.

Hat Ihnen dieser gelungene Start auf hohem Profi-Niveau geholfen?

Weßels: Ich bin in der Weltrangliste durch einen Sieg von 0 auf 500 geklettert und war danach bei den Future-Turnieren gesetzt. Auf der anderen Seite steigen nach so einem Sieg die Erwartungen anderer und auch die eigenen. Es ist gar nicht so einfach, damit umzugehen – zumal ich zu dieser Zeit nicht einmal mein Abi hatte und noch zur Schule gegangen bin.

 

Aktuell werden Sie in der Weltrangliste auf Position 472 geführt. Sind Sie bei Ihrer Karriere-Planung im Soll?

Weßels: Bis Ende 2018 war ich im Soll. Die zweite Jahreshälfte ist super gelaufen. Ich habe drei 25.000er-Turniere gewonnen und das Jahr als Nummer 320 der Weltrangliste abgeschlossen. Zu diesem Zeitpunkt war ich nur noch 50 bis 60 Plätze von der Qualifikation bei Grand-Slams entfernt. Dann ist ein neues System eingeführt worden und ich bin von einem auf den anderen Tag auf Position 460 zurückgefallen. Dieses Jahr habe ich noch keinen Boden gut gemacht. Ich war oft krank und habe mir zweimal das Außenband gerissen.

 

Kommen Sie finanziell über die Runden? Oder ist Profi-Tennis für Sie momentan noch ein Minus-Geschäft?

Weßels: Durch Sponsoren, Zuschüsse vom Deutschen Tennis Bund und meine Zweitliga-Einsätze für den Bielefelder TTC werden die Kosten gedeckt – eine Plus-Minus-Null-Rechnung.

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»Einige der richtig guten Junioren schaffen sofort den großen Durchbruch, viele andere brauchen länger dafür.«

Louis Weßels setzt sich nicht mit einem Zeitplan unter Druck

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Ab wann lohnt sich denn Profi-Tennis finanziell?

Weßels: Ich habe zu diesem Thema gerade eine interessante Geschichte über Vasek Pospisil gelesen. Das durchschnittliche Jahreseinkommen von Spielern zwischen 101 und 150 in der Welt beträgt demnach 280.000 Euro. Das klingt erst einmal nach viel Geld. Pospisil rechnet aber dann vor, dass man im Jahr Kosten von 300.000 bis 400.000 Euro hat, wenn man total professionell mit Trainer und Physio unterwegs ist.

 

Also kann auch Ihr Ziel nur sein, möglichst schnell in die Top 100 zu kommen?

Weßels: Jeder Tennisprofi hat dieses Ziel. Ich setze mich nicht mit einem genauen Zeitplan unter Druck. Ich bin 20 Jahre alt. Das Durchschnittsalter der aktuellen Top 100-Spieler beträgt 28 Jahre. Jan-Lennard Struff spielt jetzt mit 29 Jahren sein bestes und erfolgreichstes Tennis. Einige der richtig guten Junioren schaffen sofort den großen Durchbruch, viele andere brauchen länger dafür.

 

Stefanos Tsitsipas, Ihr Kumpel aus Junioren-Zeiten, ist ebenfalls 20 Jahre alt und bereits die Nummer sechs der Weltrangliste...

Weßels: Ich habe mit Stefanos Tsitsipas als Junior zusammen Doppel gespielt, gegen ihn das Doppel-Halbfinale in Wimbledon verloren. Im Einzel war er bei den Junioren die Nummer eins und ich die Nummer 16. Wir haben lange auf einem Level gespielt. Doch dann muss er wohl ein paar Dinge besser gemacht haben als ich...

 

Haben Sie noch Kontakt zum ehemaligen Doppelpartner Tsitsipas?

Weßels: Ich kenne ihn schon, seit wir zehn Jahre alt sind und er heulend vom Platz gelaufen ist, weil ihn eine Wespe gestochen hat. Ich habe mich auch mit seinen Eltern immer gut verstanden. Natürlich wird der Kontakt weniger, wenn man nicht mehr die gleichen Turniere spielt. Aber er hat mir gratuliert, als ich 2018 die erwähnten Turniere gewonnen habe und mir auch ein altes Doppelbild von uns beiden geschickt, das er irgendwo ausgegraben hat.

 

Haben Sie diese Woche in Halle schon mit Top-Leuten trainiert?

Weßels: Nein, und es ist auch gut so, dass ich bisher mit meinem BTTC-Kumpel Jannik Rother gespielt habe. Wenn ich mit den Top-Leuten trainiere, muss ich mich natürlich nach denen richten. Und viele von denen spielen schon seit eineinhalb Wochen auf Rasen. Die wollen Punkte spielen, während ich die ersten Tage noch gar nicht so weit war.(Anmerkung der Redaktion: Wenige Minuten später klingelt das Handy und Louis Weßels wird gefragt, ob er in einer halben Stunde mit dem Weltranglisten-28. Benoit Paire trainieren möchte. Weßels sagt spontan zu.)

 

 

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