Do., 08.08.2019

Ex-Gütersloher mit den Königsblauen total fokussiert auf das Pokalspiel beim Underdog SV Drochtersen/Assel David Wagner vor Pflichtspielstart mit Schalke: Jeder verdient eine Chance

Schalkes Trainer David Wagner spricht auf der Pressekonferenz vor dem DFB Pokal Spiel bei Drochtersen/Assel.

Schalkes Trainer David Wagner spricht auf der Pressekonferenz vor dem DFB Pokal Spiel bei Drochtersen/Assel. Foto: dpa/Guido Kirchner

Gelsenkirchen (WB/cbr/dpa). Schalkes neuer Trainer David Wagner hätte sich wohl eine weniger aufregende finale Saisonvorbereitung gewünscht. Nach der Affäre um die inzwischen vom Ehrenrat des Fußball-Bundesligisten sanktionierten verbalen Entgleisungen des Aufsichtratschefs Clemens Tönnies soll beim Revierclub aber nun wieder der Sport in den Vordergrund rücken.

»Ab Samstag, 15.30 Uhr, gibt es nur eine Richtung. Wir haben ein wahnsinnig wichtiges Pokalspiel. Wir sind total fokussiert auf uns und den Einzug in die zweite Pokalrunde«, sagte der frühere Zweitliga-Spieler des FC Gütersloh vor dem Erstrundenmatch des FC Schalke 04 im DFB-Pokal beim Nord-Regionalligisten SV Drochtersen/Assel.

Wagner plädiert für Chance, »es besser zu machen«

Gleichwohl kam der 47-Jährige, der zwischen 1997 und 1999 auf 49 Einsätze für den FC Gütersloh kam (7 Tore), am Donnerstag nicht darum herum, erstmals öffentlich zu den von vielen als rassistisch empfundenen Äußerungen von Tönnies und den möglichen Folgen Stellung zu beziehen. Wagner wählte seine Worte mit großem Bedacht und äußerte sich betont allgemein. »Völlig unabhängig von Clemens Tönnies bin ich der Meinung, dass jede Person, die in verantwortungsvoller Position einen Fehler macht, dafür sanktioniert wird und danach total überzeugende Reue zeigt, dass man dieser Person die Chance gibt, es besser zu machen und dass es nicht wieder vorkommt«, sagte er in Gelsenkirchen.

Darüber hinaus betonte Wagner vor seiner Pflichtspielpremiere mit den Königsblauen, dass es »schlaue Leute« im Vorstand und Ehrenrat der Königsblauen gebe, die sich eingehend mit den zurückliegenden Ereignissen beschäftigt und ihre »Statements abgegeben« hätten. Zum Sachverhalt oder ob er die Sanktionen gegen Tönnies für angemessen halte, sagte Wagner nichts.

Fall Tönnies auch im Team thematisiert

Nach den Tönnies-Äußerungen über Afrikaner vor einer Woche in Paderborn waren die Emotionen rund um das Berger Feld und weit darüber hinaus hochgekocht . Nach einer Anhörung vor dem Ehrenrat des Clubs lässt Tönnies sein Amt als Chef des Kontrollgremiums nun für drei Monate ruhen . Damit ist der Boss zwar erstmal von der Bildfläche verschwunden. Doch die Proteste – auch aus Fankreisen – gegen die von vielen als zu milde empfundene Strafe gehen weiter. Abzuwarten bleibt, ob das Team die bundesweiten Debatten um ihren Clubchef nun ausbaden muss, zumal einzelne Fangruppen Proteste ankündigten.

Der Fall Tönnies war laut Wagner Anfang der Woche auch im Team thematisiert worden. Er soll aber beim Spiel gegen den Außenseiter aus dem Norden, der in den Vorjahren Borussia Mönchengladbach und Bayern München in der ersten Pokalrunde Probleme bereitet hatte, keine Rolle mehr spielen. Sollte es Proteste geben, will Wagner die Meinungsäußerungen natürlich akzeptieren. Recht wären ihm weitere Störfeuer natürlich nicht. »Aber damit werden wir umgehen.«

Bei Raman besteht noch Hoffnung

Personell kann Wagner fast aus dem Vollen schöpfen. Nur Mark Uth und Alessandro Schöpf, die nach langwierigen Verletzungen noch nicht über Wochen konstant trainieren konnten, sowie der nach dem Afrika-Cup verspätet ins Training eingestiegene Salif Sané sind noch kein Thema für den Kader. Beim Neuzugang Benito Raman, der sich Anfang der Woche eine Sprunggelenkblessur zugezogen hatte, besteht noch Hoffnung auf ein Mitwirken. »Wenn Benito am Freitag schmerzfrei mittrainiert, ist er dabei«, sagte Wagner.

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