Mo., 12.08.2019

DFB-Pokal: Regionalligist SC Verl beim 2:0 gegen Erstligisten FC Augsburg die bessere Elf Wie ein Wunder Wirklichkeit wurde

Beim SC Verl bejubeln unter anderem Lars Ritzka (Nummer 21), Jan Schöppner (3) und Torwart Robin Brüseke die Pokalsensation.

Beim SC Verl bejubeln unter anderem Lars Ritzka (Nummer 21), Jan Schöppner (3) und Torwart Robin Brüseke die Pokalsensation. Foto: dpa

Von Hans Peter Tipp

Verl (WB). An der Poststraße ging die Pokal-Post ab. Schlusspfiff. Erleichterung. Stolz. Dann war nach dem 2:1 (2:0) gegen den Erstligisten FC Augsburg nur noch Jubel. In Verl begann der Feier-Marathon. Es war der Auftakt einer langen Nacht, wie Kapitän Julian Stöckner verkündete.

Die hatte sich der Fußball-Regionalligist ebenso redlich verdient wie den trainingsfreien Sonntag, mit dem Rino Capretti sein Team belohnte. »Wir haben Unglaubliches geschafft. Ich bin megastolz auf meine Jungs«, sagte der 37 Jahre alte Trainer des SC Verl. Der Viertligist war am Samstag durch ein Eigentor des FCA-Verteidigers Marek Suchy (8. Minute) und Ron Schallenberg (23.) früh in Führung gegangen. Erst nach dem Anschluss durch einen von André Hahn verwandelten Foulelfmeter (83.) musste der Außenseiter noch ein paar bange Minuten überstehen, ehe das Wunder endgültig vollbracht war. Dann stand der SC Verl völlig zu Recht in der zweiten Hauptrunde des DFB-Pokals.

Augsburg zollt Respekt

»Das war nicht nur gut und intensiv angelaufen, sondern auch gut Fußball gespielt«, sagte Augsburgs Trainer Martin Schmidt und zollte den unterklassigen Gastgebern seinen Respekt: »Gratulation an Verl: Gestohlen war der Sieg nicht.« Klar: Lars Ritzka, der zuvor den Elfmeter an Hahn verschuldet hatte, verhinderte in der Nachspielzeit im Verbund mit der Latte mit etwas Glück per Kopf das 2:2. »Aber verdient wäre der Ausgleich nicht gewesen«, meinte Verls Angreifer Matthias Haeder, der beim 1:0 die Augsburger zum Eigentor gezwungen und beim 2:0 die Vorarbeit geleistet hatte.

Kommentar

Ein großer Tag für den kleinen SC Verl. Die Pokalsensation gegen den FC Augsburg hat den Fußball-Regionalligisten wieder auf die deutsche Fußball-Landkarte gehoben. 20 Jahre nach dem legendären Sieg im Elfmeterschießen gegen Borussia Mönchengladbach haben die SCV-Fans jetzt eine neue Heldengeneration. Die muss nun beweisen, dass sie nicht nur ein Team für besondere Momente ist. Nach dem Feiertag beginnt am Mittwoch im Westfalenpokal beim RSV Meinerzhagen der Alltag, ehe am Samstag in der 4. Liga in Lippstadt am dritten Spieltag endlich der erste Sieg gelingen soll. Hans Peter Tipp

Erst hatten die Verler den Erstligisten mit forschem Pressing überrascht. Später feierten sie den Erfolg hart am Rande der Euphorie. Aber überrascht waren die Gastgeber von ihrem Fußballwunder nicht. Sie hatten felsenfest daran geglaubt, seit die frühere Nationalspielerin Nia Künzer vor knapp zwei Monaten die Kugel mit der Aufschrift FC Augsburg aus der Lostrommel gefischt hatte.

»Unmöglich ist nichts. Wir wollen nicht großkotzig sein, aber wir möchten eine Runde weiterkommen«, hatte Trainer Capretti damals gesagt. Und der SCV-Vorsitzende Raimund Bertels hatte betont, dass es attraktivere Gegner als den FC Augsburg gebe und hinzugefügt: »Aber wenn wir die haben wollen, müssen wir eben eine Runde weiterkommen.« Damals gesagt, jetzt getan.

Verl stellt sich selbst nicht in Frage

In der Zwischenzeit redeten die Verler ihr mögliches Fußballwunder nicht nur herbei. Sie taten viel dafür und gaben alles – in jedem Training und jedem Testspiel. Und selbst die Tatsache, dass ihnen in der Regionalligasaison noch kein Sieg gelungen war, ließ sie nicht zweifeln. Weder stellten sie ihre Art Fußball zu spielen in Frage, noch verloren sie den Glauben, im Pokal Großes leisten zu können.

»Man kann ja nicht nur sagen, dass man gewinnen will. Man muss das auch immer wieder unterfüttern«, erläuterte Capretti seine Strategie. Gegen Augsburg richtete er seine Taktik erst gar nicht am Erstligisten aus. Capretti ließ seine Elf genauso im 4-3-3 agieren wie eine Woche zuvor in Oberhausen und ermutigte sie auch gegen Augsburg zum hohen Pressing. Capretti: »Ich habe den Jungs gesagt, dass wir leiden werden und leiden müssen.« An diesem Samstag litten sie gern.

Der größtmögliche Erfolg

»Wir sind von unserer Idee, Fußball zu spielen, überzeugt«, betonte Kapitän Stöckner, »und wir wussten, dass wir damit den Augsburgern Probleme bereiten können. Das haben ja der SC Paderborn (1:2) und Arminia Bielefeld (2:2) in den Testspielen gegen uns ja auch erkennen müssen.« Gegen Augsburg stellte sich nun der größtmögliche Erfolg ein.

»Jetzt nehmen wir gern Dortmund oder die Bayern«, nannte Stöckner seine Wunschgegner für die zweite Pokalrunde. Die wird am kommenden Sonntag in der ARD-Sportschau ausgelost. In Verl werden sie das gespannt verfolgen.

Verl: Brüseke - Choroba, Langesberg, Stöckner, Ritzka - M. Kurt, Schallenberg, Schöppner - A. Yildirim (72. Heinz), Haeder (63. Janjic), Hecker (85. Semlits)

Augsburg: Koubek - Teigl, Suchy, Rieder, Pedersen (67. R. Khedira) - Gruezo, Baier, Gregoritsch (67. Jensen), Hahn, M. Richter (86. Schieber) - Niederlechner

Schiedsrichte r: Thomsen (Kleve)

Zuschauer: 4198

Tore: 1:0 Suchy (8./Eigentor), 2:0 Schallenberg (23.), 2:1 Hahn (83./Foulelfmeter)

Gelbe Karten: Yildirim, Schallenberg, Schöppner / Suchy, Gruezo

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