Sa., 14.09.2019

Drohende Schließung der Kampa-Halle gefährdet Existenz von GWD Minden »Eine große Katastrophe«

Mindestens 17 Pflichtspiele trägt der Handball-Bundesligist pro Saison in der Kampa-Halle aus.

Mindestens 17 Pflichtspiele trägt der Handball-Bundesligist pro Saison in der Kampa-Halle aus. Foto: Thomas F. Starke

Von Volker Krusche

Minden (WB). Bleibt der Bundesliga-Handball an der Weser erhalten? Die Verantwortlichen von GWD Minden melden da große Zweifel an, denn in dieser Woche wurde bekannt, dass die Heimstätte der Grün-Weißen, die Kampa-Halle, aus Brandschutzgründen möglicherweise  schon zum 1. November geschlossen werden muss. Wie es dann kurz- und mittelfristig mit der Aufrechterhaltung des Spielbetriebs weitergeht, weiß derzeit niemand.

Schon vor Monaten war davon die Rede, dass die Halle aufgrund eines TÜV-Gutachtens zum Brandschutz mit Abschluss der laufenden Bundesligasaison zwecks Sanierungsmaßnahmen für ein halbes Jahr geschlossen werden müsse. GWD Minden (derzeit Achter der Bundesliga mit ausgeglichenem Punktekonto) hatte sich daher auch schon nach einer Umgangslösung umgeschaut. Da mögliche Alternativen aber daran scheiterten, dass sie keine Bundesligatauglichkeit besitzen, blieb nur eine Lösung: die Merkur-Arena. Ausgerechnet Lübbecke, wo doch GWD und den TuS seit Jahrzehnten im Mühlenkreis eine sich aber mehr und mehr abschwächende Rivalität verbindet.

Dieses erste Szenario ist seit dieser Woche allerdings vom Tisch. Trotz eines Brandschutzgutachtens des Kreises Minden-Lübbecke wurden seit 2014 auch mit Blick auf den möglichen Bau einer neuen, modernen Multifunktionshalle durch die Stadt Minden für die »Kampa« immer wieder Übergangslösungen geschaffen. Im November steht nun nach fünf Jahren die nächste TÜV-Abnahme an. Und da schätzt der vom Kreis beauftragte Gutachter, dass es eine sofortige Hallensperrung geben werde, sollte der Kreistag auf seiner Sitzung am 7. Oktober nicht beschließen, eine umfangreiche Hallensanierung vorzunehmen. »Nur dann könnte es sein, dass die Halle bis zur Baumaßnahme weiter genutzt werden kann«, sagt Minden-Lübbeckes Landrat Dr. Ralf Niermann im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT. »Aber eine Garantie kann auch dafür keiner geben.«

Ergibt eine Sanierung Sinn?

Die Kosten für die Sanierung beziffert er auf 12,3 Millionen Euro. Da stellt sich die Frage nach dem Sinn, einen Bau aus den 70er Jahren, der längst nicht mehr den Anforderungen einer modernen Arena entspricht, mit so viel Geld »aufzupeppen«. Niermann: »Die Bausubstanz sollte aber noch für 20 Jahre reichen.«

Der Landrat macht deutlich, »dass wir in der Verantwortung stehen, die Sicherheit von Sportlern, Schülern und Besuchern zu garantieren. Daher können wir gar nicht anders, als die Halle zu schließen, wenn das Geld für die Sanierung nicht bereitgestellt wird.« Dann müsse sie, genauso wie die Kreisschwimmhalle, abgerissen werden. Um den Schul- und Vereinssport zu garantieren, müsse in dem Fall jedoch ein neues Sportzentrum errichtet werden, das Niermann auf etwa 7,5 Millionen Euro taxiert, in dem aber dann nur Platz für 199 Zuschauer wäre. Also keine Halle für GWD.

GWD wünscht sich eine neue Halle

Die Mindener Bundesliga-Handballer befinden sich augenblicklich also zwischen Baum und Borke. Sie betonen, dass eine Sanierung der alten Halle nicht der richtige Weg sei. Vielmehr wünscht man sich bei GWD die neue Multifunktionshalle, die rund 35 Millionen Euro kosten würde. Im Sky-Interview am Rande des Bundesliga-Heimspiels gegen Ludwigshafen (29:23) sprach GWD-Geschäftsführer Markus Kalusche davon, »dass das, was man uns jetzt mitgeteilt hat, in der Kurzfristigkeit das für uns schlimmste vorstellbare Szenario ist. Der Aus- und Umzug wird für uns ein Kraftakt mit unabsehbaren Folgen werden. Eine große Katastrophe, die GWD die Existenzgrundlage entziehen wird. Wir würden jegliche Wettbewerbsfähigkeit verlieren und müssten uns langfristig wohl aus dem Profihandball verabschieden. Die Menschen und Bürger dieser Stadt wären, wenn jetzt keine Multifunktionshalle kommt, die großen Verlierer, wir als GWD dabei das prominenteste Opfer!«

Es sei für keinen nachvollziehbar, wenn jetzt 15 Millionen Euro in eine Substanz investiert würden und man es später gar nicht sehen würde. »15 Millionen für die Sanierung der alten Kampa-Halle ist doch bei einem Volumen von 35 Millionen für eine neue Halle ein Wahnsinnsverhältnis. So viele Steuergelder kann man doch nicht in einen Status Quo stecken, der niemanden nach vorne bringt«, so Kalusche. »Es muss einfach abwendbar sein, dass es hier keinen Profisport mehr gibt. Dafür müssen sich jetzt aber alle bewegen.«

TuS N-Lübbecke bietet Hilfe an

Mindens Nachbar TuS N-Lübbecke fühlt indes mit den Grün-Weißen. »Das ist natürlich ganz bitter«, so TuS-Geschäftsführer Torsten Appel. »Der Kreis hat zwar noch nicht mit uns gesprochen, was kommen könnte, aber natürlich würden wir in der Not eng mit GWD zusammenrücken.«

Mit Blick auf die Multifunktionshalle sieht Landrat Dr. Niermann indes die Stadt Minden am Zuge. »Sie wusste seit 2014, was mit der Kampa-Halle auf sie zukommt. Die neue Halle hätte längst stehen können.«

Seitens der Wirtschaft betont Melitta-Gesellschafter Jero Benz, dass gemeinsam mit der Stadt längst ein tragfähiges Konzept für die Multihalle entwickelt und dem Kreis vorgelegt sei, in dem auch die Hauptkritik der Politik der laufenden Kosten geregelt wäre. Die würden von einer von der Wirtschaft getragenen Betriebs GmbH übernommen werden. Sollte sich der Kreis, so Bentz, aus der Finanzierung der Multihalle verabschieden, sei dies ein völlig falsches Signal für die Region.

In den sozialen Medien fordern die Menschen inzwischen Wirtschaft, Stadt und Kreis auf, sich schnellstens zur Rettung des Bundesligahandballs, aber auch der vielen anderen Veranstaltungen und Events, die eine Schließung der Kampa-Halle mit sich bringen würde, zusammenzufinden.

Kommentare

Mit * markierte Felder sind Pflichtfelder

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6925560?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198306%2F2509832%2F2198364%2F