Di., 26.11.2019

Gebürtiger Herforder ist Leistungsträger beim Topklub aus Sachsen – 28-Jähriger spielte auch bei Arminia und Paderborn Vom Auslaufmodell zum Kapitän: Herforder Demme ist Mister RB Leipzig

Diego Demme (von links) bei RB Leipzig (2019), dem SC Paderborn (2013) und Arminia Bielefeld (2011). Fotos: Thomas F. Starke

Diego Demme (von links) bei RB Leipzig (2019), dem SC Paderborn (2013) und Arminia Bielefeld (2011). Fotos: Thomas F. Starke

Leipzig (WB/sba/dpa). Die bisweilen irrationale Schnelllebigkeit des Fußball-Geschäfts erfährt Diego Demme gerade am eigenen Leib. Vor wenigen Monaten galt er bei RB Leipzig noch als Auslaufmodell, am Mittwoch (21 Uhr/DAZN) führt er die Mannschaft in der Champions League gegen Benfica Lissabon als Kapitän auf den Platz. Statt Bankdrücker ist Demme unumstrittener Anführer.

»Wir haben sehr viel Selbstvertrauen, es funktioniert momentan viel von dem, was wir trainiert haben. Das wollen wir auch gegen Benfica zeigen«, sagte der Nationalspieler und gebürtige Herforder, der in Hiddenhausen aufgewachsen ist, mit bislang einem Einsatz. RB genügt ein Punkt, um das Achtelfinale erstmals zu erreichen. Und die Sache mit dem Selbstvertrauen und dem Lauf trifft auf Demme zu wie auf keinen anderen im RB-Kader.

Denn in der Rückrunde ließ ihn Ex-Trainer Ralf Rangnick oft links liegen, stellte Demme in den letzten elf Spielen nur einmal in die Startelf. Der ehrgeizige Kämpfer war frustriert. Obwohl er mit Ehefrau Alina gerade ein Haus im schicken Vorort Markkleeberg bezogen hatte, lotete Demme die Möglichkeiten eines Wechsels aus. Der AC Florenz zeigte großes Interesse und rannte beim Halb-Italiener offene Türen ein.

Doch Demme blieb nach einem klärenden Gespräch mit Rangnicks Nachfolger. »Sportdirektor Markus Krösche hat mir gesagt, dass man auf mich bauen wird und das hat mich überzeugt«, sagte der 28-Jährige. Und Trainer Julian Nagelsmann schwärmte regelrecht von der Kämpfernatur: »Diego ist sehr aggressiv, geht keiner Konfrontation aus dem Weg. Das gefällt mir sehr. Er hat eine große Bedeutung, ist lange im Verein und trägt die Philosophie in sich.«

Rechtsstreit mit Arminia

Fußballerisch ausgebildet wurde Demme bei Arminia Bielefeld. Im Sommer 2004 wechselte der Ostwestfale damals von RW Kirchlengern in die Jugend des DSC. Zehn Spiele machte Demme für Arminia in der 2. Liga, bevor es ihn im Sommer 2012 zum OWL-Rivalen SC Paderborn zog. Der Wechsel sorgte damals für juristische Nebengeräusche. Erst nach einem Rechtsstreit zwischen Arminia und dem Profi wechselte Demme endgültig zum SCP. Der Grund damals: Arminia hatte eine Option gezogen, um mit dem damals 19-Jährigen zu verlängern, der Spieler wollte dennoch nach Paderborn wechseln. Am Ende wurde Diego Demme sein Wunsch erfüllt. Bevor er im Januar 2014 nach Leipzig wechselte, machte der Herforder 58 Zweitligaspiele für Paderborn.

Tatsächlich geht Demmes Bedeutung für RB deutlich über das Spielfeld hinaus. Bei den Fans ist der Mittelfeldspieler Kult, weil er bei seinem ersten Profi-Tor nach über 100 Spielen einen Zahn verlor und dafür vom damaligen Trainer Ralph Hasenhüttl verspottet wurde. »Selbst wenn er bei jedem Tor einen Zahn verliert, hat er am Ende seiner Karriere noch sein ganzes Gebiss«, sagte der Österreicher über den chronisch ungefährlichen Demme.

Wichtiges Bindeglied bei RB

Mittlerweile steht Demme bei zwei Toren und ist in- und außerhalb der Mannschaft beliebter denn je. Intern ist der polyglotte Ostwestfale wichtiges Bindeglied zu ausländischen Spielern, half immens bei der Integration von Matheus Cunha oder Marcelo Saracchi. Für die Fans ist er ein Symbol des Leipziger Weges. Demme kam im Januar 2014 für 350 000 Euro von Paderborn nach Sachsen. Mittlerweile ist sein Marktwert auf über 15 Millionen Euro gestiegen.

Demme ist sich seiner Rolle bewusst. »Wenn du sechs Jahre für einen Verein spielst, bedeutet das viel. Der Verein hat mich zu dem gemacht, der ich bin. Und dafür habe ich ihm viel zu verdanken«, betonte der Profi, der die Nationalelf noch nicht abgeschrieben hat: »Ich hake grundsätzlich gar nichts ab, das Leben und der Fußball sind bunt und kein Wunschkonzert. Ich muss mich nicht verstecken.«

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