Aber Union Berlin kommt mit 1500 Fans zum Pokalspiel an die Poststraße – mit Video
Verl hat noch was vor

Verl (WB). Auf dem Papier ist es ein Heimspiel. Doch dem Viertligisten SC Verl droht in seinem DFB-Pokal-Achtelfinale am Mittwochabend gegen den Erstligisten Union Berlin (18.30 Uhr/Sky) atmosphärisch ein Auswärtsspiel. Von den insgesamt 5153 Karten – die Sportclub-Arena ist ausverkauft – gingen 1520 an Union Berlin. Üblicherweise steht dem Gästeverein nur ein Kontingent von rund zehn Prozent zu.

Mittwoch, 05.02.2020, 04:45 Uhr aktualisiert: 05.02.2020, 08:48 Uhr
Trainer Guerino Capretti (hinten links) und Präsident Raimund Bertels (hinten rechts) wollen mit dem SC Verl am Mittwochabend die nächste Sensation im DFB-Pokal schaffen. Foto: Thomas F. Starke
Trainer Guerino Capretti (hinten links) und Präsident Raimund Bertels (hinten rechts) wollen mit dem SC Verl am Mittwochabend die nächste Sensation im DFB-Pokal schaffen. Foto: Thomas F. Starke

Sorge vor Berlin-Fans ohne Ticket

„Das hat bauliche Gründe“, erklärt Hans Katzwinkel. Was der 2. Vorsitzende des SC Verl meint: Die Südtribüne des Verler Stadions und auch etwa ein Drittel der angrenzenden Osttribüne, wo die Gästefans untergebracht sind, verfügt über keinerlei Trennung. Vorgeschrieben ist jedoch, dass Heim- und Gästefans räumlich voneinander getrennt sein müssen. „Somit blieb uns gar keine andere Wahl, als diesen Bereich komplett unseren Gästen zur Verfügung zu stellen“, erklärt Katzwinkel. Insgesamt ist die Rede von allein 1400 Stehplätzen. Hinzu kommen weitere 120 Sitzplätze in Block A der Westtribüne, die für Union-Anhänger reserviert sind.

Darüber hinaus „haben wir etwas Sorge vor Berlin-Fans, die ohne Ticket anreisen“, sagt der SCV-Vorsitzende Raimund Bertels. Die Zahl der Sicherheitskräfte im Stadionbereich sei laut Bertels gegenüber dem Zweitrundenspiel gegen Holstein Kiel von 80 auf 150 aufgestockt worden.

Zwei mobile Flutlichtmasten aus England

Für die Heimfans ist die Ticketverteilung ärgerlich, denn das Interesse in Verl (25.000 Einwohner) und Umgebung an der Partie war und ist enorm . Der SC baut dennoch auf den Heimvorteil. In den ersten Runden gegen den Erstligisten FC Augsburg (2:1) und den Zweitligisten Kiel habe man gesehen, dass die kleine enge Arena „uns gut tut“, sagt SCV-Trainer Guerino Capretti. „Das wird uns wieder pushen.“

In der Sportclub-Arena an der Poststraße werden mobile Flutlichtmasten aus England aufgebaut. Aber die Verler müssen mit nur zwei dieser Masten auskommen. Vier gibt es insgesamt, die anderen beiden werden in Völkingen gebraucht , wo um 20.45 Uhr der andere im Wettbewerb verbliebene Viertligist Saarbrücken den Karlsruher SC empfängt.

Video-Assistent im Van

Weiteres Kuriosum: In beiden Stadien wird es erstmals den Videobeweis geben. Der entsprechende Assistent sitzt aber nicht im Kölner Keller, sondern in einem Bulli vor dem Stadion. Das hat technische Gründe, da beide Stadien nicht über eine direkte Anbindung an das Video Assist Center in Köln verfügen.

Elfmeter nicht speziell geübt

In der zweiten Runde war der Videoschiedsrichter noch nicht zum Einsatz gekommen. Hier setzten sich die Verler im Oktober vergangenen Jahres mit 8:7 im Elfmeterschießen gegen Kiel durch. Auch gegen Union könnte es wieder ein langer Abend werden. Speziell geübt haben die Verler Elfmeter aber nicht. Capretti: „Sich den Ball im Training auf den Punkt zu legen und reinzumachen, das kann jeder, das kann auch ich noch. Aber es ist eine ganz andere Atmosphäre, wenn die Jungs im Spiel am Mittelkreis stehen und sich zum Elfmeterpunkt aufmachen. Das kann man nicht simulieren.“

Nervöses “Geburtstagskind”

Caprettis Aufregung hält sich in Grenzen. „Ich schlafe immer gut“, sagt der Coach, der am Mittwoch 38 Jahre alt wird. Gleichwohl räumt er ein, dass die Pokalpartien sowohl für ihn als auch für seine Spieler „Höhepunkte unserer bisherigen Laufbahn sind“. Deshalb werde eine gewisse Nervosität auch vorhanden sein – „und das ist auch menschlich. Es gilt, diese durch erste gute Pässe und gewonnene Zweikämpfe schnell abzulegen“, lautet Caprettis Rezept.

Der Trainer ist zuversichtlich, dass dem Außenseiter zum dritten Mal etwas Großes gelingen kann: „Ich spüre bei den Spielern, dass es nicht eine Partie ist, vor der es heißt: Wir genießen die Atmosphäre und dann schauen wir mal. Da sind die Jungs sehr, sehr ehrgeizig.“ Ganz klar: Der SCV hat sich nicht weniger vorgenommen, als der erste Viertligist im Viertelfinale seit Kiel 2012 zu werden.

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