Leiser Abschied
Werner-Transfer zu den Blues nur noch Formsache

Timo Werner ist offenbar dem Reiz der Premier League erlegen. Der Stürmer von RB Leipzig zieht nach Medienberichten seine Ausstiegsklausel und wechselt zum FC Chelsea. Dafür sollen die Blues trotz der Corona-Krise knapp 60 Millionen Euro Ablöse zahlen.

Freitag, 05.06.2020, 21:52 Uhr aktualisiert: 05.06.2020, 21:56 Uhr
Timo Werner (l) soll vor einem Wechsel zum FC Chelsea stehen.
Timo Werner (l) soll vor einem Wechsel zum FC Chelsea stehen. Foto: Ina Fassbender

Leipzig (dpa) - Es geht nur noch um Details, dann unterschreibt Deutschlands bester Stürmer einen hoch dotierten Vertrag beim FC Chelsea.

Hinter den Kulissen verhandelt Sportdirektor Markus Krösche wohl den zweiten Big Deal für RB Leipzig, auch wenn er sich (noch) ausweichend zum großen Verlust für den sächsischen Fußball-Bundesligisten äußert. «Timo ist ein extrem wichtiger Spieler, der auch in dieser Saison wieder extrem viel geleistet hat. Dass er Interesse von anderen Vereinen weckt, ist ein Stück weit auch normal», erklärte Krösche im TV-Sender Sky. Auf Nachfrage betonte er: «Wir konzentrieren uns jetzt auf Paderborn, da wird Timo dabei sein, in den nächsten Spielen auch. Was mit seiner Zukunft ist, das wird man dann sehen.»

Eine der ersten Reaktionen aus der Liga kam ausgerechnet vom Rekordmeister FC Bayern, der sich in der Vergangenheit mehrfach mit dem Werner-Thema beschäftigte. Münchens Trainer Hansi Flick gratulierte dem FC Chelsea zum Transfer und betonte am Freitag: «Timo ist ein sehr guter Spieler, auch ein Spieler, der Tore macht. Da hat Chelsea eine sehr gute Verpflichtung getätigt - wenn das so ist dann.»

Die «Bild»-Zeitung und das Fachmagazin «Kicker» hatten zuerst über den Transfer berichtet. Der Wechsel des 24-Jährigen, der noch bis 2023 unter Vertrag bei RB steht, bringt knapp 60 Millionen Euro in die Kasse. Bisher war Naby Keita, der 2018 für rund 60 Millionen nach Liverpool wechselte, der teuerste Transfer der Leipziger.

An der Themse soll Werner das neue Gesicht im Team von Trainer und Club-Idol Frank Lampard werden. Die Anerkennung des einst torgefährlichen Mittelfeldspielers für Werner spielte bei der Entscheidung - lieber Stamford Bridge statt Anfield Road - eine tragende Rolle. Bereits im vergangenen Monat hatte Werner erklärt, dass ihn ein Wechsel ins Ausland besonders interessiere und es spiele «auch eine Rolle, dass die gegenseitige Wertschätzung maximal da sein müsste». Beim FC Liverpool unter Jürgen Klopp hätte der Torjäger keine Einsatzgarantien wie jetzt noch unter Julian Nagelsmann.

Der RB-Cheftrainer hatte vor Wochenfrist gesagt: «Ich weiß, was ich an ihm hab - und das zeige ich ihm ähnlich wie bei Dayot Upamecano, dass er jedes Spiel von Beginn an spielt.» Im gleichen Atemzug meinte Nagelsmann aber auch: «Und wenn dann ein Verein kommt und sich mit ihm einigt, dann ist es so, dann können wir eh nichts dran ändern. Es ist sein Leben, seine Karriere und auch seine Entscheidung.»

Nun werden es wohl nur noch fünf Bundesliga-Geisterspiele plus die mögliche Champions-League-Zugabe sein. Ein leiser Abschied für den gefeierten Star, der 2016 von Ralf Rangnick für 14 Millionen Euro vom VfB Stuttgart nach Leipzig kam und seinen Marktwert seitdem fast verfünffacht hat.

Finanziell würde der gebürtige Schwabe einen Riesensprung machen. Für einen Fünfjahresvertrag beim Club des russischen Oligarchen Roman Abramowitsch soll Deutschlands Nationalstürmer pro Jahr mehr als zehn Millionen Euro kassieren, berichtete die «Bild».

Für RB heißt es nun: Ersatz besorgen, auch wenn der zuletzt stark aufspielende Werner mit seinen 31 Saisontoren, allein 25 in der Bundesliga plus acht Vorlagen, kaum zu ersetzen ist. Krösche muss daher an der Weiterverpflichtung von Patrik Schick arbeiten, der von der AS Rom bisher nur ausgeliehen ist. Der Sportchef will aber gern noch etwas an der Ablöseschraube drehen. Aktuell kann der Tscheche per Option für 29 Millionen Euro ausgelöst werden. Sollte die Saison in Italien nicht zu Ende gespielt werden und die Roma auf Einnahmen angewiesen sein, dürfte Verhandlungsspielraum da sein.

Auf Zeit spielen wird RB im Fall des Bremer Stürmers Milot Rashica. Ein Interesse an einer Zahlung von 38 Millionen Euro Ablöse in Richtung Werder Bremen zur Fälligkeit der Ausstiegsklausel am 15. Juni - wie bei Werner - wird Leipzig ablehnen. Sollte Werder absteigen, wäre der Kosovo-Albaner deutlich preiswerter zu haben. Grundsätzliches Interesse von RB ist weiter da.

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