Rekordsieg in der Eifel
Hamilton verneigt sich vor Schumacher: «Ikone und Legende»

Lewis Hamilton ist noch lange nicht satt. Der Mercedes-Pilot nimmt nach seinem Eifel-Meilenstein weitere Rekorde ins Visier. Was verbindet Ausnahmekönner wie Hamilton und Michael Schumacher? Welchen Platz nimmt der Brite in den Formel-1-Geschichtsbüchern ein?

Montag, 12.10.2020, 11:05 Uhr aktualisiert: 12.10.2020, 11:08 Uhr
Lewis Hamilton feiert mit dem Helm von Michael Schumacher den Sieg auf dem Nürburgring.
Lewis Hamilton feiert mit dem Helm von Michael Schumacher den Sieg auf dem Nürburgring. Foto: Bryn Lennon

Nürburg (dpa) - Dem Schmuckstück von Michael Schumacher versprach der unersättliche Formel-1-Rekordjäger Lewis Hamilton einen besonderen Platz in seinem Wohnzimmer.

Nach der Einstellung des Siegrekords der deutschen Motorsport-Legende und dem Geschenk eines roten Rennhelms verneigte sich der englische Mercedes-Pilot vor dem Kerpener. Als «eine Ikone und eine Legende» würdigte Hamilton den Deutschen nach seinem 91. Grand-Prix-Erfolg auf dem Nürburgring.

Vor dem irren Meilenstein in der Eifel verneigte sich auch die Formel-1-Szene. Ergriffen nahm Hamilton all die Lobeshymnen entgegnen. Der Ausnahmekönner will mit der Jagd nach Bestmarken aber noch lange nicht aufhören. «Ich bin noch nicht fertig», kündigte der 35-Jährige am Sonntagabend an. «Hoffentlich liegen noch mehr Rekorde vor uns, die wir brechen können.»

Eine emotionale Geste der Familie Schumacher hatte Hamilton bei der Formel-1-Rückkehr auf den Nürburgring gerührt. Aus den Händen von Michael Schumachers Sohn Mick erhielt der WM-Spitzenreiter einen Rennhelm aus dessen letzter Saison in der Motorsport-Königsklasse 2012. Etwas Persönlicheres als den eigenen Kopfschutz gibt es unter Rennfahrern nicht. Noch vor seinem Wechsel zu Mercedes zur Saison 2013 als Nachfolger von Schumacher hatte Hamilton mit dem Deutschen sogar persönlich die Helme getauscht. Mehr Respekt geht nicht.

Schumacher lebt seit seinem schweren Ski-Unfall Ende 2013 von der Öffentlichkeit abgeschirmt. Hamilton wird weitere Rekorde brechen. Das weiß auch Ferrari-Pilot Sebastian Vettel, dessen Idol Schumacher seinen 91. Sieg 2006 gefeiert hatte. «Es war für mich eine Zahl, von der ich immer dachte, dass sie nie eingestellt oder sogar übertroffen wird. Wir können ziemlich sicher sein, dass er sie übertreffen wird», meinte Vettel. «Vielleicht in 10, 15, 20 Jahren wird die Wertschätzung noch größer sein. Wenn man noch aktiv ist, schaut man auf sich selbst und nicht so sehr auf andere.»

Hamilton ist Rekordmann bei Pole Positions (96), den alleinigen Siegrekord kann er schon in zwei Wochen in Portugal erobern, Ende dieser Saison dürfte er auch seinen siebten WM-Titel erringen und damit mit Schumacher gleichziehen. Wenn er sich mit Mercedes auf einen neuen Vertrag über das Saisonende hinaus einigt, kann er die magische Acht kommendes Jahr angreifen. Welchen Platz erhält der Brite aber künftig in den Formel-1-Geschichtsbüchern?

Hamilton wird als einer der Besten in die Historie eingehen. Aber als der Beste? Profitiert er nicht elementar von dem herausragenden Mercedes, wie Kritiker anmerken? «Ich will diese Stimmen nicht zulassen, die sagen, er fährt einen Mercedes, das ist es ja klar, dass er so viele Rennen gewinnt», meinte Mercedes-Teamchef Toto Wolff. Schumacher profitierte nach harten Aufbaujahren bei Ferrari ebenfalls von einem Ausnahmewagen.

Wolff verwies darauf, dass Hamilton die couragierte Entscheidung getroffen habe, Anfang 2013 von McLaren zu den Silberpfeilen zu wechseln. Damals hatte Mercedes in drei Jahren zuvor nur einen Grand Prix gewonnen. Hamilton feierte indes seit seinem Wechsel alleine 70 Erfolge mit den Silberpfeilen.

«Am meisten beeindruckt mich, wie er sich als Mensch von Jahr zu Jahr entwickelt. Der Lewis Hamilton von Heute hat nichts mit jenem zu tun, den ich 2013 angetroffen habe», erzählte Wolff. «Er ist fähig, jedes Jahr besser zu werden, außerhalb und innerhalb des Autos. Das ist echt inspirierend.»

Unbändigen Ehrgeiz und den glühenden Willen zur Verbesserung haben Ausnahmekönner wie Hamilton und Schumacher gemeinsam. «Die Zahl 91 ist schwindelerregend, aber sie verdeutlicht auch die Leistung der beiden Männer, zu zwei sehr unterschiedlichen Zeiten», befand «Le Figaro» in Frankreich. Hamilton selbst sieht sich als Teamplayer und Lotse. Fahrer wie Schumacher oder er seien so etwas wie Steuermänner. «Unser Job besteht darin, das Team in die richtige Richtung zu lenken, um Fortschritt zu erzeugen», erläuterte Hamilton.

Der Wettkampf treibt ihn an. Und vielleicht wird irgendwann jemand seine Bestmarken übertreffen. «Man sollte diese Leute ermutigen, ihr volles Potenzial abzurufen. Wenn das bedeutet, dass sie sich einen Rekord holen, dann ist das großartig», meinte Hamilton. Und Wolff sagte: «Vielleicht ist jemand gerade im Kindergarten oder der Schule, der eines Tages Lewis' Rekord jagen wird. Und so soll es sein.»

© dpa-infocom, dpa:201012-99-912488/2

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