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Caritas hilft syrischer Familie auf der Flucht

Ahmed möchte Lehrer bleiben

Bielefeld (WB). Nach vier Jahren Studium in seiner Heimatstadt Aleppo hatte Ahmed Rahini (31) sein Ziel erreicht: Er war Lehrer und unterrichtete Englisch. Zwei Jahre später setzte der Krieg seiner Karriere ein Ende. Ahmed Rahini floh in die benachbarte Türkei, wo er zuerst noch als Lehrer arbeiten konnte. Seit Anfang Oktober lebt er in Hessen. 

Patrick Nicholson und Stefan Teplan, Caritas international

Der syrische Lehrer Ahmed Rahini (rechts) mit seinen Eltern auf Lesbos: Sie baten darum, ihre Gesichter unkenntlich zu machen. Foto: Caritas

»Ich bin Kurde«, erklärt Ahmed. In Syrien drohte ihm vor drei Jahren die Einberufung in Assads Armee. »Aber die militärische Führung traut den Kurden nicht und schickt uns meist an vorderste Front. Wenn mich da der IS erwischt hätte, wäre ich sofort hingerichtet worden. Meine Überlebenschancen waren sehr gering.«

In der Türkei sah Ahmed seine Perspektiven schwinden, als die Konflikte zwischen Regierung und Kurden eskalierten: »Als sie herausfanden, dass ich Kurde bin, verlor ich meine Arbeit als Lehrer.« Dann wurde sein Elternhaus in Aleppo zerbombt. Seine Eltern und seine Schwestern Fatima (22) und Rehan (26) suchten Zuflucht in der Türkei. Für die Familie stand fest: »Wir gehen nach Europa.«

»Leserspende«

Der Erlös der WESTFALEN-BLATT-Weihnachtsspendenaktion kommt diesmal geflohenen syrischen Kindern, Alten und Kranken in Jordanien, im Libanon und in Syrien zugute. Wenn Sie helfen möchten, nutzen Sie bitte das Konto:

Für eine Spendenquittung tragen Sie bitte Ihre Adresse ein. Spendernamen veröffentlicht Caritas International aufgrund eigener Datenschutzrichtlinien nicht. Bei Fragen zur Spendenaktion helfen wir Ihnen unter 0521/585 254 oder spende@westfalen-blatt.de.

Nach einer lebensgefährlichen Bootsfahrt – 52 Menschen wurden von Schleppern auf einem acht Meter langen und drei Meter breiten Boot zusammengepfercht – erreichten sie die griechische Insel Lesbos. Die Caritas Griechenland, unterstützt von Caritas international, versorgt dort ankommende Flüchtlinge mit Schlafsäcken, Decken, Medikamenten und anderen Hilfsgütern. Ahmed und seine Familie berichteten dort Anfang September im Schatten eines der Versorgungszelte den Caritas-Mitarbeitenden von den Schrecken ihrer Flucht: »Die Schlepper fuhren erst gar nicht mit auf dem Boot. Ohne Brot und ohne Wasser überließen sie uns unserem Schicksal.« Die Flüchtlinge waren bereits auf offenem Meer, als der Motor aussetzte. Einem Passagier gelang es, den Motor dreimal notdürftig zu reparieren und wieder in Gang zu setzen.

Nach der Begegnung auf Lesbos blieben wir mit Ahmed in Kontakt. Wir wollten von ihm erfahren, wie es weiterging. Von den vielen Beschwernissen, über die zahlreiche andere Flüchtlinge auf der Balkanroute über Mazedonien, Serbien, Kroatien, Ungarn und Österreich bis nach Deutschland berichten, blieben Ahmed und seine Familie verschont. »Teils in Bussen, teils mit der Bahn kamen wir zügig weiter. Die Polizei behandelte uns überall sehr gut. Und überall haben uns hilfsbereite Menschen unterstützt.«

An allen Grenzorten, die Ahmed und seine Familie passieren mussten, ist die Caritas mit Helferinnen und Helfern präsent, um die Flüchtlinge mit dem Lebensnotwendigen zu versorgen.

Inzwischen wohnen sie in einer Flüchtlingsunterkunft in Hessen. »Wir schlafen mit 300 anderen Flüchtlingen in einer Halle auf dem Gelände einer Schule. Es geht uns hier sehr gut«, erzählt Ahmed am Telefon. Das Einzige, was ihnen fehle, sei die Privatsphäre. Darum hoffe er, dass seine Familie bald eine Wohnung beziehen könne.

Kopfzerbrechen bereitet Ahmed die Ungewissheit: Wie lange dauert es wohl, bis sein Asylantrag angenommen wird? Und er eine Arbeitserlaubnis erhält? Seine Schwestern Fatima und Rehan möchten ihre Studien der Architektur und Mathematik an einer deutschen Uni fortsetzen. Ob das so einfach geht? Ahmed ist froh, dass die Caritas Flüchtlingen auch bei Behördengängen mit Rat und Tat zur Seite steht. Ahmed will unbedingt wieder als Lehrer arbeiten. Er träumt davon, in einem Land zu leben, in dem er nie mehr an Flucht denken muss. Und in dem er noch vielen ebenso freundlichen Menschen begegnen wird, wie jenen, die ihm begegnet sind.

Alle Artikel zur Weihnachtsspendenaktion des WESTFALEN-BLATTES finden Sie hier.

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