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Einer von 40 Ahnenforschern im Kreis Herford: Thomas Kriete sucht seit Jahren nach seinen familiären Wurzeln

„Jeder hat Vorfahren in Amerika“

Herford

Unter seinen Vorfahren sind Vertreter der bekannten Herforder Familie Budde. Aber auch auf Auswanderer ist Thomas Kriete bei seiner Ahnenforschung gestoßen – und auf einen Mörder. Und da das Zurückverfolgen von Stammbäumen kein Ende kennt, wird der 56-Jährige noch manche Überraschung erleben.

Von Hartmut Horstmann

Thomas Kriete (56): Der Ahnenforscher, von Beruf Programmierer, kennt viele Wege, um an Stammbaum-Informationen zu kommen. Dabei stieß er unter anderem auf die Familie Budde, die in der Stadt viele Spuren hinterlassen hat. So war mindestens ein Vertreter der Familie Vorsitzender der Bäckerinnung. Daran erinnert diese Stuhlreihe in der Jakobikirche: „Ein ehrbarer Bäckeramtsstuhl.“ Foto: Hartmut Horstmann

Der Bad Oeynhauser, der 17 Jahre in Herford gelebt und an der Friedrich-List-Schule Abitur gemacht hat, ist Mitglied der Arbeitsgruppe Familienforschung im Kreis Herford. Einmal im Monat treffen sich die etwa 40 Ahnenforscher zum Informationsaustausch.

Die Motive, etwas über die eigenen familiären Wurzeln zu erfahren, mögen unterschiedlich sein. Bei Thomas Kriete steht am Anfang ein trauriges Ereignis: „Als mein Vater im Jahr 2002 gestorben war, merkte ich, dass ich auf der Trauerfeier viele Verwandte nicht kannte. Aber zum Glück konnte ich noch meine Mutter fragen.“ Kriete begann, einen Stammbaum zu erstellen, und setzte die Namen der Verwandten als erste ein.

Dann kamen die Großeltern hinzu, deren Eltern und so weiter. Man muss das Prinzip nur weiterverfolgen, um zu erahnen, wie schnell die Zahl der namentlich ermittelten Vorfahren mit allen möglichen Abzweigungen in die Höhe geht. Was die Spurensuche angeht, so wird es für die Forscher ab 1874 amtlich. Denn in dem Jahr seien in Preußen die Standesämter eingeführt worden, so Kriete.

Entscheidende Informationen stehen in den Familienstammbüchern. Vor dieser Zeit dienten die Kirchenbücher als wichtigste Auskunftsquelle. Diese beginnen im Kreis Herford meist im 17. Jahrhundert: „Zum Glück stehen im Kreis Herford mittlerweile etwa 95 Prozent der Kirchenbücher bis 1900 im Internet.“ Schwierig wird es, wenn es um die Zeit vor den Kirchenbüchern geht: „Hier können zum Beispiel alte Hofakten weiterhelfen.“

Beim Nachvollziehen der verschiedenen Familienzweige stellte Thomas Kriete fest, dass die Großmutter seiner Großmutter eine geborene Budde war – bis heute eine angesehene Herforder Familie (Stichwort: Weinrich-Schokolade). Für den Ahnenforscher finden sich ihre Spuren auch jenseits der obligatorischen Eintragungen in Kirchenbüchern. So war mindestens ein Vertreter der Familie Vorsitzender der Bäckerinnung, die in der Jakobikirche eine eigene Sitzreihe hatte.

Der Name an einer Kirchenbank besagt, dass die Familie den Platz für einen bestimmten Zeitraum gemietet hatte. Foto: Hartmut Horstmann

Auf drei Plätzen findet sich jeweils ein Schild mit dem Namen Budde. Vergleichsweise einfach ist es, Näheres über Vorfahren zu erfahren, wenn diese Politiker, Kaufleute oder Geistliche waren. Aber es gibt auch andere Wege, um in Archiven Spuren zu hinterlassen. „Manchmal hat man Glück und jemand hat etwas angestellt“, meint Kriete betont lapidar. „Wenn jemand zum Beispiel Holz geklaut hat, taucht er in den Gerichtsakten auf.“ Dabei machte der 56-Jährige auch eine überraschende Entdeckung: „Einer meiner Vorfahren war ein Mörder.“

Kriete erfuhr, dass dieser Mann Kantor und Lehrer war und wegen seiner Straftat 1821 ins Zuchthaus am späteren Wilhelmsplatz kam. 1824 sei er dort gestorben. Andere Vorfahren verschlug es nach Amerika – für den Familienforscher nichts Ungewöhnliches. Er sagt: „Jeder hat Vorfahren in Amerika, es weiß nur nicht jeder. Man muss im Stammbaum nur weit genug zurückgehen, um auf Auswanderer zu stoßen.“

Louise Margarethe Caroline Budde (1849 - 1882) gehört zu Krietes Vorfahren. Foto: Hartmut Horstmann

Einen ersten Anhaltspunkt liefern die Auswandererlisten aus dem Kreis Herford, die allesamt im Internet stehen. Erfolgversprechender ist aber eine Methode, die sich laut Kriete vor allem in den USA großer Beliebtheit erfreut. Denn dort sei die Suche nach den europäischen Wurzeln sehr verbreitet: „Mit Hilfe eines DNA-Abgleichs kann man auf bestimmten Portalen nach Übereinstimmungen suchen.“

Fünf bis sechs Generationen ließen sich so nachvollziehen. Kriete stieß hier bisher auf mehr als fünf Auswanderer-Namen – mit zwei Familien gelang es ihm, Kontakt aufzunehmen. Aus dem Wissen um die Personen entstehen so Bilder, die sich mit Leben füllen lassen. „Es ist wie ein Puzzle, es hat etwas von detektivischer Arbeit“, sagt der Experte, der in der Arbeitsgruppe Familienforschung für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.

Zur Suche hinzu komme der Zusammenhalt: „Ahnenforscher helfen sich immer untereinander.“ Weitere Informationen gibt es unter: info@hfgen.de

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Der Bad Oeynhauser, der 17 Jahre in Herford gelebt und an der Friedrich-List-Schule Abitur gemacht hat, ist Mitglied der Arbeitsgruppe Familienforschung im Kreis Herford. Einmal im Monat treffen sich die etwa 40 Ahnenforscher zum Informationsaustausch.

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