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Flüchtlinge kommen voraussichtlich am Montag an

Kinderheim flieht aus Mariupol nach Lage

Lage

In normalen Zeiten führt David Albrecht einen Malerbetrieb in Lage, aber der russische Überfall auf die Ukraine hat sein Leben grundlegend verändert. Seit einer Woche organisiert der Handwerker ein neues Zuhause für ein komplettes Kinderheim.

Von Christian Althoff

Mit einem Heer von Helferinnen und Helfern bereitet David Albrecht aus Lage die Ankunft der Kinder vor. „Kleidung haben wir inzwischen in allen Größen genug“, sagt er. Was fehlt, seien haltbare Lebensmittel, zum Beispiel Konserven, Marmelade, Nudeln, Mehl und Reis Foto: Althoff

Dessen kleine und große Bewohner haben es trotz Beschusses aus Mariupol herausgeschafft und sind mit Privatautos auf dem Weg in den Westen. Der Hilferuf aus der Ukraine erreichte David Albrecht über seine Schwester. „Eine Freundin von ihr hat in die Ukraine geheiratet und arbeitete dort in dem christlichen Kinderheim.“ Mariupol ist eine der am stärksten umkämpften Städte, es fehlt an allem. „Ich wollte für die Kinder und ihre Betreuer einen Zufluchtsort schaffen, und dank der unglaublichen Hilfe von vielen Freiwilligen scheint das zu klappen“, sagt der 38-Jährige und strahlt.

Die Freie Evangeliums-Christen-Gemeinschaft Lage hat ihm ein leerstehendes Gebäude im Ortsteil Stapellage überlassen, in dem früher einmal eine Behinderteneinrichtung zu Hause war. Seit Tagen sind fleißige Helfer dabei, alles zu putzen und auf Vordermann zu bringen. „Wir haben auf Ebay-Kleinanzeigen nach Betten und Schränken gesucht und gefragt, ob wir sie gespendet bekommen. Und das hat in vielen Fällen geklappt.“ Zwölf Dreibettzimmer sind schon fertiggestellt. Die Betten sind frisch bezogen, und auf jedem Kopfkissen wartet ein Kuscheltier.

In der seit langem ungenutzten Küche steht Anna Kebernik auf der Arbeitsplatte und putzt mit einer Zahnbürste durch die Ecken der Schränke. Sie ist schon den vierten Tag hier und hat ihre vier Monate alte Tochter Hannah mitgebracht, die aus ihrer Wippe zuschaut. „Als ich gehört habe, dass Hilfe gebraucht wird, habe ich mich sofort gemeldet.“

Die Not der Flüchtlinge, die jeder im Fernsehen sehen könne, mobilisiere die Menschen, sagt David Al-brecht. So habe eine Kirchengemeinde aus Blomberg eine Tonne Kartoffeln und Konserven gespendet.

In diesem früheren Behindertenheim können die Kinder aus der Ukraine unterkommen. Foto: Christian Althoff

Etwa 34 Kinder und ihre Betreuerinnen und Betreuer werden in Lippe erwartet, die genaue Zahl kennt Al-brecht noch nicht. Das Jugendamt Lage sitzt bei dieser Aktion mit im Boot, und auch das Jugendamt des Kreises Lippe wird voraussichtlich helfen, weil es so viele Kinder sein werden. „Soweit ich weiß, sind es keine Waisen“, sagt der Organisator. Die Kinder sollen in Friedenszeiten von ihren Eltern abgegeben worden sein, weil die für sie nicht genug Essen gehabt haben sollen. Das Handy klingelt, und David Albrecht bekommt die Information, dass es die Flüchtlinge nach Rumänien geschafft haben und sie dort in einem Lager untergekommen sind. Man sieht dem Lipper an, wie sehr er sich freut. „Sie sind in Sicherheit!.“

Dass jemand ein ganzes Kinderheim in den Westen holt – diese Nachricht hat sich über Telegram und andere Dienste so weit verbreitet, dass sich Unterstützer aus dem ganzen Land melden. Noch einmal klingelt das Telefon, und Al-brecht verkündet nach dem Gespräch strahlend: „Regionalligist Lokomotive Leipzig stellt seinen Mannschaftsbus mit Fahrer zur Verfügung, um die Kinder aus Rumänien zu holen. Und den Sprit bezahlen die Spieler aus der Mannschaftskasse.“

Die ersten gespendeten Lebensmittel sind da, aber sie werden wohl nicht lange reichen. Foto: Christian Althoff

Heute Nacht wird Albrecht von Leipzig aus mit dem Bus nach Rumänien aufbrechen. Er wird Medikamente mitnehmen, denn zwei Kinder leiden an so schweren Krankheiten, dass sie im schlimmsten Fall die Reise abbrechen und ins nächste Krankenhaus müssen. „Dann will ich auf jeden Fall die passende Arznei dabeihaben“, sagt der Lipper. Wann er mit den Flüchtlingen in Lage ankommen wird, vermag er noch nicht abzuschätzen. „Vielleicht am Montagmorgen.“

■ Wer helfen möchte, kann für den Betrieb des Kinderheims steuerabzugsfähig spenden (Infos unter www.fecg-arche.de). Haltbare Lebensmittel können abgegeben werden (Billinghauser Straße 9, Lage). Wer Kinderfahrräder, Gartenspielgeräte und einen aktuellen Computer spenden möchte, mailt sein Angebot an erika.rosenfeld@gmx.de.

Über die aktuelle Entwicklung durch den russischen Angriff auf die Ukraine halten wir Sie in unserem Liveticker auf dem Laufenden.

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Dessen kleine und große Bewohner haben es trotz Beschusses aus Mariupol herausgeschafft und sind mit Privatautos auf dem Weg in den Westen. Der Hilferuf aus der Ukraine erreichte David Albrecht über seine Schwester. „Eine Freundin von ihr hat in die Ukraine geheiratet und arbeitete dort in dem christlichen Kinderheim.“ Mariupol ist eine der am stärksten umkämpften Städte, es fehlt an allem. „Ich wollte für die Kinder und ihre Betreuer einen Zufluchtsort schaffen, und dank der unglaublichen Hilfe von vielen Freiwilligen scheint das zu klappen“, sagt der 38-Jährige und strahlt.

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