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Ehemaliger Torjäger mit 69 Jahren verstorben

Arminia Bielefeld und FC Gütersloh trauern um Volker Graul

Bielefeld/Gütersloh

Wenige Wochen vor seinem 70. Geburtstag ist am Sonntag der ehemalige Fußballprofi Volker Graul gestorben. Der gebürtige Gütersloher spielte in Ostwestfalen-Lippe für den FC Gütersloh und Arminia Bielefeld.

Von Andreas Schnadwinkel

In Diensten des DSC Arminia Bielefeld: Volker Graul (links) und Trainer Otto Rehhagel. Foto: imago

Für den DSC absolvierte der Mittelstürmer in den Saisons 1978/1979 und 1980/ 1981 insgesamt 45 Spiele in der Bundesliga und traf sechsmal. Ein Tor steuerte er zum legendären 4:0-Sieg am 10. März 1979 im Olympiastadion gegen Bayern München bei. Der FC Gütersloh bezeichnet Volker Graul auf seiner Internetseite als die „wohl schillerndste Persönlichkeit der Vereinsgeschichte“. Als Manager war er in den 90er Jahren für die erfolgreichste Zeit des Klubs verantwortlich, als der FCG 1998 relativ knapp am Aufstieg ins Oberhaus scheiterte. Allerdings wurde der anschließende Niedergang der Gütersloher vor allem auch ihm zur Last gelegt. Graul soll seit Jahren an Herzproblemen gelitten haben und ist am Sonntag in einer Klinik in Bad Rothenfelde verstorben.

Ende der 60er Jahre deutete sich eine vielversprechende Karriere des A-Jugendlichen der Sportvereinigung Arminia Gütersloh an. An der Seite von Uli Hoeneß gab er 1969 sein Debüt in der Jugendnationalmannschaft, für die er in sieben Spielen zwei Tore erzielte. Im ersten Seniorenjahr schloss sich Graul dem VfL Osnabrück an und bewies seinen Torriecher in der Regionalliga Nord. Schon als junger Spieler hatte Graul seinen eigenen Kopf und neigte zu spontanen Vereinswechseln, wie im Dezember 1972 zum FC Den Bosch in die niederländische Ehrendivision.

Zur Rückrunde 1973/1974 unterschrieb der Angreifer zum ersten Mal in Bielefeld und sorgte mit elf Treffern in 16 Partien dafür, dass Arminia sich für die neu gegründete Zweite Liga Nord qualifizieren konnte. Dort avancierte er in der ersten Spielzeit mit 30 Toren zum Goalgetter Nummer eins. Das weckte Begehrlichkeiten: Graul gehörte zum Kader der B-Nationalelf und stand bei Bayern München und dem Hamburger SV auf dem Zettel. Ein Transfer soll an den zu hohen Ablöseforderungen des DSC gescheitert sein, was den Spieler nicht gerade motivierte. So beließ er es in der Saison 1975/1976 bei nur elf Toren und ging zu Preußen Münster.

Auch dort sollte es ihn nicht lange halten. Nach einem Intermezzo bei Fortuna Köln kam der clevere Stürmer im Herbst 1978 wieder auf die Alm. Zum Einstand sicherte er beim 1:1 gegen den VfB Stuttgart den Punkt. Seine Treffsicherheit hätten sich die Arminia-Fans aber wohl am meisten am 11. November 1978 gewünscht, als die Bielefelder im eigenen Stadion den 1. FC Kaiserslautern an die Wand spielten und am Ende 0:1 verloren, weil Volker Graul zuvor mit einem Strafstoß an Ronnie Hellström (verstarb am 6. Februar) gescheitert war. Natürlich hatte er als Gefoulter selbst geschossen. Zwei Punkte, die fehlten.

In der folgenden Zweitliga-Saison standen andere im Rampenlicht. Gerd-Volker Schock, Norbert Eilenfeldt und Christian Sackewitz schossen den Verein als epochaler „100-Tore-Sturm“ zurück nach oben. Für Graul blieben in 16 Partien zwei Tore. Nach dem Klassenerhalt 1980/1981 (16 Spiele, kein Treffer) beendete er seine Profikarriere. So ganz umsonst wollte der Fußballer, bei dem es in jeder Funktion immer auch ums Geld ging, als Amateur für den FC Gütersloh aber nicht auf dem Platz stehen. Graul war Geld versprochen worden, das er vor einem Zivilgericht einklagte.

Nach der aktiven Zeit handelte der Gütersloher mit Autos und Immobilien, bevor er als Manager den FC Gütersloh übernahm. Auch als Spielervermittler trat er in Erscheinung, dabei war er in die Untreue-Ermittlungen ge­gen Bayer Leverkusens Ex-Manager Reiner Cal­mund involviert. Zu Arminia Bielefeld soll er in den Nuller-Jahren gute Verbindungen gehabt haben. Volker Graul war nicht nur ein schillerndes Schlitzohr, er war auch Schattenmann im heimischen Profifußball. Zum letzten Gruß schrieb Ex-Profi Dirk van der Ven: „Mach et jut, Pocke‘."

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