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Der Fehlstart in die Rückrunde ist nur vordergründig der Anlass für die Trennung

Arminia Bielefeld entlässt Trainer Uwe Neuhaus

Bielefeld (WB)

Arminia Bielefeld trennt sich von Cheftrainer Uwe Neuhaus. Zwar steht die offizielle Bestätigung des Klubs noch aus. Doch nach WESTFALEN-BLATT-Informationen ist die Entlassung beschlossene Sache.

Dirk Schuster 

Uwe Neuhaus (rechts) und sein Assistent Peter Nemeth müssen gehen. Foto: Thomas F. Starke

Demnach war in einer Konferenz der Gremienvertreter am späten Sonntagabend bereits eine Art Vorentscheidung gefallen, Neuhaus und auch dessen Assistenten Peter Nemeth freizustellen. Tags zuvor hatte der DSC mit 0:3 bei Borussia Dortmund verloren. Es war im fünften Rückrundenspiel des Aufsteigers die vierte Niederlage. Nur in der Partie beim FC Bayern holten die Ostwestfalen einen Punkt (3:3). Wer beim Fußball-Bundesligisten der Nachfolger des 61-Jährigen wird, ist noch nicht bekannt.

Doch die zuletzt weitgehend ausgebliebenen Resultate sind nur vordergründig der Anlass für die Trennung. Seit geraumer Zeit ist das Verhältnis zwischen Neuhaus und anderen Verantwortlichen wie Sport-Geschäftsführer Samir Arabi belastet. Grund sind unterschiedliche Auffassungen über taktische und personelle Maßnahmen. Auch ein dem Vernehmen nach ausgeprägter Mangel an Kommunikationsbereitschaft ist Neuhaus letztlich zum Verhängnis geworden. Ebenso hätte sich die Klubführung gewünscht, dass Neuhaus mehr jungen Talenten eine Chance gibt. Spieler wie Jomaine Consbruch (19) aus der eigenen Jugend oder der mittlerweile an den Zweitligisten VfL Osnabrück verliehene Sebastian Müller (20) sind zwei Beispiele, die unter Neuhaus so gut wie gar nicht zum Zuge kamen.

Der heute 61-Jährige hatte Arminia im Dezember 2018 als Nachfolger des entlassenen Jeff Saibene übernommen. Neuhaus führte die Ostwestfalen aus der Gefahrenzone der 2. Liga nach einer starken Rückrunde noch auf Abschlusstabellenplatz sieben. Ein Jahr später gelang ihm mit dem DSC als Zweitligameister der Aufstieg in die Bundesliga.

Wer die Arminen von Dienstag an auf die so wichtige Heimpartie am Sonntag um 18 Uhr gegen Union Berlin vorbereiten wird, ist noch unklar. Es heißt, dass unter anderem über den ehemaligen DSC-Profi Bruno Labbadia gesprochen worden sein soll. Labbadia war bis zum 24. Januar dieses Jahres Coach beim Ligakonkurrenten Hertha BSC. Die Berliner stecken gemeinsam mit der punktgleichen Arminia mitten im Abstiegskampf. Auch der Name Torsten Lieberknecht macht die Runde. Der 47-Jährige trainierte bis November 2020 den Drittligisten MSV Duisburg.

Ebenso gut ist möglich, dass Arabi ein ähnliches Kaninchen aus dem Hut zaubert wie es ihm im März 2017 mit Saibene gelungen war. Der Neue wird mutmaßlich kein Feuerwehrmann sein, sondern ein Coach, der im Abstiegsfall auch den Neuaufbau einleiten soll. Im Sommer laufen beim DSC 14 Profiverträge aus, die meisten davon dürften erwartungsgemäß nicht verlängert werden.

Nur drei Tage nach der Partie gegen Union Berlin holen die Bielefelder auch ihr am 7. Februar wegen des starken Schneefalls ausgefallenes Heimspiel gegen Werder Bremen nach. Ein Doppelpack, bei dem die Weichen gestellt werden in Richtung Ligaerhalt oder zumindest Relegationsrang 16 – oder eben in Richtung Zweitklassigkeit. Ein neuer Trainer soll nun auch neuen Schwung für diese wichtigen Duelle bringen.

Nach 22 Spielen liegen die Arminen auch nach dem verkorksten Rückrundenstart als Drittletzter immer noch aussichtsreich im Rennen. Trotzdem wurden die Zweifel immer größer, dass mit Neuhaus die unverhoffte Chance auf den Ligaerhalt genutzt werden kann. Die Verlockung, einen neuen Impuls zu setzen, war entsprechend groß. Aufsichtsrat und Geschäftsführung sehen sich einerseits nun nicht mehr dem potenziellen Vorwurf ausgesetzt, nicht alles versucht zu haben, um das vermeintlich Unmögliche möglich zu machen. Andererseits wissen die Klubverantwortlichen natürlich ganz genau, dass die Trennung nicht ohne Risiko und im Falle des Abstiegs auch zum Bumerang werden kann.

Die Mehrzahl der Fans ist anderer Meinung

Wählt man die Sozialen Medien als Grundlage für ein Stimmungsbild, so können die Fans mehrheitlich nicht nachvollziehen, warum Neuhaus gehen musste.

Doch das haben die Verantwortlichen bei ihrer Entscheidung in Kauf genommen. „Es ist unsere Aufgabe, mit der Situation verantwortungsvoll im Sinne des Klubs umzugehen. Die Geschäftsführung und die Gremien werden gemeinsam analysieren und bewerten“, hatte Sport-Geschäftsführer Samir Arabi bereits am Sonntag erklärt. Die Gräben zwischen Neuhaus auf der einen und den Klubverantwortlichen auf der anderen Seite waren offenbar zu tief.

Der Trainer selbst muss geahnt haben, dass es eng werden könnte für ihn. Bei der Pressekonferenz am Samstag nach dem 0:3 in Dortmund wurde er gefragt, ob er erwarte, dass nach der Niederlagenserie während der Hinrunde mit sieben Pleiten am Stück die Diskussionen um ihn nun erneut Fahrt aufnehmen werden. Neuhaus antwortete, dass diese Diskussionen ja nicht erst seit dem Dortmund-Spiel aufkamen, sondern „durchgängig da waren“.

Eine eher überraschende Einschätzung des Trainers. Da die öffentlichen Diskussionen um ihn nach dem wichtigen 1:0 im Dezember beim FC Schalke und erst recht nach dem Hinrundenendspurt mit zehn Punkten aus fünf Spielen verstummt waren, legt Neuhaus‘ Äußerung den Verdacht nahe, dass er innerhalb des Klubs dauerhaft entsprechende Strömungen wahrgenommen haben muss.

Neuhaus‘ Vertrag ist unabhängig von der Liga bis 2022 gültig. Arminia wird von nun an also zwei Trainer bezahlen müssen.

Kurios: Neuhaus ist der bereits dritte Arminia-Coach, der nach einer Niederlage gegen Borussia Dortmund gehen muss. 2007 traf es Ernst Middendorp nach einem 1:6 beim Revierklub, 2009 war Michael Frontzeck nach einem 0:6 in Dortmund betroffen.

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