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Der Fußballzweitligist und sein Trainer stehen vor der Trennung

Arminia hat das Vertrauen in Kramny offenbar verloren

Bielefeld (WB). Sitzt Jürgen Kramny auch beim nächsten Zweitligaspiel des DSC Arminia am Freitag gegen Kaiserslautern noch auf der Bank? Es sieht nicht danach aus.

Dirk Schuster

Unterschiedliche (Aus-)Richtungen: DSC-Sportchef Samir Arabi (links) und Trainer Jürgen Kramny. Foto: Thomas F. Starke

Am Montagabend haben die Verantwortlichen, wie berichtet, über die Zukunft des Trainers beraten. Alles deutet darauf hin, dass sie ihm heute den Stuhl vor die Tür stellen.

Arabi ohne Bekenntnis zu Kramny

»Es gibt immer mehrere Stellschrauben. Eine ist der Trainer, eine die Spieler, eine andere das System«, sagte Samir Arabi. Auch am Montag vermied der Sportchef ein Bekenntnis zu Kramny, ließ offen, ob der Coach auch im so wichtigen Spiel gegen Lautern noch in der Verantwortung stehen wird.

Für Kramny käme es dann zum Duell mit seinem Vorvorgänger. Als Norbert Meier noch beim DSC im Amt war, moserten nicht wenige über seinen nüchternen Ergebnisfußball. Heute würden die selben Leute sich kaum etwas sehnlicher wünschen, als dass Meier noch da wäre und den Klub nach 2016 auch 2017 ebenso unspektakulär wie ungefährdet zum nächsten Klassenerhalt führen würde.

Alarmstufe Rot – wieder mal

Stattdessen herrscht in Bielefeld mal wieder Alarmstufe Rot, steht der nächste Coach vor dem Rauswurf. Kramny wirkte auch am Montag noch angeschlagen, als er zum Trainingsbeginn um 9.58 Uhr mit seinen Spielern aus der Kabine kam. Der 45-Jährige führte beim Auslaufen nach der »leb­losen Vorstellung« (Arabi) beim 0:1 am Sonntag in Nürnberg ein ausgedehntes Gespräch mit den Führungsspielern Fabian Klos und Julian Börner. Ob des Trainers Worte noch Gehör fanden?

»Ich wiederhole nach einer Nacht darüber schlafen noch einmal: So steigen wir ab«, bekräftige Arabi am Montag erneut, was er schon kurz nach der erschreckenden Darbietung im Frankenland geäußert hatte und betonte: »Die Situation ist sehr, sehr ernst.«

Aufsichtsratssitzung: Der Trainer steht »im Mittelpunkt«

Zwar kann der 38-Jährige nicht allein entscheiden, wie es weitergeht. Ein gewichtiges Wort hat er aber allemal mitzureden. Die anderen, die Einfluss auf die Entscheidung pro oder contra Kramny nehmen, sind zuvorderst Aufsichtsratschef Hartmut Ostrowski, Präsident Hans-Jürgen Laufer, ­Finanz-Geschäftsführer Gerrit Meinke und natürlich Sponsor, Gönner und Darlehensgeber Gerhard Weber.

Bis auf Letztgenannten, der im Aufsichtsrat durch Dr. David Frink (Vorstand der Gerry Weber International AG) vertreten wird, saßen alle am Montagabend gemeinsam in einer langen Gremiensitzung (erst nach Redaktionsschluss beendet), bei der das Thema Kramny »im Mittelpunkt« stand, wie Präsident Laufer betonte. Zwar erklärte er, dass in der jetzigen Situation alles und jeder, auch der Aufsichtsrat in seiner Funktion als Kontrollorgan, kritisch hinterfragt werden müsse. Arabi allerdings brauche um seinen Job nicht zu fürchten. »Samir Arabi hat sehr, sehr viel geleistet für den Verein, das vergessen viele«, sagte Laufer. Dass auch der Sportchef heftig in der öffentlichen Kritik steht, findet der Präsident »nicht fair«.

Laufer erklärte, dass auch er selbst schon gefragt worden sei, wann er die Konsequenzen aus Arminias Talfahrt zu ziehen gedenke, erklärte dazu aber: »Das ziehe ich überhaupt nicht in Betracht, denn das wäre feige.«

Wie weiter? Nochmal mit Rump?

Arminias Gremienvertreter haben natürlich alle gesehen, wie wehr- und hilflos sich der DSC in Nürnberg seinem Schicksal ergeben hat. Und weil es nicht das erste Mal war, dass Arminia sich unter Kramny derart desolat präsentierte, dürfte die Zeit für den Trainer abgelaufen sein. Jemanden zu finden, der es besser kann, der der Mannschaft und am besten gleich dem ganzen Verein neues Leben einhaucht, ist eine Herkulesaufgabe. Darum werde der Verein Arabi zufolge auch »mit aller Sorgfalt, Akribie und Ernsthaftigkeit prüfen«, wie es nun weitergehen soll. Um gegen Lautern dann womöglich noch einmal Carsten Rump die Verantwortung zu übertragen. Schon ein Mal, nach der Entlassung im Oktober von Rüdiger Rehm, sprang der Co-Trainer ein, wählte offenbar die richtige Ansprache und gewann mit einer taumelnden Arminia zwei von drei Pflichtspielen in Liga und Pokal.

Laufer: An den Finanzen darf es nicht scheitern

Fakt ist: Die DFL-Statuten würden ein erneutes Engagement des 35-jährigen Assistenten, der nach wie vor nicht im Besitz einer Fußballlehrerlizenz ist, vorübergehend erlauben. Und der Klub hätte ein wenig Zeit gewonnen.

Nach der Partie gegen Lautern folgt eine Länderspielpause. Kein schlechter Zeitpunkt, um dann einen neuen Coach zu präsentieren. Ein erster Testgegner stünde auch schon fest. Am Mittwoch, 22. März, bestreitet Bielefeld ein Freundschaftsspiel beim Bundesligisten VfL Wolfsburg (15.30 Uhr).

Finanziell, erklärte Laufer, müsste sich Arminia im Falle einer erneuten Trainerentlassung zwar strecken. »Scheitern darf es daran aber nicht«, sagte er.

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