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Konsortium »Bündnis Ostwestfalen« soll helfen, Verbindlichkeiten zu halbieren – Oetker und Schüco wohl wichtige Geldgeber

Arminia vor Schuldenerlass

Bielefeld (WB). Mehr und mehr zeichnet sich ab, wie die wirtschaftliche Zukunft von Fußball-Zweitligist Arminia Bielefeld gesichert werden soll. Der Klub, ostwestfälische Unternehmen, Banken, die Stadt Bielefeld und das Land NRW sind in die Pläne involviert und arbeiten mit Hochdruck am Hilfsplan.

Sebastian Bauer und Michael Schläger

DSC-Präsident Hans Jürgen Laufer (Mitte) mit den Geschäftsführern Markus Rejek (links) und Samir Arabi. Foto: Thomas F. Starke

Wie das WESTFALEN-BLATT erfuhr, strebt das Konsortium »Bündnis Ostwestfalen« an, die Verschuldung des Vereins von 22 Millionen Euro auf unter zehn Millionen Euro zu reduzieren. Dafür sollen Stadt, Land, Unternehmen und private Geldgeber auf Forderungen verzichten. Zudem sollen dem Verein gut zwölf Millionen Euro Finanzmittel von Sponsoren und Gönnern zur Verfügung gestellt werden.

Das Gesamtkonstrukt würde die Arminia-Gruppe nicht nur wirtschaftlich zukunftsfähig aufstellen, sondern dem Verein, insbesondere dem sportlichen Bereich, erstmals seit vielen Jahren wieder die Chance geben, unabhängig von den bislang ständig notwendigen Finanzspritzen langfristig und nachhaltig planen zu können.

Oetker und Schüco wichtige Geldgeber

Wichtige Geldgeber sollen die Firmen Oetker und Schüco sein. Zudem soll die Bielefelder Unternehmerfamilie Anstoetz (Firmengruppe JAB Anstoetz) einen erheblichen Hilfsbetrag in Aussicht gestellt haben. »Wir haben Arminia in den vergangenen Jahren immer unterstützt. Wenn unsere Hilfe gefragt ist, helfen wir gerne und arbeiten an einer Lösung«, sagte Schüco-Unternehmenssprecher Thomas Lauritzen am Mittwoch dieser Zeitung. Auf das Konsortium wollte das DSC-Aufsichtsratsmitglied jedoch nicht weiter eingehen. Vereinendes Element und Antreiber für die Gespräche zwischen den einzelnen Parteien dieses Bündnisses war insbesondere der Haller Unternehmer Gerhard Weber.

» Wir haben erst kürzlich bestätigt, dass wir seit geraumer Zeit intensiv daran arbeiten , die Arminia-Gruppe finanzwirtschaftlich neu zu strukturieren und innerhalb dieses Prozesses auch auf die Unterstützung anderer angewiesen sind. Wir können ebenso bestätigen, dass wir mit Vertretern namhafter Unternehmen aus Ostwestfalen aktuell sehr konstruktive Gespräche führen«, äußerte sich DSC-Geschäftsführer Markus Rejek zum Thema Millionenhilfe.

Reduzierung der Landesbürgschaft entscheidend

Entscheidend zur Entschuldung beitragen könnte eine Reduzierung der Bürgschaft des Landes Nordrhein-Westfalen. Mit 9,7 Millionen Euro ist das Land bei der Stadionbürgschaft für den DSC ins Risiko gegangen. Noch vor gut vier Jahren hatte NRW laut Auskunft des NRW-Finanzministeriums insgesamt 128,2 Millionen Euro für verschiedene Stadionbürgschaften in den Büchern stehen.

In einigen Fällen, wie bei der ersten Insolvenz von Alemannia Aachen im Jahr 2012, musste das Land bereits Ausfallzahlungen leisten. Nun hofft das ostwestfälische Hilfsbündnis, das Land zu überzeugen, auch in Arminias Fall auf einen Großteil des Geldes zu verzichten. Im Gespräch sind etwa fünf Millionen Euro.

Auch die Stadt Bielefeld ist offenbar bereit, dem Zweitligisten zu helfen. Im Zuge des Tribünen-Neubaus 2008 hatte sie eine Ausfallbürgeschaft in Höhe von 80 Prozent für einen Kredit von 1,8 Millionen Euro übernommen, den die Volksbank Bielefeld seinerzeit gewährt hatte. Davon standen Ende 2017 noch rund 900.000 Euro aus. Bei einem 50-prozentigen Schuldenschnitt müsste die Stadt jetzt noch mit 364.000 Euro einspringen.

Zusage vom Oberbürgermeister

Arminia reicht die Zusage von Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD), die dieser allerdings unter »Gremienvorbehalt« stellt. Finanzausschuss (30. Januar) und Rat (8. Februar) müssen noch zustimmen. Doch wollen offenbar weder das in Bielefeld regierende Bündnis aus SPD, Grünen, Piraten und einer Wählergemeinschaft noch die CDU-Opposition die Entschuldung verhindern. »Wir nehmen den Vorschlag auf und beraten darüber«, sagte CDU-Ratsfraktionschef Ralf Nettelstroth.

Auf weitere Forderungen in Höhe von rund 2,7 Mio. Euro will und darf die Stadt allerdings nicht verzichten. Sie resultieren inklusive Zinsen aus regelmäßigen Stundungen, die sich aus drei Komplexen zusammensetzen: Bei der DSC Arminia Bielefeld GmbH & Co. KGaA, hinter der sich der Lizenzspielbetrieb verbirgt, steht immer noch die Rückzahlung des vom Klinikum Bielefeld gewährten Darlehens in Höhe von 250.000 Euro aus sowie nicht gezahlte Gewerbesteuern aus Vorjahren.

Bei der Stadiongesellschaft ALM-KG geht es um 911.000 Euro aus dem Verkauf des Stadiongrundstücks. Und der eingetragene Verein DSC Arminia schuldet der Stadt Geld aus der Sanierung des Trainingsgeländes an der Friedrich-Hagemann-Straße. Außerdem muss auch der »e.V.« Gewerbesteuern nachzahlen und Grundbesitzabgaben entrichten. Die Stundung wurde gerade erst bis zum 30. September 2018 verlängert.

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