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Großbaustelle Schalke 04: Der Zweitligist stellt den Trainer frei – auch Funkel im Gespräch

Folgt Neuhaus auf Grammozis?

Gelsenkirchen/Bielefeld

Der so wichtige Aufstieg wird immer unrealistischer, das Vertrauen in den Trainer ist weg: Zum Abschluss einer selbst für Schalker Verhältnisse spektakulären und ereignisreichen Woche mit zahlreichen Baustellen hat sich der Fußball-Zweitligist von Trainer Dimitrios Grammozis getrennt. Die Worte, mit denen die Verantwortlichen den Schritt begründeten, waren überaus deutlich – offen blieb, wer jetzt übernehmen soll.

Uwe Neuhaus im Dezember 2020 als Trainer von Arminia Bielefeld im Spiel gegen Schalke 04.

Von der Qualität des Kaders sind wir weiterhin überzeugt. Doch um im Kampf um die Spitzenplätze erfolgreich sein zu können, benötigen wir eine kontinuierliche Weiterentwicklung, die wir thematisiert, aber nicht gesehen haben“, sagte Sportvorstand Peter Knäbel laut Mitteilung vom Sonntag. Klare Kritik an der Arbeit des Trainers.

Spätestens nach dem bitteren und phasenweise schon skurrilen 3:4 tags zuvor gegen den FC Hansa Rostock trauen Knäbel und dessen Mitstreiter Grammozis nicht mehr zu, die Gelsenkirchener zurück in die Bundesliga zu führen. Der Rückstand auf die vorderen Plätze beträgt für die nur sechstplatzierten Schalker bereits sechs Punkte.

„Die Überzeugung, dass unser avisiertes Ziel, der Aufstieg in die Bundesliga, in der bestehenden Konstellation noch eine ausreichend hohe Wahrscheinlichkeit besitzt, hatten wir nicht mehr“, sagte Sportdirektor Rouven Schröder. „Wir sind deshalb der Meinung, dass das Team im Saisonfinale einen neuen Impuls benötigt.“ Neben Grammozis wurden auch dessen Assistenten Sven Piepenbrock und Torwarttrainer Wil Coort freigestellt.

Eine Rückkehr in die Bundesliga wäre nicht nur sportlich, sondern auch finanziell extrem wichtig – nicht zuletzt, weil in Zukunft weitere Millionen-Zahlungen des langjährigen Sponsors Gazprom ausbleiben werden. Der russische Staatskonzern war seit 2007 der wichtigste Geldgeber der mit rund 200 Millionen Euro Verbindlichkeiten belasteten Gelsenkirchener. Als Folge der russischen Invasion in die Ukraine hatte der FC Schalke 04 die Kooperation beendet.

Inzwischen entfernt: Bandenwerbung für Gazprom auf Schlake Foto: imago images/Maik Hölter/TEAM2sportphoto

Zuletzt flossen etwa neun Millionen Euro pro Saison von Gazprom Germania, einer deutschen Tochter des Energieunternehmens, an die Schalker. Wie allgegenwärtig der Konzern rund um die Arena am Rudi-Assauer-Platz war, war auch Tage nach dem Ende der Partnerschaft an Logos und Schriftzügen rund ums Stadion zu erkennen, die nicht rechtzeitig entfernt werden konnten und teilweise provisorisch abgedeckt waren.

Zwar präsentierte der Traditionsklub am Samstag in Vivawest schnell einen neuen Geldgeber und Trikotsponsor. Doch die Erlöse der „temporären Partnerschaft“, wie es Vivawest-Geschäftsführer Uwe Eichner nannte, dürften deutlich unter denen aus der Gazprom-Ära liegen. Bleibt Schalke zweitklassig, erschwert das die Suche nach einem langfristigen Sponsor-Nachfolger deutlich.

Konsterniert: Dimitrios Grammozis bei der Schalker 3:4-Heimpleite am Samstag gegen Rostock. Foto: imago/Tim Rehbein/RHR-FOTO

Wenn es mit dem Aufstieg noch etwas werden soll, muss der Grammozis-Nachfolger sofort liefern. Schalke braucht dringend eine Siegesserie, was angesichts der großen Leistungsschwankungen der vergangenen Wochen nicht gerade wahrscheinlich wirkt. Einzig Zweitliga-Rekordtorjäger Simon Terodde, der gegen Rostock alle drei Treffer erzielte, liefert beständig auf absolutem Top-Niveau.

Wer den Grammozis-Job übernimmt, ließ Schalke zunächst offen. An diesem Montag will der Klub über das weitere Vorgehen informieren. Verschiedene Medien berichten bereits, dass die beiden Trainer-Routiniers Uwe Neuhaus und Friedhelm Funkel zu den Topkandidaten zählen sollen.

Neuhaus war am 1. März 2021 von Arminia Bielefeld freigestellt worden. Dass der 62-Jährige Teams in die Bundesliga führen kann, hat er in Bielefeld bewiesen. 2020 gelang dem DSC unter Neuhaus die Rückkehr ins Oberhaus. Sein Vertrag bei Arminia ist noch bis Juni 2022 gültig, er steht also weiterhin bei Arminia auf der Gehaltsliste.

Trainer Friedhelm Funkel - hier im früheren Dienst bei Fortuna Düsseldorf. Foto: dpa/Marius Becker

Fortuna Düsseldorfs langjähriger Coach Funkel (68) bewahrte 2021 in einer kurzen aber erfolgreichen Rettungsmission zuletzt den 1. FC Köln vor dem Abstieg aus der 1. Liga.

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