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Vereint gegen Hass – Auch Arminias Amos Pieper macht auf Cybermobbing aufmerksam

„Ich brech dir deine Beine“

Bielefeld

„Hass ist keine Meinung“ – unter diesem Motto lesen zahlreiche Fußballprofis in einer Video-Botschaft die schlimmsten Nachrichten vor, die sie in den „Sozialen Medien“ erhalten haben.

wn

Amos Pieper von Arminia Bielefeld Foto: Thomas F. Starke

Die Idee zu dem Video hatte die Spielerberater-Agentur „Sports360“, zu der unter anderen Weltmeister Toni Kroos (Real Madrid), Niklas Süle (Bayern München) oder auch Amos Pieper von Arminia Bielefeld gehören. Der 23-jährige Pieper liest folgende Nachricht vor, die er im Internet erhalten hat: „Ich werde dich finden und dann brech ich dir deine Beine, so dass du nie wieder Fußball spielen kannst.“

Und so schlimm sich das schon anhört, das ist sogar noch eine der „harmloseren“ Nachrichten. So schrieb jemand an Dayot Upamecano von RB Leipzig: „Ich hoffe du stirbst, du scheiß Afrikaner!“ Upamecano hat übrigens die französische Staatsbürgerschaft. Sogar offene Morddrohungen („Ich stech dich ab“) gibt es, Drohungen gegen Kinder von Spielern („Wir wissen wo eure Kids zur Kita gehen“) sowie übelste Beleidigungen und Diffamierungen. Kroos bekam die Nachricht „Ich hoffe, du stirbst in der Hölle!“ Torwart Ron-Robert Zieler (derzeit von Hannover 96 an den 1. FC Köln ausgeliehen) erhielt die Aufforderung: „Mach den Enke und wirf dich vorn Zug!“ Der frühere Nationaltorwart Robert Enke hatte sich im November 2009 im Alter von 32 Jahren das Leben genommen.

Volker Struth, Chef von „Sports360“, erklärt zu der Aktion, Cybermobbing sei ein gesellschaftliches Problem und ziehe sich durch alle Schichten. „Erst im Januar hat die Techniker Krankenkasse bekannt gegeben, dass bundesweit mehr als zwei Millionen Kinder und Jugendliche Opfer davon sind. Das ist erschreckend und beängstigend. Auch die von uns betreuten Spieler werden ständig mit diesem Hass im Netz konfrontiert. Sie werden beleidigt und bedroht. Der Hass kennt keine Grenzen.“ Mit der Prominenz und Reichweite der Fußballer wolle man auf das gesellschaftliche Problem aufmerksam machen, so Struth.

Unter #UniteAgainstHate (Vereint gegen Hass) erklären Struth, seine Agentur und die Spieler: „Hate Speech und Cybermobbing sind ein Verbrechen, das viel zu oft ohne Konsequenzen bleibt. Wir zusammen gegen Hass!“ Toni Kroos setzt sich dafür ein, die Anonymität abzuschaffen, um die Täter bestrafen zu können. „Jeder, der ein Profil hat, sollte sein Gesicht zeigen und es sollte erkennbar sein, wer sich dahinter verbirgt. Anonym zu pöbeln sollte nicht mehr möglich sein“, fordert der 31-Jährige. Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann sagt: „Es ist erschreckend, was da so geschrieben wird unter dem Schutzschild der Anonymität.“

Fußballprofi Amos Pieper erhielt im Internet diese Drohung. Foto: Instagram
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