Arminia-Kapitän Fabian Klos wartet noch auf ein Signal zur Vertragsverlängerung

„Man kann mit mir über alles sprechen“

Bielefeld

Fabian Klos und der DSC Arminia – diese Beziehung besteht nun schon seit beinahe einer Dekade. Im Sommer feiern der Kapitän und der Fußball-Bundesligist Jubiläum. In einer Ehe würde man von einer Rosenhochzeit sprechen. Doch Rosen haben auch Dornen. Noch ist nicht sicher, ob der am 30. Juni auslaufende Vertrag des Stürmers verlängert wird.

Dirk Schuster

Fabian Klos trägt seit 2011 das Arminia-Trikot. Wenn es nach ihm geht, dann soll die laufende Saison noch Foto: Thomas F. Starke

20 Spieltage sind in der Bundesliga absolviert und Arminia Bielefeld steht nicht auf einem direkten Abstiegsplatz. Sind Sie mit dem Status quo zufrieden?

Fabian Klos: Ich tue mich schwer mit dem Wort zufrieden. Der eine oder andere Punkt mehr wäre drin gewesen. Wenn wir das Nachholspiel gegen Bremen gewinnen, können wir den Anschluss an die Plätze davor herstellen. Wir haben im Kampf um den Klassenerhalt eine vernünftige Ausgangsposition.

Mainz hat den zwischenzeitlichen Zehn-Punkte-Rückstand auf vier Zähler zusammenschmelzen lassen. Macht Sie das nervös?

Klos: Nicht so sehr, weil unser Ziel ja nicht lautet, am Ende auf einem Relegationsrang zu stehen und diesen jetzt abzusichern. Wir wollen zusehen, dass wir mindestens um einen Platz nach oben klettern. Ich gucke darum eher, wie die Mannschaften spielen, die einen oder zwei Plätze vor uns stehen. Denn da wollen wir hin.

Trainer Uwe Neuhaus hat gesagt, Arminia müsse im Vergleich zur Hinrunde (17 Zähler) im zweiten Saisonteil ein paar Punkte mehr holen. Im Vergleich zur Hinserie fehlen dem DSC aus den ersten beiden Spielen nun aber bereits vier Punkte. Wo sollen die gutgemacht werden?

Klos: Wir wissen, dass wir uns eine Negativserie wie in der Hinrunde mit sieben Niederlagen am Stück definitiv nicht noch einmal erlauben dürfen. Da sind jetzt in den nächsten Wochen ein paar Kracher dabei. Aber wenn ich an die Hinspiele in Leipzig und gegen Leverkusen denke, standen wir jeweils ganz knapp vor einem Punktgewinn. Samir Arabi (Sport-Geschäftsführer) hat es oft genug gesagt:Wenn wir den Klassenerhalt schaffen wollen, dann müssen wir auch in diesen Spielen etwas holen. Da hat er definitiv recht.

Samir Arabi benutzt in diesem Zusammenhang gern den Begriff Bonuspunkte. Kann man nach dem misslungenen Rückrundenstart nun überhaupt noch von Bonuspunkten sprechen, oder sind das eher Pflichtpunkte?

Klos: Ich würde sowohl das Wort Bonus als auch Pflicht streichen. Es sind Punkte, die wir holen müssen – egal wie, egal gegen wen.

Die aktuelle Witterung lässt kaum bis kein vernünftiges Training zu. Wie sehr beeinflusst das Arminias Aussichten mit Blick auf die Partie am Montagabend bei den Bayern?

Klos: Ich weiß, dass unsere Verantwortlichen alles probieren, aber man kann sicher nicht von einer normalen Vorbereitung sprechen. Wir hoffen, am Freitag zum ersten Mal seit dem vergangenen Samstag wieder auf den Platz zu können. Aber gegen die Bayern wird es so oder so ein schwieriges Unterfangen.

Haben Sie Bayerns Auftritte bei der Klub-WM in Katar verfolgt?

Klos: Man weiß im Großen und Ganzen, wie die Bayern spielen. Ich rechne in der Partie gegen uns am Montag nicht mit sehr vielen Überraschungen. Zudem haben wir am Freitag auch noch eine Teamsitzung, in der wir auf den Gegner vorbereitet werden. Hinzu kommt, dass ich von diesem ganzen Fußball-Überschuss sowieso relativ wenig halte. Thomas Müller hat sich auf der Katar-Reise das Coronavirus eingefangen. Das ist für mich ein Beleg dafür, dass in der jetzigen Pandemie-Zeit solche Geschichten nicht zwingend notwendig sind. Überspitzt formuliert kann man den Eindruck gewinnen: Wir leben in einer weltweiten Pandemie, aber selbst wenn jetzt noch zwei Drittel der Welt in Flammen stehen würden, dann würden wir immer noch Fußball spielen müssen. In den Europapokalwettbewerben wartet auf Leipzig, Mönchengladbach, Hoffenheim und deren Gegner durch die Verlegung des Austragungsortes ins Ausland ein unglaubliches Reisewirrwarr. Aber entscheiden, ob das tatsächlich alles zwingend notwendig ist, müssen andere.

Glauben Sie, dass derartige Maßnahmen und das unbeirrte Durchziehen der internationalen Wettbewerbe den von Experten bereits diagnostizierten Entfremdungsprozess beim Fan weiter beschleunigen?

Klos: Ja, das glaube ich. Je länger die Pandemie mit all ihren Auswirkungen dauert, werden sich die Leute mehr und mehr von dem Fußball, wie wir ihn kennen und lieben gelernt haben, entfernen.

Erwarten Sie denn, dass anschließend auch wieder ein Umkehrprozess in Gang kommt?

Klos: Ich erwarte sogar, dass das dann relativ schnell gehen wird. Sobald wir zur Normalität und zum Erlebnis Stadionbesuch zurückgekehrt sind, werden die Leute dankbar sein. Vielleicht setzt sogar eine Art Boom ein, weil die Menschen einfach Bock darauf haben, wieder ins Stadion zu gehen.

Wie lautet Ihr Standpunkt in der Debatte um eine mögliche Impf-Bevorzugung von Spitzensportlern?

Klos: Ich halte es grundsätzlich nicht für sinnvoll, dass Sportler bevorzugt werden. Es gibt Menschen, die definitiv vor uns drankommen sollten, weil andere diese Impfung viel nötiger brauchen.

Sie haben Arminia in der Vorsaison mit 21 Toren zum Aufstieg geschossen, in der 1. Liga sind seitdem lediglich drei Treffer hinzugekommen...

Klos: Das lässt sich nicht miteinander vergleichen. Ich hätte selbst nicht gedacht, dass der Unterschied zwischen 2. und 1. Liga so groß ist. Ich weiß aber auch, dass es bei der Bewertung meiner Person nicht immer nur um die Leistung geht, sondern um die Frage: Hat er ein Tor geschossen oder hat er kein Tor geschossen? Dass ich mich mit dem Toreschießen schwerer tue als in der letzten Saison, daran gibt es nichts zu rütteln. Wir hätten ein paar mehr Tore schießen können, weil die Chancen dazu da waren. Klar blickt man nach acht Gegentoren in den letzten zwei Spielen zuerst auf die Defensive. Aber ich denke, dass wir uns bezüglich der Gier auf Tore alle noch steigern können. Was mich persönlich anbetrifft, kann ich im Großen und Ganzen zum jetzigen Zeitpunkt sagen, dass ich mich im Laufe dieser Bundesligasaison in meinen Leistungen gesteigert und stabilisiert habe.

Wie viele Tore würde Fabian Klos beim FC Bayern schießen und wie viele Robert Lewandowski bei Arminia?

Klos (lacht): Das ist eine fiese und rein hypothetische Frage. Das kann man nicht beantworten. Ich habe in der Aufstiegssaison sehr viele Tore geschossen, weil die Mannschaft sehr gut nach vorne funktioniert hat und ich die Dinger oft nur noch verwerten musste. Jetzt haben wir weniger Möglichkeiten und es ist für einen Stürmer schwieriger, als wenn man pro Spiel sechs, sieben Chancen bekommt. Und was Robert Lewandowski betrifft: Er ist ein so viel besserer Spieler als ich, dass er wahrscheinlich auch hier bei uns das eine oder andere Tor mehr schießen würde als ich.

Welchen Eindruck machen die beiden Winterzugänge Michel Vlap und Masaya Okugawa auf Sie?

Klos: Das Miteinander funktioniert ohne große Eingewöhnungszeit im Training sehr gut. Okugawa ist ein klassischer Außenbahndribbler mit Tempo. Vlap hat ein sehr gutes Gefühl für die Räume, weiß, wie man sich zwischen den Ketten bewegen muss. Vielleicht ist er das Bindeglied zwischen Mittelfeld und Angriff, das uns so ein bisschen abgegangen ist, vielleicht kann er diese Lücke füllen.

Trainer Uwe Neuhaus und Sie verbindet bekanntlich viel. Wie haben Sie die Phase bewertet, in der nach sieben Niederlagen am Stück auch sein Job in Gefahr geriet?

Klos: Wir sind nicht naiv und wussten als Mannschaft, dass nach der sechsten, siebten Niederlage hintereinander auch das Trainerteam in die Schusslinie geraten ist. Aber wir alle mit dem Trainerteam zusammen haben ein sehr, sehr gutes Verhältnis. Wir arbeiten hart zusammen. Da stimmt es vorne und hinten. Das Trainerteam hat uns vor jedem einzelnen Spiel dieser Bundesligasaison bestmöglich eingestellt.

Beim jüngsten 1:3 in Köln wirkte Arminias Auftritt allerdings lange Zeit sehr verhalten, beinahe blutleer.

Klos: Diesen Schuh müssen wir Spieler uns anziehen. Denn auch vor diesem Spiel waren wir sehr gut eingestellt worden. Wenn es dann am Spieltag die Spieler nicht auf die Platte bringen, ist definitiv nicht das Trainerteam schuld, sondern dann liegt es an uns.

Wie sehr fehlen Arminia die Fans?

Klos: Ich versuche zu vermeiden, über dieses Thema zu sprechen, weil es mich einfach nur traurig macht. Ich habe mit den Leuten hier in Bielefeld in den zehn Jahren so viel erlebt. Ich habe erlebt, wie unsere Anhänger auch an einem Freitagabend in Scharen mit nach Heidenheim oder Sandhausen gefahren sind. Dass diese Leute nicht im Stadion sein können, um uns in der Bundesliga zu unterstützen, ist hart. Gerade als Aufsteiger brauchst du den Heimvorteil, sonst wird es umso schwieriger. Auch wenn bei dem einzigen Heimspiel, das wir gegen Köln vor Zuschauern hatten, nur etwas mehr als 5000 Leute im Stadion waren, hatten wir hinterher in der Kabine alle komplett Gänsehaut. Ich glaube, dass das entscheidenden Einfluss auf den Ausgang der Partie (1:0) hatte. Aber dass in dieser Saison noch mal Zuschauer im Stadion sein werden, ist wohl ausgeschlossen. Wir Profifußballer verdienen gutes Geld, haben viele Privilegien, dürfen unseren Job ausüben, bekommen unser Gehalt, müssen wenige Einschränkungen in Kauf nehmen – insofern ist das natürlich Jammern auf hohem Niveau. Aber für mich persönlich war der Antrieb, Profifußballer zu werden, nicht die Aussicht auf das große Geld, sondern weil Kinder sich wünschen, irgendwann mal in einem ausverkauften Stadion spielen zu dürfen.

Sportchef Arabi hat vor einer Woche gegenüber dieser Zeitung erklärt, Arminia übe sich nicht zuletzt aufgrund der Auswirkungen der Corona-Pandemie in Zurückhaltung, was die Gespräche über mögliche Vertragsverlängerungen angeht. Zu den 14 Verträgen, die im Sommer enden, zählt auch Ihrer. Ist in der Zwischenzeit jemand vom Klub auf Sie oder Ihren Berater zugekommen, um Gespräche über eine Fortsetzung der Zusammenarbeit aufzunehmen?

Klos: Es gab noch keine konkreten Gespräche, die bisher einzige Kontaktaufnahme liegt zwei bis drei Wochen zurück. Tenor war, dass nach Schließung des Winter-Transferfensters eine Bestandsaufnahme im Klub stattfindet. Ich hoffe nun, dass es noch im Februar die ersten Gespräche geben wird. Ich denke schon, dass jetzt irgendwann der Zeitpunkt gekommen ist, mit den Spielern, deren Verträge auslaufen, zu sprechen. Darin muss es ja nicht immer gleich um konkrete Zahlen geben. Aber ich sehe die Zeit durchaus gekommen, eine grobe Richtung zu äußern, wie der Verein mit diesen Spielern plant.

Würden Sie denn gerne bleiben?

Klos: Zwei Dinge kann ich definitiv sagen: Das eine ist, dass ich im Sommer meine Karriere nicht beenden und weiterhin Profifußball spielen will. Und das andere ist, dass Arminia Bielefeld dabei auf jeden Fall mein erster Ansprechpartner ist. Ich wünsche mir sehr, hier noch mindestens ein Jahr dranzuhängen. Weil ich es mir sportlich noch zutraue. Und weil mich die Vorstellung, mich am Saisonende in einem leeren Stadion verabschieden zu müssen, schon auch wehmütig macht.

Einen Jahresvertrag hat es in den bisher zehn Jahren zwischen Fabian Klos und Arminia noch nie gegeben.

Klos: Es gab in den zehn Jahren vieles, was es vorher nicht gegeben hat – warum nun also nicht auch einen Jahresvertrag? Ich bin offen. Aber das sind Details, die es dann auszuhandeln gelte. Ich bin kein Spieler, der ohne Wenn und Aber auf zwei Jahre pocht. Man kann mit mir über alles sprechen. Wichtig ist, dass man offen und fair miteinander umgeht. Ich denke, das haben beide Seiten nach so langer Zeit verdient.

Sie sind jetzt 33. Fühlen Sie sich noch fit genug für Fußball auf höchstem Niveau?

Klos: Ich traue meinem Körper definitiv auch ein weiteres Jahr in der Bundesliga zu. Ich bin ja nicht Stammspieler, weil ich vom Trainer etwas geschenkt bekomme, sondern weil ich meine Leistung bringe.

Die Verpflichtung des elf Jahre jüngeren Stürmers Janni Serra vom Zweitligisten Holstein Kiel ist dem Vernehmen nach beschlossene Sache...

Klos: Konkurrenz ist immer gut. Wenn ein junger Spieler kommt, denke ich trotzdem, dass es das eine oder andere gibt, was er sich von mir abschauen kann, sodass man vielleicht sogar voneinander profitieren würde. Wenn ich jedoch merke, irgendwann reicht es nicht mehr und es ist jemand da, der es deutlich besser macht als ich, kann ich das auf jeden Fall akzeptieren. Aber dieses Gefühl habe ich heute noch nicht.

Nach Ihrer bisher letzten Vertragsverlängerung 2019 sagten Sie: „Ich werde definitiv nicht noch einmal den Verein wechseln. Das ist ausgeschlossen." Angenommen, es käme mit Arminia nicht zu einer Einigung, müssten Sie dann nicht Ihre Laufbahn beenden?

Klos: Ich hätte damals einfach den Satz anders formulieren sollen. Besser wäre gewesen: Ich werde definitiv nicht noch einmal den Verein auf meinen eigenen Wunsch wechseln.

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