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Revolution in der Bundesliga? Selbst der FC Bayern findet den Gedanken „spannend“

Playoffs? Warum Arminia-Sportchef Arabi dagegen ist

München/Berlin/Bielefeld

Die Meisterschale ging in der Fußball-Bundesliga in den vergangenen Jahren stets nach München. Das stand fast immer auch schon vor dem letzten Spieltag fest. Könnten Playoffs für mehr Spannung sorgen? Bei den Bayern ist man offen – von Fan-Seite gibt es heftigen Gegenwind. Und auch Arminia Bielefeld lehnt die Revolution ab.

Arminia Bielefelds Sport-Geschäftsführer Samir Arabi (43) Foto: Thomas F. Starke

An der Langeweile im Titelrennen der Fußball-Bundesliga hat sich eine Grundsatzdebatte über die Einführung von Meister-Playoffs entzündet. Ausgerechnet FC Bayerns Vorstandsboss Oliver Kahn zeigt sich offen für die Idee, die die Dominanz der Münchner zumindest theoretisch mehr dem Zufall aussetzen würde. „Ich finde es spannend, über neue Modelle wie Playoffs für die Bundesliga nachzudenken“, sagte der einstige Nationalkeeper dem „Kicker“. Von der Fan-Seite gab es umgehend Kritik, auch Vertreter anderer Klubs äußerten sich ablehnend.

Donata Hopfen, die neue Chefin der Deutschen Fußball Liga (DFL), hatte mögliche K.o.-Spiele wieder ins Gespräch gebracht. „Die Liga wäre natürlich attraktiver, wenn sie mehr Wettbewerb an der Spitze hätte“, hatte die 45-Jährige in einem Interview der „Bild am Sonntag“ gesagt. „Wenn uns Playoffs helfen, dann reden wir über Playoffs.“

Modus in der Liga mit Halbfinals und Finale?

Ein Modus in der Liga mit Halbfinals und Finale würde Spannung für die Fans bedeuten, findet Kahn. Möglicherweise ist man in München zu der Erkenntnis gekommen, dass der fehlende sportliche Wettbewerb um die Meisterschale auf Dauer schlecht für das Zuschauerinteresse und damit das Geschäft werden könnte.

Zum Beginn ihrer Amtszeit bringt Hopfen mehrere umstrittene Themen in die Debatte ein, sie will auch die Austragung des Supercups in Saudi-Arabien nicht ausschließen. „Jede Maßnahme, die uns in Zukunft Geld bringen soll, muss zu uns passen. Ich finde aber, wir können in dieser Hinsicht aktuell gar nichts ausschließen“, sagte sie. Die Corona-Krise hat die Vereine finanziell gebeutelt, neue Einnahmequellen sind wichtig. Laut Hopfen hat der deutsche Profifußball 1,3 Milliarden Euro Verluste in den Corona-Saisons gemacht.

Laut „Kicker“-Umfrage werden Playoffs abgelehnt

Nach einer „Kicker“-Umfrage innerhalb der Liga werden Playoffs von einer Mehrheit abgelehnt. „Ich bin gegen Playoffs, weil ich den traditionsreichen klassischen Bundesliga-Wettbewerb sehr schätze“, erklärte Arminia Bielefelds Sport-Geschäftsführer Samir Arabi gegenüber dem WESTFALEN-BLATT. DSC-Trainer Frank Kramer ergänzte am Freitag bei der Pressekonferenz vor dem Spiel bei der TSG Hoffenheim (Sonntag, 17.30 Uhr): "Ich bin da eher Traditionalist und in der Richtung unterwegs, dass man über die Verteilung der TV-Gelder vielleicht mehr Gerechtigkeit errericht." Zudem verwies er auf seine Zeit in Österreich, wo seit Jahren Meister- und Abstiegsplayoffs ausgetragen werden. „Und der Meister heißt seitdem immer RB Salzburg“, sagte Kramer, der die U19 des Vereins trainierte: „Da hat sich also nicht viel getan. Das hängt natürlich auch davon ab, wie man es aufzieht. Aber wenn man es auf die Spitze treibt und lässt den Ersten gegen den Achten spielen wie im Eishockey: Will man, dass das Wohl und Wehe einer ganzen Saison an zwei Spielen hängen?“

Auch Trainer Adi Hütter von Borussia Mönchengladbach steht der Idee kritisch gegenüber. „Wir haben es in Österreich ja schon länger, dass die Liga nach 22 Spielen geteilt wird in ein oberes und ein unteres Playoff“, sagte der Coach aus dem Nachbarland. „Aber ich weiß nicht, ob es fair ist, wenn der Vierte, der nach 34 Runden vielleicht 15 Punkte hinter dem Ersten ist, noch Meister werden kann.“

Vor- und Nachteile sieht Stuttgarts Coach Pellegrino Matarazzo: „Mit der Einführung der Playoffs würden wir als VfB eine größere Chance bekommen, mal Meister zu werden. Ob es wettbewerbsgerecht ist, ist eine andere Frage – vor allem, wenn Bayern 34 Spieltage ganz oben steht.“

Noch sind viele Fragen offen: Zum Beispiel zu einer weiteren Ausreizung des sowieso schon prall gefüllten Spielkalenders, zum Modus der Playoffs, zu einer möglichen Entwertung des DFB-Pokals. Die Liga muss dabei einen schwierigen Spagat schaffen: Einerseits das Interesse von Menschen und damit die Vermarktung hochzuhalten, und andererseits die traditionellen Fans nicht zu verprellen, denen die Kommerzialisierung im modernen Fußball ohnehin schon zu weit geht.

Fanbündnis „Unsere Kurve“ wehrt sich gegen die Idee

Das Fanbündnis „Unsere Kurve“ wehrt sich vehement gegen die Idee. „Es ist bezeichnend, dass über ein neues Spielformat gesprochen wird, anstatt die tatsächlichen Probleme anzugehen, die zu einem fehlenden Wettbewerb an der Spitze führen“, hieß es in einer Stellungnahme auf dpa-Anfrage.

Vielmehr brauche es eine gleichmäßigere Verteilung der TV-Gelder und die Einführung eines nationalen Financial Fairplays, „die dringend notwendige Deckelung“ von Gehältern im Fußball.

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