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Neuhaus: In erster Linie Kopfsache – Arminia heute gegen Dresden

„Psychologe ist man immer“

Bielefeld (WB). Arminia Bielefeld tut sich mit dem Gewinnen schwer, doch seit Sonntag ist klar: Selbst vier Unentschieden in den letzten vier Saisonspielen würden dem DSC reichen, um nach elf Jahren wieder in die Bundesliga zurückzukehren. Darauf will sich Trainer Uwe Neuhaus natürlich nicht verlassen, vor dem Nachholspiel am Montagabend (20.30 Uhr) gegen Schlusslicht Dynamo Dresden redet er seine Mannschaft stark.

Jens Brinkmeier

Trainer Uwe Neuhaus redet seine Spieler, hier Manuel Prietl, stark. Foto: Thomas F. Starke/DSC Arminia

„Wir müssen uns auf Dresden fokussieren. Wir müssen mutig sein. Daran erinnere ich die Mannschaft auch immer. Den Glauben an die eigene Stärke hervorzuheben, ist sehr sehr wichtig. Im Spiel muss man die Dinge dann noch umsetzen“, sagt Neuhaus.

Sollte gegen Dresden ein Sieg gelingen, wäre der Aufstieg bei dann neun Zählern Vorsprung auf Stuttgart und der deutlich besseren Tordifferenz fast schon perfekt. Dank der 1:2-Niederlage der Schwaben am Sonntag in Karlsruhe. Bei einem DSC-Sieg mit einem Tor Vorsprung müsste Stuttgart neben neun Punkten in drei Spielen auch noch 15 Tore aufholen.

Das 0:0 am Freitag beim SV Sandhausen war das vierte Remis im fünften Spiel seit dem Re-Start. Der einzige Sieg gelang Ende Mai bei Holstein Kiel – durch einen Treffer von Sven Schipplock in der Nachspielzeit. „Das ist in erster Linie nur Kopfsache“, sagte Neuhaus am Sonntag auf die Frage, wie es gelingen könne, dass sein Team wieder besser Fußball spiele – und dann auch wieder gewinne.

Ob er gerade jetzt besonders als Psychologe gefordert sei? „Psychologe ist man eigentlich immer. Die letzten Schritte sind bekanntermaßen schon recht schwierig. Wir haben nicht so viele Spieler, die so etwas schon durchgespielt haben“, meinte der Coach.

Neuhaus ist „total überzeugt“

Dass die Arminen den Aufstieg auch noch verspielen könnten, besorgt einige Fans. Das hat auch Neuhaus registriert. Er sagt: „Ich weiß, dass die Fans ein feines Gespür haben. Die Unentschieden machen den einen oder anderen natürlich ein bisschen nervös. Das Einzige, was ich versprechen kann, ist, dass die Mannschaft es unbedingt schaffen will. Ob wir es schaffen werden, wann wir es schaffen werden – das weiß niemand. Aber ich bin total davon überzeugt, dass die Mannschaft stabil genug ist und wir die nötigen Punkte holen werden.“

Neuhaus wohnt nicht in Bielefeld, er laufe „nicht durch die Stadt. Ich weiß aber trotzdem, dass unsere Fans uns vor den Bildschirmen begleiten und mitfiebern, bei jeder Chance kurz vor der Explosion sind. Wir wissen, dass alle hinter uns stehen.“

Auffällig ist, dass die Mannschaft zuletzt auf dem Platz recht ruhig war, auch von außen kamen wenig verbale Impulse. Bei anderen Teams ist das deutlich ausgeprägter. Das bestreitet Neuhaus nicht. „Das ist typbedingt. Der eine neigt von Haus aus dazu, die Spieler zu pushen, zu unterstützen, immer wieder anzusprechen. Ich finde, Fußball verlangt grundsätzlich viel Kommunikation auf dem Platz – immer wieder kleine Kommandos, um den Mitspieler zu coachen, sein Stellungsspiel zu organisieren. Da können wir sicherlich noch zulegen“, sagte der Trainer.

Auch spielerisch kann der DSC zulegen. In Sandhausen hatte Neuhaus wie auch einige Spieler das selbstkritisch angemerkt. Doch wie kann die Rückkehr zur Vor-Corona-Leichtigkeit gelingen? Laut Neuhaus sei das „im Grunde nicht schwierig, wieder dorthin zurückzukehren, dass wir Fußball spielen, dass wir kombinieren – auch ohne viel Training. Gegen Dresden wird es ein völlig anderes Spiel. Ich denke, sie werden erstmal kompakt stehen. Dann sind wir wieder verpflichtet, Lösungen gegen einen tief stehenden Gegner zu finden“, erklärte der 60-Jährige.

Voglsammer in der Startelf?

Ob Andreas Voglsammer als Startelf-Rückkehrer helfen darf, wollte Neuhaus nicht verraten. Der lange verletzte Stürmer kam in jedem der fünf Spiele nach der Corona-Pause als Joker zum Einsatz. In Sandhausen traf der 28-Jährige in der Nachspielzeit ins Tor, doch stand dabei hauchdünn im Abseits. „Er hat sich kontinuierlich gesteigert. Schade, dass sein Tor nicht gewertet wurde. Er ist auf einem guten Weg, vielleicht wird er spielen“, sagte Neuhaus.

Dagegen ist klar, dass Joakim Nilsson wieder in der Startelf steht. Der Schwede hatte sich am Freitag am Knie verletzt und war ausgewechselt worden. Neuhaus sagte am Sonntag: „Joakim hat heute ganz normal mittrainiert und keine Beschwerden. Demnach gehe ich davon aus, dass er spielt.“

Für seinen Ex-Klub Dresden fand der DSC-Coach lobende Worte. „Ich möchte dieses Programm nicht gespielt haben, das ist schon immens. Es ist für sie eine unglaublich schwierige Situation. Das bedeutet eine brutale Anstrengung, nicht nur physisch, sondern auch psychisch. Es ist schon gut, wie Dresden das bisher meistert“, sagte er mit Blick auf deren neun Spiele in nur 29 Tagen.

So könnte Arminia spielen : Ortega Moreno - Brunner, Pieper, Nilsson, Hartherz - Prietl - Hartel, Yabo - Clauss, Klos, Voglsammer

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