Arminia-Kapitän Fabian Klos im Interview

„Stand heute bin ich im Sommer vertragslos“

Bielefeld (WB)

Darf er bei Arminia Bielefeld bleiben oder muss er gehen? Neben dem Kampf um den Klassenerhalt ist die Zukunft von Fabian Klos, dessen Vertrag am Saisonende ausläuft, das beherrschende Thema rund um den Fußball-Bundesligisten.

Dirk Schuster

Noch weiß Fabian Klos nicht, in welche Richtung es gehen wird. Am 30. Juni endet sein Vertrag, seine Zukunft ist weiter ungewiss. Foto: Thomas F. Starke

Der 33 Jahre alte Kapitän, der seit 2011 bei Arminia ist, spricht im Interview über sein Verhältnis zum neuen Trainer Frank Kramer, die Bedeutung des Berlin-Spiels am Sonntag und die Zeit nach dem 30. Juni 2021.

Herr Klos, welche Nachwirkungen sind nach dem jüngsten 0:5 in Mönchengladbach noch zu spüren?

Fabian Klos: Gar keine. Das war einfach ein schlechter Tag von uns allen. Aber die vorherigen Wochen waren vernünftig, und darauf sollten wir uns besser konzentrieren. Wir tun gut daran, positiv an den Endspurt im Allgemeinen und das Spiel am Sonntag bei Hertha BSC im Speziellen heranzugehen und nicht zu negativ zu denken. Das Positive ist, dass wir drei Spieltage vor dem Saisonende über dem Strich stehen und den Klassenerhalt aus eigener Kraft schaffen können.

Also war Gladbach nur ein Ausrutscher?

Klos: Die Antwort auf diese Frage können wir am Sonntag in Berlin geben.

Welches Ergebnis wäre die passende Antwort?

Klos: Ein Sieg. Wir fahren nicht dort hin, um auf Unentschieden zu spielen. Wir haben die Möglichkeit, drei Spieltage vor Schluss einen direkten Konkurrenten in einem so genannten Sechs-Punkte-Spiel zu schlagen. Diese Möglichkeit wollen wir nutzen.

Bisher hat Arminia in den Duellen gegen die direkten Konkurrenten meistens gut ausgesehen.

Klos: Dass wir in diesen Spielen gut abgeliefert haben, ist zweifelsfrei positiv für die Köpfe, auch wenn es letztlich sicher nur ein kleiner Aspekt für das Spiel am Sonntag ist.

Ist es ein Nachteil für Hertha, dass das Team für zwei Wochen in häusliche Quarantäne musste und nun sechs Spiele in 20 Tagen austragen muss?

Klos: Man wird erst im Nachhinein schlauer sein, ob es ein Vor- oder Nachteil war oder ob es womöglich gar keine Rolle gespielt hat. Für Dynamo Dresden war es im Vorjahr ein Nachteil (die Sachsen stiegen nach zweiwöchiger häuslicher Quarantäne aus der 2. Liga ab), was aber nicht zwingend bedeuten muss, dass es für Hertha auch ein Nachteil ist.

Bei den Herthanern musste Jens Lehmann nach einem Rassismus-Eklat seinen Aufsichtsratsposten räumen. Nehmen Sie auch solche Turbulenzen wahr oder lenkt das nur vom sportlichen Wettkampf ab?

Klos: Da ich mich allgemein sehr für Fußball interessiere, also auch für das, was außerhalb des Platzes passiert, habe ich das selbstverständlich wahrgenommen. Aus meiner Sicht ist es die logische Konsequenz, dass Jens Lehmann seinen Posten räumen musste.

Inwiefern hat sich Arminias Fußball seit der Trennung von Uwe Neuhaus unter Trainer Frank Kramer verändert?

Klos: Andere Ansprache, andere Trainingsformen, andere Spielweise – ein Trainerwechsel bringt immer viele Veränderungen mit sich, auch dieser. Dass Uwe Neuhaus und sein Co-Trainer Peter Nemeth Freunde des gepflegten Flachpassspiels sind, ist kein Geheimnis. Unter Frank Kramer spielen wir den einen oder anderen langen Ball mehr als vorher. Aber wir arbeiten auch daran, dass diese Bälle mehr und mehr gezielt gespielt werden und nicht nur aus der Not heraus.

Es ist kein Geheimnis, dass Uwe Neuhaus und Sie ein ausgesprochen enges Verhältnis pflegten. Erfahren Sie unter Kramer nun die gleiche Wertschätzung?

Klos: Ja, auch wir haben ein gutes Verhältnis. Für den einen oder anderen war womöglich der Eindruck entstanden, dass Uwe Neuhaus mich nach den 21 Toren in der Aufstiegssaison nur aus Dankbarkeit hat spielen lassen und nicht aus Leistungsgründen. Aufgrund der Tatsache, dass ich unter Frank Kramer abgesehen von zwei begründbaren Ausnahmen nun auch jedes Mal in der Startelf stand, lässt sich diese Annahme widerlegen.

Haben Sie noch Kontakt zu Uwe Neuhaus?

Klos: Ja, Uwe und ich stehen noch in Kontakt. Wir hatten und haben ein besonderes, ja fast freundschaftliches Verhältnis. Ich denke, da ist auch nichts dabei und es hat auch überhaupt keine Auswirkungen auf mein Verhältnis zu Frank Kramer.

Glauben Sie, dass Mitspieler Ihr enges Verhältnis zu Uwe Neuhaus argwöhnisch, womöglich neidvoll betrachtet haben?

Klos: Das kann ich mir nicht vorstellen. Ich habe dieses gute Verhältnis zum Trainer ja auch nie über die Interessen der Mannschaft gestellt.

Wie sind Sie mit Ihren eigenen Leistungen in den insgesamt neun Spielen unter Frank Kramer bislang zufrieden?

Klos: Wir haben uns – mit Ausnahme des Gladbach-Spiels – zuletzt sehr stabil gezeigt. Ich denke, dass ich meinen Teil dazu beigetragen habe.

Und wie bewerten Sie Ihre Torausbeute während der Saison?

Klos: Das ist schwierig. Natürlich hätte ich gern das eine oder andere Tor mehr geschossen. Andererseits habe ich heute vier Bundesligatore mehr als ich vor einem Jahr hatte.

Im Tabellenkeller ist es extrem eng, vieles ist jetzt Kopfsache. Wie geht der Trainer mit der Situation um?

Klos: Ich kann bei ihm keine größere Anspannung spüren als in den Wochen vorher. Es wäre aber auch nicht angebracht. Klar, das Spiel gegen Hertha ist extrem wichtig. Aber wenn wir nur dieses Spiel gewinnen und die beiden anderen verlieren, wird es vermutlich auch nicht für den Klassenerhalt reichen.

In unserem Interview im Februar hatten Sie erklärt, noch auf ein Signal hinsichtlich einer Verlängerung Ihres am 30. Juni auslaufenden Vertrages zu warten. Wie ist jetzt der Stand? Gab es ein Signal?

Klos: Ja, es hat ein Vier-Augen-Gespräch mit Samir Arabi (Sport-Geschäftsführer) stattgefunden – allerdings ergebnisoffen. Wir sind nach wir vor im Austausch.

Ging die Initiative von Arminia aus oder von Ihnen?

Klos: Von Vereinsseite. Samir Arabi hat mich um ein Gespräch gebeten. Und dieser Einladung bin ich gern gefolgt.

Welche Tendenz ist aus dem ersten Gespräch abzuleiten?

Klos: Wie gesagt: ergebnisoffen.

Liegt bereits ein konkretes Angebot auf dem Tisch?

Klos: Nein, noch nicht. Aber ich empfinde dabei auch keinen Stress und es gibt auch keine Deadline, bis wann eine Entscheidung gefallen sein muss.

Würden Sie auch bei Abstieg bleiben wollen?

Klos: Dass ich bereits erklärt hatte, mir zu wünschen, bei Arminia noch mindestens ein Jahr dranzuhängen, ist nicht an eine Ligazugehörigkeit gekoppelt. Auch wenn ich alles dafür tun werde, mit Arminia in der Bundesliga zu bleiben.

Gibt es Alternativen?

Klos: Ich habe bisher noch mit keinem anderen Verein gesprochen. Aber ich habe ja bereits betont, dass ich im Sommer meine Karriere nicht beenden werde. Das gilt auch weiterhin. Ich werde definitiv noch ein oder zwei Jahre Fußball spielen und traue mir das aufgrund meiner körperlichen Verfassung auf hohem Niveau zu. Fakt ist auch, dass ich beobachte, wie speziell das Stürmerkarussell in Bewegung gekommen ist. Stand heute bin ich im Sommer vertragslos. Es wäre darum fahrlässig, nicht zu beobachten, was sich wo tut. Ich muss an meine Zukunft denken, auch wenn es weiterhin mein Bestreben ist, weiter für Arminia Bielefeld zu spielen. Die vermeintliche Floskel vom ersten Ansprechpartner hat immer gestimmt und sie stimmt auch jetzt.

Glauben Sie, dass es aufgrund Ihres Alters schwierig werden könnte, einen neuen Klub zu finden?

Klos: Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Stürmer, die relativ zuverlässig wissen wo das Tor steht, auch noch gebraucht werden. Ich finde ohnehin, dass diese Altersdiskussion beinahe schon an Wahnsinn grenzt. Natürlich spielt das Alter eine gewisse Rolle. Aber wenn beispielsweise ein Schiedsrichter wie Manuel Gräfe nur aufgrund einer Zahl vor dem Karriereende steht, finde ich das absolut fragwürdig. Es ist doch völlig egal, ob jemand 21, 33 oder 47 ist. Entweder er bringt seine Leistung oder nicht. In meinen Augen ist Manuel Gräfe der mit Abstand beste Schiedsrichter in Deutschland, und zwar sowohl was seine Kommunikation als auch seine Art der Spielleitung angeht. Dass er nun nur aufgrund seines Alters (47 ist in Deutschland die Altersgrenze für Bundesliga-Schiedsrichter) aufhören muss, ist heftig. Oder nehmen wir das Beispiel Julian Nagelsmann. Er hat gezeigt, dass er ein richtig, richtig guter Trainer ist. Von daher hat er sich das Recht verdient, in Zukunft den FC Bayern trainieren zu dürfen. Dabei ist es doch vollkommen egal, wie alt er ist (Nagelsmann ist 33, genau wie Klos).

Haben Sie sich nach zehn Jahren bei Arminia vor Ihrem geistigen Auge schon mal vorgestellt wie es wäre, ein anderes Trikot anzuziehen als das mit dem Arminia-Wappen?

Klos: Nein, darüber habe ich mir bisher noch gar keine Gedanken gemacht. Erst wenn etwas auf dem Tisch liegt, werde ich mich damit auseinandersetzen.

Würden Sie auch zu einem Klub unterhalb der 2. Liga wechseln?

Klos: Diese Frage kann ich Stand heute genauso wenig beantworten wie die Frage, ob ein Wechsel ins Ausland eine Option wäre.

Sie haben stets betont, sich nach der Aktiven-Laufbahn eine Zukunft in anderer Funktion bei Arminia sehr gut vorstellen zu können. Würde das auch dann noch gelten, wenn Sie kein neues Vertragsangebot erhalten würden?

Klos: Wenn beide Seiten überzeugt sind, irgendwann von einer wie auch immer gearteten Zusammenarbeit profitieren zu können, glaube ich, dass die Tür für mich immer offen stehen wird. Die Verbundenheit zu diesem Verein wird mir niemand nehmen können – unabhängig davon, ob ich noch mal woanders spielen werde oder nicht.

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