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Seit dem gemeinsamen Aufstieg ist der VfB an Arminia vorbeigezogen – doch dafür gibt es gute Gründe

Unter anderen Vorzeichen

Bielefeld (WB)

Als sich Arminia Bielefeld und der VfB Stuttgart im März 2020 zum bisher letzten Mal in einem Punktspiel (1:1) gegenüberstanden, waren die Ostwestfalen mit sechs Punkten Vorsprung und einer um 13 Treffer besseren Tordifferenz in diese Partie gegangen.

Dirk Schuster

Am 9. März 2020 standen sich Stuttgart mit Endo (links) und Bielefeld mit Marcel Hartel zum bisher letzten Mal gegenüber. Foto: Thomas F. Starke

Nach dem letzten Spieltag der vergangenen Saison hatte Zweitligameister Bielefeld dann sogar zehn Punkte mehr als Mitaufsteiger Stuttgart.

Vor dem Wiedersehen am Mittwoch in der Schüco-Arena (20.30 Uhr/Sky) haben sich die Vorzeichen geändert. Der VfB hat bereits acht Punkte mehr auf dem Konto als der DSC. Uwe Neuhaus nötigt das Respekt ab. „Die Stuttgarter spielen eine überragende Bundesligasaison bisher“, urteilt Arminias Trainer. Die Schwaben sind die bislang beste Auswärtsmannschaft der Liga (17 Punkte aus acht Spielen). „Dass sie in diesem Ranking vor Bayern (16 Punkte) platziert sind, zeigt ihre Qualität“, sagt Neuhaus. Höhepunkt war der 5:1-Erfolg Mitte Dezember bei Vizemeister Dortmund.

Doch wie kommt es, dass sich die Ausgangslage im Vergleich zum Duell im März 2020 so krass verändert hat? Zweifelsfrei spielt die finanzielle Situation eine erhebliche Rolle. Wenn man Arminia und den VfB vergleicht, „vergleicht man Äpfel mit Birnen“, sagt Samir Arabi. Arminias Sport-Geschäftsführer erklärt: „Stuttgart hat ganz andere wirtschaftliche Möglichkeiten als wir. Der Etat des VfB war bereits in der 2. Liga höher als unser jetziger Erstligaetat.“

Für Abwehrspieler Waldemar Anton hat der VfB im Sommer vier Millionen Euro Ablöse an Hannover 96 überwiesen. Stürmer Silas Wamangituka war dem Klub sogar das doppelte wert. Allerdings schon 2019, also vor Beginn der vergangenen Zweitligasaison. „Wir wollen uns nicht kleiner machen als wir sind. Aber da werden komplett andere Summen manövriert als bei uns“, sagt Arabi.

Den Transferausgaben beim VfB stehen allerdings auch exorbitante Einnahmen gegenüber. So spülte 2019 der Transfer von Weltmeister Benjamin Pavard 35 Millionen Euro in die Klubkasse. Drei Jahre vorher hatten die Stuttgarter an OSC Lille vergleichsweise läppische fünf Millionen für den Abwehrmann überwiesen. Für Arminia allerdings wäre damals wie heute schon so eine Summe utopisch.

Neuhaus nennt als Grund für die neue Ausgangslage allerdings auch noch einen ganz anderen Faktor. Bereits in der abgelaufenen Spielzeit habe Stuttgart mit Blick auf die Einzelspieler „schon mehr Qualität gehabt als wir. Stuttgart musste aufsteigen, das war für jeden klar, das war Pflicht“, sagt der DSC-Coach. „Mit diesem gewaltigen Druck umzugehen, hat viel mit dem Kopf zu tun. Je enger es am Ende wird, desto unsicherer wird man.“ Unter anderem das erkläre, warum die Arminen am Ende so deutlich vorne lagen.

Stuttgart hielt dem Druck dennoch stand und wurde Zweiter. Doch es scheint tatsächlich so, als würden die Schwaben erst in der Bundesliga ihr tatsächliches Potenzial ausschöpfen können. Allerdings vor allem immer dann, wenn sie ihr gefürchtetes Konterspiel vortragen können. Und das ist meistens auswärts der Fall. Zu Hause hat der VfB in dieser Saison noch kein Spiel gewonnen. „Stuttgart hat sich schon in der 2. Liga mit tief stehenden Gegnern schwer getan“, sagt Arabi. „Und so ist es auch jetzt in den Heimspielen in der 1. Liga.“

Auswärts, so der Sportchef, komme das Team von Trainer Pellegrino Matarazzo „über ein extremes Tempo“. Neuhaus warnt: „Sie wollen den Gegner locken.“ Sein Gegenmittel: „Engmaschig agieren, um gut in die Zweikämpfe zu kommen.“

Dass den Gästen in Wamangituka und Nicolas Gonzalez zwei ganz wichtige Spieler gelbgesperrt fehlen, könnte für Arminia ein Vorteil sein, auch wenn Neuhaus mit „adäquatem Ersatz“ rechnet. Der 61-Jährige erwartet „ein interessantes, enges Spiel“. So wie beim 1:1 im März. Und wenn am Ende dann beide Klubs in der Liga bleiben, würde der Coach es gewiss auch verschmerzen können, wenn der VfB auch am Schluss ein paar Punkte mehr auf dem Konto hat als Arminia.

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