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Der RB-Trainer und seine eigenartige Ansprache an das Leipziger Publikum

Wie Rangnick die Arminen anspitzte

Leipzig/Bielefeld (WB). Ralf Rangnick wirkte durchaus ein wenig angespannt nach dem  1:1 am Freitagabend gegen Bielefeld. Leipzigs Trainer hatte ja auch noch nicht wissen können, dass Verfolger 1. FC Nürnberg tags darauf das magere RB-Remis nicht zu seinem Vorteil nutzen würde. Der Club verlor in Braunschweig, Leipzigs Aufstieg rückt damit immer näher.

Dirk Schuster

Das 1:1 gegen Bielefeld wurde erst durch das folgende Nürnberger 1:3 in Braunschweig zu einem akzeptablen Ergebnis für Trainer Ralf Rangnick und RB Leipzig. Foto: Thomas F. Starke

Hätten die Sachsen Arminia geschlagen, stünden sie sogar jetzt schon als Aufsteiger in die Bundesliga fest. Die Ostwestfalen aber verdarben mit ihrer couragierten Spielweise dem Liga-Krösus die Party. »Wir freuen uns, dass wir denen in die Suppe spucken konnten«, sagte Abwehrspieler Sebastian Schuppan. Besondere Mühe, ein Gefühl von Genugtuung zu verbergen, gab sich der Bielefelder dabei nicht.

Schließlich hatte der Gastgeber vor der Partie allerhand dafür getan, den Arminen den Eindruck zu vermitteln, dass für sie an diesem Frühlingsabend selbstredend nur eine Statistenrolle vorgesehen war. Doch da spielten die Ostwestfalen nicht mit.

»Haut Arminia weg!«

Es darf getrost davon ausgegangen werden, dass es ihnen reichlich befremdlich vorgekommen ist, als Rangnick noch während des Warmmachens über die Stadionlautsprecher verkündete: »Ich habe heute beim Aufstehen gespürt, dass das ein besonderer Tag werden kann.« Und weiter: »Ich möchte, dass ihr Teil werdet von dem, was heute hier auf dem Platz passiert.«

Rangnick berichtete auch davon, wie er einmal gesagt hat, dass die Leipziger Arena (43.000 Plätze) »hoffentlich irgendwann einmal zu klein sein wird« für die großen Ambitionen seines Klubs.

Als sich dann auch noch reihenweise Leipziger Promis und Ex-RB-Profis via Videobotschaft (»Haut Arminia weg!«) zu Wort meldeten, war spätestens klar: Hier rechnet keiner damit, dass Bielefeld die Roten Bullen zum Stolpern bringen kann.

Motivation aus Volksrede

Die Arminen hatten Rangnick und Co. offenbar sehr genau zugehört. Schuppan bestätigte: »Wir haben unsere Motivation aus dieser kleinen Volksrede gezogen und gesehen, wer dem Verein hier alles Glück wünscht. Das hatte so ein bisschen den Anschein, als wäre es nur eine Frage der Höhe, wie sie uns abschießen.«

Weil Kapitän Fabian Klos zunächst nur auf der Bank saß und Ersatzkapitän Florian Dick verletzt fehlte, schlüpfte Schuppan bei einem Zweitligaspiel zum ersten Mal in die Rolle des Arminia-Spielführers. »Es war mir eine Ehre«, sagte der 29-Jährige.

Aufstieg aus eigener Kraft

Rangnick und sein Team, so schien es, hatten von einer bereits geretteten Mannschaft nicht ganz so viel Widerstand erwartet. Doch Bielefeld bewies Charakter und stemmte sich gegen die drohende Niederlage – mit Erfolg.

Rangnick bezeichnete Brian Behrendts Ausgleichstor als Wirkungstreffer, war aber auch um Zuversicht bemüht: »Es gibt nach Freiburg nur noch eine Mannschaft in der 2. Liga, die den Aufstieg aus eigener Kraft schaffen kann – und das sind wir.«

Rangniks Bissigkeit

Mit einem Sieg am Sonntag über Karlsruhe wäre RB Leipzig Bundesligist. Das Stadion, in dem gegen Arminia 8000 Plätze frei blieben, wird dann wohl ausverkauft sein. »Es gab von unserem Publikum kein negatives Wort zum Gegner. Das erleben wir auswärts anders«, sagte Rangnick am Freitag und wertete es als »positives Signal, wie die Unterstützung bei einem erst sieben Jahre alten Kunstprodukt und Retortenverein sein kann.«

Rangnicks Bissigkeit ist durchaus als Indiz zu werten dafür, dass die dauernden  Unmutsäußerungen gegnerischer Fans und die kritische Berichterstattung über den von einem österreichischen Getränkekonzern massiv geförderten Klub nicht spurlos an den Leipzigern vorübergehen.

Dass die Nürnberger Arminias Schützenhilfe nicht auszunutzen vermochten, dürfte den RB-Coach jedoch ein wenig entspannt haben.

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