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Anschaffen oder nicht: Muss es ein Extra-Navi sein?

Berlin (dpa/tmn)

In vielen Autos ist ein Navi längst Standard. Doch geht es etwa um Sonderwünsche wie Campingrouten oder Offroad-Pisten, geraten viele Basis-Navis an ihre Grenzen. Dann müssen Spezialisten her.

Von Claudius Lüder, dpa

Wer sich heute für seinen älteren Wagen noch ein Extra-Navi kauft, sollte keines ohne Live-Daten kaufen, raten Experten. Foto: Silvia Marks/dpa-tmn

Wer selten in Großstädten und Ballungsgebieten unterwegs ist, erlebt manche unliebsame Überraschung, wenn er diese Regionen doch einmal ansteuert.

Stau ist nur eine Unbill. Wer etwa mit einem Wohnmobil unterwegs ist, muss auch Brücken, Tunnel oder eingeschränkte Innenstadtbereiche fürchten.

Umfahren lassen sich Staus und andere Hindernisse mit guten Navigationsgeräten. «Voraussetzung ist, dass die Navis mit Echtzeit-Verkehrsdaten arbeiten, denn nur dann kann das System einem auch rechtzeitig eine sinnvolle Ersatzroute vorschlagen», sagt Holger Ippen von der «Auto Zeitung». Das jedoch leisten vor allem ältere Navigationsgeräte nicht, unabhängig davon, ob sie fest eingebaut sind oder nicht.

Klassische Zusatznavis für die Windschutzscheibe haben Ippen zufolge für Pkws daher kaum noch eine Bedeutung. «Der Datenbestand ist oft veraltet und wenn sie ein Update benötigen, müssen sie meist umständlich an einen PC angeschlossen werden», sagt Ippen. Ein Smartphone beispielsweise ist den Saugnapf-Geräten hier deutlich überlegen. Wer sein Mobiltelefon dann noch mit dem Entertainmentsystem des Autos koppeln kann, bekommt Karte und Anweisungen auch bequem auf dem großen Bildschirm angezeigt.

Smartphones können viel, aber ...

Einschränkungen aber gibt es auch bei dieser Lösung. «Bei Apple Carplay oder Android Auto ist die Navigationsfunktion deutlich aktueller und schneller als bei kartenbasierten, fest eingebauten Geräten. Dafür jedoch funktioniert beispielsweise die Sprachsteuerung über Apple Siri nicht ohne Weiteres über die Bedientasten im Fahrzeug», meint Gerrit Reichel vom Automobil-Club Verkehr (ACV).

Zudem könne es passieren, dass eine aktuelle Routenführung genau in dem Moment durch ein Telefongespräch unterbrochen wird, wo man sich gerade einer großen Kreuzung nähert. Wer das Smartphone nutzt, muss zudem früher oder später zum Kabel greifen, denn die Routenführung via Handy frisst reichlich Strom.

Geht es jedoch um ganz spezielle Anwendungen, kommen zusätzliche Navis für die Windschutzscheibe immer noch zum Einsatz, etwa bei Campingfahrzeugen. «Bei Navigationsgeräten für Wohnmobile oder Wohnwagen kann man beispielsweise vorab die Fahrzeugdaten wie Höhe, Breite und Länge eingeben. Das System leitet einen dann nur über Straßen, die diese Anforderungen erfüllen», sagt Marc Dreckmeier vom Caravaning Industrie Verband (CIVD). So ließen sich unliebsame Überraschungen in fremden Städten verhindern.

Spezial-Navis wissen mehr

Ein weiterer Vorteil der speziellen Navis seien Zusatzinformationen. «Die Systeme kennen auch Points of Interest, wie etwa große Parkplätze am Stadtrand oder auch Campingplätze», sagt Dreckmeier. In den meisten Fällen fehlten aber noch Echtzeitdaten, etwa für die Belegung eines Stellplatzes. «Hier arbeitet die Branche aber bereits an Lösungen, denn die Erwartungshaltung seitens der Nutzer ist hoch, nicht zuletzt durch die Möglichkeiten, die Smartphones inzwischen bieten», meint Dreckmeier.

Während bei neueren Wohnmobilen Navis mit entsprechenden Funktionen bereits ab Werk geliefert werden können, sind Zusatzgeräte für ältere Fahrzeuge ein echter Mehrwert, vor allem wenn sie weitere Features bieten. «Es gibt Geräte, an die auch eine Rückfahrkamera angeschlossen werden kann», sagt Dreckmeier. «Der Navi-Bildschirm lässt sich so auch dafür nutzen.» Bei Bildschirmgrößen zwischen fünf und sieben Zoll könnten einige Modelle durch integrierte DVB-T-Receiver zudem als Fernseher verwendet werden.

Für Camping oder Offroad

Besondere Navi-Funktionen gibt es aber nicht nur für Camping-Freunde. Auch Offroad-Enthusiasten können davon profitieren. «Einige Anbieter haben neben dem normalen Straßennetz auch unbefestigte Wege im Verzeichnis. Entsprechend der Größe und des Gewichts des Autos kann man sich dann bestimmte Parcours aussuchen und abfahren», sagt Holger Ippen. Diese Navis würden zusätzlich mit Satellitenbildern und Höhenprofilen arbeiten.

Aber auch ganz normale Pkws lassen sich per Extra-Navi mit Spezialfunktion aufrüsten: «Einige nachrüstbare Navigationsgeräte sind mit einer Frontkamera ausgestattet, darüber sind dann Funktionen wie eine Dashcam, ein Abstandswarner oder auch ein Spurhalteassistent möglich», erklärt Ippen.

Mit den werkseitig verbauten Assistenzsystemen könnten Navi-Lösungen zwar nicht mithalten, Fahrzeugen ohne solche Systeme brächten sie aber einen guten Mehrwert. Ein Navi ohne Spezialfunktionen eigne sich vor allem für ältere Autos. Aber auch hier gelte: Nur ein Gerät mit Live-Daten kaufen.

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