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Offen unter Strom

Cabrios und Roadster werden elektrisch

Das erste modernde E-Auto war ein offener Zweisitzer. Doch seit Tesla den Roadster eingestellt hat, ist die Luft dünn geworden für die Open-Air-Freunde unter den Stromern. Das dürfte sich bald ändern.

Von Thomas Geiger, dpa

Klassik und Moderne: Roadsterbauer Wiesmann will mit dem Thunderball elektrisch vorfahren. Foto: Wiesmann/dpa-tmn

Dülmen/Göteborg - Ist es die Angst vor den Abgasen, der globalen Erwärmung oder einfach nur die Sehnsucht nach sozialer Distanz? Die automobile Generation E hat es offenbar nicht so sehr mit der Offenheit.

Die Sehnsucht nach Sonne und Frischluft hat früher zahlreiche offene Autos vom Kleinwagen mit Faltdach bis zum luxuriösen Cabrios oder dem potenten Spider hervorgebracht. Doch unter den aktuellen E-Autos gibt es fast nur geschlossene Modelle.

Das erste Tesla - war ein Roadster

Dabei war es doch ein Roadster, mit dem Tesla die Welle vor fast 15 Jahren erst losgetreten hat. Daran erinnern sich nun allerdings immer mehr Hersteller. Nachdem die Grundbedürfnisse mit einem Heer kompakter SUV und feudaler Limousinen so langsam befriedigt sind, machen sich deshalb immer mehr E-Autos obenrum frei. Und nachdem das anfangs vor allem Studien waren, stromern bald auch die ersten neuen Serienautos ohne Dach der Sonne entgegen.

Dass die Open-Air-Modelle unter den E-Autos Mangelware sind, lässt sich aus zweierlei Perspektiven erklären. Da ist zum einen die soziologische, sagt der Designkritiker und PS-Philosoph Prof. Paolo Tumminelli aus Köln: «Unsicherheit ist das gesellschaftliche Grundgefühl des neuen Jahrtausends». Er sieht diese Entwicklung erst durch Corona und dann durch den Krieg in der Ukraine noch verstärkt.

«Man beansprucht medizinisch wie politisch Bestandsschutz: Vom Helm auf dem Fahrrad zur UV-Weste am Strand, vom Superfood zum CO2, immer fühlt man sich gezwungen, korrekt zu handeln», sagt der Professor. «Das Steuern eines offenen Autos widerspricht diametral dieser Lebenseinstellung.»

Erst den Massenmarkt elektrifizieren - dann die Nischen

Und da ist zum andren die wirtschaftliche Sicht der Dinge: Denn Cabrios sind absolute Nischenautos, sagt Hans-Georg Marmit von der Sachverständigenorganisation KÜS. Der konstruktive Aufwand bei der Entwicklung sei groß, und die Stückzahlen klein. Deshalb seien offene Fahrzeuge schon bei einem breiten Portfolio an Verbrennern schwer zu rechnen. «Doch wer für viel Geld gerade seine ersten Elektroautos entwickelt, der zielt zunächst auf die aussichtsreichsten Segmente statt auf die Nischen.»

Studien und kleines Angebot kleiner offener Autos

Dabei hat es zumindest den Designern von E-Fahrzeugen an der Lust auf frische Luft nie gemangelt. Vom VW ID Buggy als freizügigem Einstiegsmodell über einen Maybach Roadster bis hin zum Audi Skysphere Concept: Immer wieder haben sie Studien ohne Dach auf die Räder gestellt und zu den großen Messen gerollt. Nur zu kaufen waren solche Autos bislang eben nicht.

Sieht man einmal von der Kleinserie des ersten Tesla Roadsters ab, sind es aktuell deshalb nur der der Fiat 500 und der Smart Fortwo, mit denen die Autohersteller ihre Kunden an die frische Luft setzen. Und als wäre dieses Angebot nicht schon schmal genug, steht der offene Smart nun wie die gesamte bisherige Modellfamilie auch noch vor dem Aus.

Renaissance der Frischluft weht heran

Aber es ist Besserung in Sicht: Während VW-Chef Herbert Diess mit Designskizzen persönlich in den sozialen Netzwerken die Stimmung für einen offenen ID3 auslotet, haben andere bereits Nägel mit Köpfen gemacht: Polestar hat bei der Premiere des offenen 2+2-Sitzers O2 angekündigt, dass bis 2025 drei neue Modelle kommen sollen, mit denen viele Details des Showcars schrittweise verwirklicht werden sollten.

Mini hat versprochen, dass es die nächste Generation des für 2023 vorgesehenen elektrischen Kleinwagens ebenfalls als Cabrio geben soll. Und die mittlerweile chinesische Firma MG will nach eigenen Angaben zum 100. Jubiläum der einst in England gegründeten Marke 2023 tatsächlich eine etwas bodenständigere Version der offenen Studie Cyberster in Serie bringen - und damit an den bis in die 1990er gebauten MGB Roadster erinnern.

Alte Bekannte öffnen sich wieder

Los gehen wird es mit der Frischluft-Offensive aber offenbar vor allem in der Oberklasse. So hat sich der Dülmener Kleinserienhersteller Wiesmann mit dem Projekt Thunderball zurück gemeldet und einen Roadster angekündigt. Der sieht zwar noch entfernt nach alten Zeiten aus, wird aber nun elektrisch angetrieben.

Für rund 300.000 Euro wollen die Dülmener zwei E-Motoren mit zusammen 500 kW/680 PS und eine Batterie für rund 500 Kilometer Reichweite installieren. Bestellungen nimmt das Unternehmen bereits an, der Verkaufsstart ist aber noch offen.

Und auch Elektropionier Henrik Fisker will es noch einmal mit einem offenen Auto versuchen. Wenn im Lauf dieses Jahres erst einmal sein großes SUV Ocean am Start ist, will er neben dem kleinen Ableger Pear auch einen offenen Sportwagen namens Ronin vorantreiben.

Das Debüt kündigt er für Sommer nächsten Jahres an. Er stellt einen 2+2-Sitzer mit versenkbarem Hardtop in Aussicht, der «die größte Reichweite aller Elektroautos aus Serienproduktion» haben werde. Zahlen nennt er noch nicht, doch ist von einer vierstelligen Kilometerangabe die Rede.

Tesla bringt den Roadster wieder - als Supersportwagen

Den größten Schub könnte diese Entwicklung allerdings bekommen, wenn das erste elektrische Open-Air-Modell sein Comeback feiert. Denn Tesla hat bereits bestätigt, dass das Unternehmen wieder einen Roadster entwickelt. Laut Website ist dieser neue Roadster mit abnehmbaren Glasdach über 400 km/h schnell, viersitzig und vorbestellbar. Nur der genaue Termin für die Markteinführung ist - irgendwie passend - noch offen.

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