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Freundschaft und Fahrkultur

Willkommen im Autoclub für Liebhaber

Stuttgart/Gaggenau (dpa/tmn)

In Marken- oder Typen-Clubs für Autos treffen sich Gleichgesinnte und sinnieren über Technik und das Blech. Es gibt noch ein paar weitere Vorteile für den Zusammenschluss.

Von Fabian Hoberg, dpa

Willkommen im Club: Das muss keineswegs nur ein elitärer für Liebhaber teurer Automodelle sein - auch für Brot-und-Butter-Autos von gestern gibt es heute starke Gemeinschaften. Foto: Thomas Geiger/dpa-tmn

Benzingespräche, Fachsimpeln, ein sanftes Streicheln über poliertes Blech und anerkennende Blicke. Es gibt sie noch: Richtige Autoliebhaber, die ihre Schätzchen intensiv pflegen, gerne damit fahren und die sich für die Historie der Marke oder des Modells interessieren.

Für sie ist ein Auto nicht reines Fortbewegungsmittel, sondern ein schützenswertes Fahrzeug oder ein Ausdruck der Persönlichkeit. Häufig organisiert man sich in Clubs.

Tausende sind organisiert

Im Deuvet, dem Bundesverband Oldtimer-Youngtimer, sind derzeit 73 Clubs organisiert, damit aber nur ein Bruchteil aller Clubs, Stammtische und Auto-Interessengemeinschaften (IG) in Deutschland. Den größten Mitgliedsclub bildet darin die Alt-Opel-IG mit über 2100 Mitgliedern. Markenclubs ziehen meist mehr Mitglieder an, aber auch spezielle Fahrzeuge wie Opel Manta oder Opel GT.

Die Initiative Kulturgut Mobilität für Oldtimerclubs und -Vereine beschäftigt sich mit erlebbarer historischer Mobilität. «Bei der Initiative geht es um den kulturellen Aspekt, um die Bedeutung des Autos in der Gesellschaft», sagt der Vorsitzende Mario De Rosa. «Dafür bieten Clubs Gleichgesinnten eine gute Plattform, um gemeinsam das Kulturgut weiter zu pflegen.»

Einen Vorteil für gemischte, Marken- oder Typenclubs sieht er darin, dass sich Gleichgesinnte auf einer nichtvirtuellen Ebene austauschen und Wissen direkt vermitteln. «Physische Treffen bei Stammtischen oder Schraubergemeinschaften bringen mehr als ein Video-Tutorial und fördern zugleich die Gemeinschaft», sagt er. Dazu tauschen sich die Mitglieder aus und pflegen Kontakte.

Born in the USA und aloha Porsche

Selbst auf der abgelegenen Inselgruppe Hawaii fanden sich 1958 Porsche-Besitzer zusammen und gründeten eine Gruppe innerhalb des Porsche Club of America (PCA) - ein Jahr, bevor Hawaii zum 50. Bundesstaat der USA werden sollte. Der PCA allgemein zählt mit über 115.000 Mitgliedern zu den größten Marken-Clubs weltweit.

Auf Big Island Hawaii treffen sich Porsche-Fans monatlich zu Rundfahrten, Picknicks oder Abendessen. «Porsche-Besitzer tauschen sich gerne aus und teilen ihre Begeisterung für die Fahrzeuge. Es geht nicht ums Schnellfahren, sondern ums gemeinsame Erleben der Technik», sagt Gunner Mench, Präsident des PCA Big Island Hawaii.

Und um Selbsthilfe: Der nächste Porsche-Händler sitzt auf der anderen Insel Oahu. Das Schnellfahren ist auf Hawaii auch schwierig: Die einzige Rennstrecke hat vor einigen Jahren dicht gemacht, und auf den Straßen sind maximal 60 Meilen erlaubt, umgerechnet 97 km/h. «Dafür besitzt die Insel viele schöne Kurven», sagt Gunner Mench.

Auch urige Arbeitstiere finden Bewunderer

Es muss sich aber nicht nur um Sportwagen drehen. Der Unimog-Club Gaggenau zählt rund 8000 Mitglieder in 46 Ländern, davon etwa 6000 in Deutschland. Die wiederum teilen sich in 30 Regionalgruppen auf.

«Bei den Treffen tauschen sich die Mitglieder untereinander aus, besprechen eventuelle Technik-Probleme», sagt Rainer Hildebrandt, Vorsitzender des Unimog-Club Gaggenau. Oldtimer stehen nicht im Fokus, sondern alle Baureihen des Unimogs, der seit mehr als 75 Jahren gebaut wird. Die Mitglieder seien ein Querschnitt der Gesellschaft und nicht nur Landwirte oder Bauunternehmer, die einen Unimog beruflich einsetzen.

Deutschland ist bekannt für seine Vereine

Autobesitzer organisieren sich in Clubs meist aus Geselligkeit, meint Professor Andreas Knie vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB): «Es gibt in Deutschland bekanntlich Vereine für Alles und Jeden. Autos sind da keine Ausnahme».

Viele Autoclubs haben in der Regel einen nostalgischen Bezug zu einem bestimmten Modell oder einer bestimmten Marke. «Besonders beliebt sind Fahrzeuge, die zum Zeitpunkt des Markteintritts schon eine Seltenheit waren oder eine bestimmte Aura entwickelt haben, weil sie keine Massenware wurden», sagt Professor Knie.

Es sind mehrheitlich Männer und dabei eher Ältere, die sich in Clubs organisieren. Autoclubs seien auch keine deutsche Besonderheit. In anderen Ländern wie England, Italien und Frankreich gebe es ebenfalls viele Clubs. «Das hat vielleicht auch damit zu tun, dass sich die Autoindustrie dort im Rückwärtsgang befindet und dann noch gerne die Traditionspflege betreibt», sagt Professor Knie.

Gemeinschaft und Vernetzung

Den Vorteil vom Clubleben sieht Matthias Rossel auch er in der Gemeinschaft. «Bei seltenen US-Cars hilft immer eine Vernetzung», sagt der Gründer und Vorstand des Vereins PEP Cars Frankfurt. Zugleich ist er Vorsitzender des Dachverbandes der US-Fahrzeugclubs Deutschland, zu dem 15 Vereine mit insgesamt 850 Mitgliedern gehören.

«Viele Fans von US-Cars finden in den Clubs Gleichgesinnte, aus denen sich Freundschaften entwickeln. «Besitzer von US-Cars sind ein bestimmter Typ Mensch mit einem bestimmten Lifestyle. Das verbindet», sagt Rossel. Und schafft eben auch Raum für Benzingespräche.

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