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Bildungsangebot der Zukunft auf dem Prüfstand

Der Fachkräftemangel in Deutschland spitzt sich zu und macht zahlreichen Branchen erheblich zu schaffen. Wie Prognosen aufzeigen, wird der Großteil der Bevölkerung bereits im Jahr 2025 das Rentenalter erreichen oder kurz davor stehen. Was fehlt, sind Nachwuchstalente und ein Masterplan der Politik, um die Situation zu entschärfen. Ein Lichtblick geht vom Koalitionsvertrag für Nordrhein-Westfalen aus. Die neue Landesregierung hat ein großes Ziel festgesteckt: NRW soll Berufsbildungsland Nummer eins werden.

von Aschendorff Medien

Foto: Pexels.com

Zukunftsweisende Gesamtstrategie in Planung

Die demografische Entwicklung der Bundesrepublik macht sich auch in Nordrhein-Westfalen bemerkbar. Während es immer mehr Rentner gibt, geht der Anteil der Altersgruppe zwischen 15 und 35 zurück. Die Zahl junger Menschen in einer dualen Ausbildung hat sich in NRW zwischen 2011 und 2021 um rund 43.000 verringert.

Die ambitionierten Ziele der neuen Landesregierung kommen da gerade recht. Die Politik will die Berufsschulen sowie die duale Ausbildung stärken und NRW gemeinsam mit Sozialpartnern, Kammern und Wirtschaft zum führenden Berufsbildungsland machen. Zudem steht eine „zukunftsweisende Gesamtstrategie“ auf der Agenda, um die Zusammenarbeit zwischen Berufsschulen, Betrieben und überbetrieblicher Ausbildung zu verbessern.

Digitale Bildung erfordert Orientierungshilfe

Dr. Hans-Peter Klös, Geschäftsführer und Leiter Wissenschaft des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln e. V. hat in einem Gastbeitrag im NRW-Wirtschaftsblog zehn Leitplanken zur beruflichen Bildung der Zukunft formuliert. Unter anderem geht der Experte auf den digitalen Wandel und das damit verbundene Potenzial für die Arbeitswelt ein. Themen wie digitales Lernen seien unverzichtbar „für eine moderne Arbeitswelt“ und die Qualifizierung künftiger Fachkräfte.

An Angeboten für Digital Learning mangelt es bereits heute nicht. Lernwillige finden im Internet eine große Vielfalt an Weiterbildungsmöglichkeiten zum Aneignen diverser Kompetenzen. Allerdings erschwert die Masse an digitaler Bildung gleichzeitig die Auswahl seriöser und qualitativer Angebote. Am Beispiel von Onlinekursen für den Management-Bereich lässt sich nachvollziehen, wie wichtig bedarfsgerechte Bildung ist. Berufstätige, die bestehende Managementfähigkeiten schärfen möchten, können das breite Spektrum am Bildungsmarkt ausschöpfen. „Sobald es jedoch um Agiles Projektmanagement, Projekt Management Professionals oder Ähnliches geht, gewinnen anerkannte Zertifikate an Bedeutung – ein guter Onlinekurs bereitet auf die entsprechende Prüfung vor“, erklärt die Online-Bildungsplattform zur Auswahl bedarfsgerechter Management Kurse und empfiehlt gleichzeitig einen kritischen Blick auf die Kursanbieter: „Vorsicht ist immer dann geboten, wenn der Dozent nur als „Studienbriefautor“ oder „Tutor“ bezeichnet wird – gute Ausbilder verfügen über fachliche Kompetenz und Management-Erfahrung.“

Wenig Mittel und Durchblick

Was fehlt, ist Geld für die digitale Berufsbildung. IW-Wissenschaftsleiter Klös fordert einen Pakt für berufsbildende Schulen, um unter anderem die Qualifizierung von Lehrkräften und Ausbilderinnen und Ausbildern anzukurbeln, sowie finanzielle Unterstützung für Schulträger, um die Kosten für Hard- und Software stemmen zu können. Gleichzeitig bedarf es zur Zielerreichung einen Schub für die nachhaltige Digitalisierung im Bereich Ausbildung und Berufsorientierung.

Angesichts der aktuellen Orientierungslosigkeit unter Schülern trifft diese Forderung des IW-Wissenschaftsleiter den Nagel auf den Kopf. Wie eine Bertelsmann-Studie zur beruflichen Orientierung im dritten Corona-Jahr aufzeigt, sind über 50 Prozent der Jugendlichen mit ihrer Berufswahl überfordert. 53 Prozent der bundesweit 1.666 befragten Jugendlichen erklärten, dass es zwar genügend Informationen zur Berufswahl gibt, aber es schwer sei, sich dabei zurechtzufinden. Es fehlt also der Durchblick und die nötige Orientierung.

Vereinfachen und vernetzen

Ein weiterer spannender Ansatzpunkt von Klös betrifft die Vereinfachung eines Wechsels zwischen Qualifikationen und beruflichen Tätigkeiten. „Die Ausgestaltung allgemeiner und berufsfeldspezifischer Ausbildungsmodule sollte mit den Ausbildungsordnungen anderer Berufe abgeglichen werden, um die horizontale Bildungsmobilität zu sichern“, so Klös. Ergänzend erklärt er die nachhaltige Förderung von Lernortkooperationen als notwendig. Die berufliche Aus- und Weiterbildung müssten enger verzahnt und neue Kooperationsformen zwischen berufsbildenden Schulen, Betrieben, Bildungsanbietern, überbetrieblichen Ausbildungsstätten sowie Bildungszentren etabliert werden.

Ob die neue Landesregierung ihrem Bildungsauftrag nachkommt und NRW tatsächlich zum Berufsbildungsland Nummer eins entwickelt, bleibt abzuwarten. Fest steht, dass der akute Fachkräftemangel unmittelbar wirksame Lösungen und eine Zusammenarbeit auf allen Ebenen erfordert.

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