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Filmen wie in Hollywood

Das neue iPhone 13 im Praxistest

Berlin (dpa/tmn)

Chipmangel und Corona zum Trotz - das iPhone 13 ist da. Vier neue Modelle - von Mini bis Pro Max - kommen in den Handel. So behaupten sie sich im Alltag.

Von Christoph Dernbach, dpa

Die neue iPhone-Generation soll noch mehr Details bei Nachtbildern liefern. Foto: Apple Inc./dpa-tmn

In vielen Kulturen ist die 13 eine Unglückszahl. Umso überraschender mag da der Name «iPhone 13» für das neueste Apple-Smartphone manchem Beobachter erscheinen. Und der Sprung von 12 auf 13 kommt auch eher unerwartet. Nach dem großen Innovationsschritt beim iPhone 12, nämlich dem Einstieg in die fünfte Mobilfunkgeneration (5G), wurde eher ein kleineres Update erwartet - vielleicht ein iPhone 12 S.

Doch jenseits aller Namenspolitik: Vier neue iPhones 13 sind da. Das iPhone 13 Mini, iPhone 13, 13 Pro und 13 Pro Max mit Bildschirmdiagonalen von 5,4 bis 6,7 Zoll. Vor allem die neue Kamera sticht heraus, Apple spricht vom «größten Kamera-Upgrade in der Geschichte des iPhones».

Schräg ist das neue Gerade

Sichtbar neu ist die Anordnung der Linsen. Statt vertikal sind sie im iPhone 13 und dem Mini nun diagonal im Kameraviereck verbaut. Das iPhone 13 Pro und 13 Pro Max haben drei neu konstruierte Kameras: ein Ultraweitwinkel, ein Weitwinkel sowie ein Teleobjektiv.

Alle Objektive lieferten im Test auch bei wenig Licht erstaunliche Bilder. Apple hat die Blendenwerte vergrößert und die Lichtempfindlichkeit der Sensoren erhöht. Qualitätsverbesserungen lassen sich bei Nachtaufnahmen insbesondere an den Bildrändern erkennen. Alle Modelle bilden die Details spürbar schärfer ab als beim Vorgängermodell.

Das Teleobjektiv der neuen iPhone-Pro-Modelle hat nun dreifachen optischen Zoom. Das ist für iPhones ein Rekord, allerdings können andere Smartphones hier mehr. Zum Beispiel das Periskop-Tele vom Motorola Edge 20 Pro mit einem optischen fünffach-Zoom. Allerdings holt Apple mit seiner Software mehr aus der Optik heraus: So gibt es jetzt nicht nur im Foto-Modus einen Porträtmodus, sondern auch im Video. Dabei wird der Hintergrund mit dem sogenannten Bokeh-Effekt bewusst unscharf gestellt.

Das Telefon denkt den Fokus mit

Im neuen Kino-Modus erkennt des iPhone bei der Aufnahme eigenständig, welche Person im Bild gerade spricht und deshalb im Fokus stehen sollte. Der an das Storytelling angepasste Auto-Fokus funktioniert auch bei Tieren. Eine Handvoll Enten kann ihn aber an seine Grenzen bringen. Sollte die Automatik daneben gelegen haben, ist das aber kein Problem: Der Fokus kann nachträglich in der Bearbeitung festgelegt werden. Das sind Optionen, von denen bis vor Kurzem noch Hollywood-Regisseure geträumt haben.

Man sollte den Kino-Modus aber nur sparsam einsetzen. Die Auflösung wird nämlich dabei auf 1080p (FullHD) bei 30 Bildern pro Sekunde reduziert. Alle vier iPhone-13-Modelle beherrschen aber maximal auch Videoaufnahmen mit hohem Farb- und Kontrastumfang (HDR) in höherer 4K-Auflösung mit 60 Bildern pro Sekunde.

Ganz richtig nah dran

Durch die neue Ultraweitwinkelkamera sind jetzt zumindest die beiden Pro-Modelle auch mit einem leistungsstarken Makro ausgestattet. Bis auf zwei Zentimeter kann man jetzt einem Objekt beim Fotografieren auf die Pelle rücken. Die Software schaltet dabei automatisch auf den Makromodus um und zeigt Details an, die man mit dem bloßen Auge kaum erkennen kann.

Alle vier Modelle bieten die sogenannten Foto-Stile. Dabei kann man eine bevorzugte Einstellung für Farbton und Wärme auf Fotografien anwenden. Vier Modi stehen zur Auswahl: Leuchtend, kontrastreich, warm oder kalt. Anders als bei Filtern bleiben Dinge wie der Himmel und Hauttöne dabei natürlich.

Sieht fast gleich aus, aber die Hülle passt nicht mehr

Weit weniger spektakulär sind die Änderungen im Design ausgefallen. Das iPhone 13 ist so kantig wie das Vorgängermodell. Trotzdem passen leider die Hüllen des 12ers nicht mehr, weil das verbesserte Kamerasystem nun etwas mehr Platz einnimmt. Neu sind die Farben: Bei den beiden Pro-Modellen stehen Silber, Gold, Graphit und Sierrablau zur Auswahl. Beim iPhone 13 und dem Mini bietet Apple Gehäuse in Rosé, Blau, Dunkelgrau («Mitternacht»), einem sehr hellem Weiß («Polarstern») sowie Rot an.

Das verwendete Super Retina XDR Display überzeugt im Test. Mit jetzt über 1000 Nits ist es deutlich heller. In den beiden Pro-Modellen verwendet Apple außerdem die ProMotion-Technologie. Sie kann die Bildwiederholrate variabel anpassen. Maximal 120 Hertz sind drin. Das soll im Vergleich zu Displays mit statischen Bildwiederholraten besser aussehen und Strom sparen. Der Unterschied zeigte sich beispielsweise in Games mit einer beeindruckenden Reaktionsfähigkeit oder beim Scrollen von Webseiten ohne jeden Ruckler.

Mehr Laufzeit als beim Vorgänger

Auch dank dieses stromsparenden Kunstgriffes halten die iPhone-13-Modelle länger durch als ihre Vorgänger. Rund zwei Stunden mehr sind bei durchschnittlicher Nutzung drin, so dass man bequem durch einen vollgepackten Arbeitstag kommt. Wer ein Schnellladegerät (20 Watt) verwendet, kann in einer halben Stunde einen leeren Akku auch wieder zur Hälfte füllen (51 Prozent). Zum Vergleich. Mit dem alten 5-Watt-Netzteil zeigt der Akku nach 30 Minuten aber nur 19 Prozent an. Die Ladegeräte sind erneut nicht im Lieferumfang enthalten.

Zum Stromsparen trägt auch der A15 Bionic bei, der mit vier energieeffizienten Rechenkernen («Blizzard») den Routinekram erledigt. Bei Bedarf verwandelt sich der Chip mit seinen beiden Hochleistungs-Kernen («Avalanche») in ein Hochleistungsmonster. In den gängigen Benchmark-Tests deklassiert er die gesamte Konkurrenz. Alle vier getesteten iPhone-13-Modelle kommen auf einen Geekbench5-Score von über 1730 (Single-Core). Im Vergleich: Das OnePlus 9 Pro oder das Samsung Galaxy S21+ kommen knapp über die 1000er-Schwelle.

Noch mehr 5G

In der Praxis weniger relevant - zumindest in Deutschland - sind die Verbesserungen beim 5G-Funk. Die neuen iPhone-Modelle unterstützen jetzt etliche neue Hochfrequenzbänder für die fünfte Mobilfunkgeneration, die aber vor allem in Asien zum Einsatz kommen. In Vergleich zum Vorjahr fließen die Daten aber auch hierzulande spürbar schneller. Das liegt aber nicht am iPhone, sondern an den inzwischen verbesserten Netzen von Telekom, Vodafone und O2.

Was fehlt: Alle iPhone-13-Modelle unterstützen nicht den Turbomodus «5G Standalone», der in Deutschland bislang aber auch nur an wenigen Antennenstandorten verfügbar ist. Apple bleibt hier bei seinem Kurs, neue Funktechnik erst dann anzubieten, wenn sie im Markt auch wirklich angekommen ist.

Fazit: Die Kamera macht den Unterschied

Die neuen iPhone-Modelle setzen sich vor allem mit einem nochmals deutlich verbesserten Kamera-System vom Vorgängermodell ab. Das rechtfertigt auch den Namen iPhone 13 statt nur iPhone 12S. Auch die verlängerte Akku-Laufzeit dürften für viele relevant sein. Die Leistung des Bionic-Chips war schon vor einem Jahr klasse und ist nun noch ein bisschen besser. Wer weniger Wert auf Fotos und Videos legt, kann auch zu den Vorjahresmodellen (iPhone 12 und 12 Mini) greifen, die nun deutlich günstiger zu haben sind.

Dass Apple trotz der anhaltenden Corona-Krise überhaupt in der Lage ist, quasi ohne Einschränkungen zu liefern, soll nicht unerwähnt bleiben. Andere Hersteller haben noch immer mit Logistik-Problemen und Nachschub-Schwierigkeiten zu kämpfen, während Apple es gelingt, ein Terabyte Speicher in seine Top-Geräte zu packen.

Infokasten: Speicher und Preise:

Im Vergleich zum Vorjahr sind die Preise bei verbesserter Technik und mehr Speicher stabil geblieben. Das kleinere iPhone 13 Mini beginnt bei 799 Euro (128 GB Speicher) und liegt bei 919 Euro für 256 GB und 1149 Euro für 512 GB. Das iPhone 13 kostet ab 899 Euro (128 GB Speicher) und kommt auf 1019 Euro bei 256 GB und 1249 Euro bei der höchsten Ausbaustufe von 512 GB Speicher. Für das iPhone 13 Pro verlangt Apple ab 1149 Euro (128 GB). Mit mehr Speicher werden 1269 Euro ((256 GB), 1499 Euro (512 GB) oder 1729 für ein sattes Terabyte Speicher fällig. Das größere iPhone 13 Pro Max liegt dann jeweils 100 Euro über den Preisen des 13 Pro.

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