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Recht auf Bildung

KMK: Präsenzunterricht hat weiterhin höchste Priorität

Berlin (dpa)

Offene Schulen sollen in der Pandemie Vorrang haben, dafür sprachen sich erneut die Teilnehmer der Kultusministerkonferenz aus. Erwachsene müssten im Zweifel mehr Einschränkungen auf sich nehmen. Beschlüsse gab es auch zum digitalen Lernen und dem Mathematikunterricht.

Von dpa

Die Kultusministerinnen und Kultusminister haben bekräftigt, dass der Präsenzunterricht oberste Priorität habe. Schulen dürften nicht wieder geschlossen werden, um das Recht auf Bilder zu gewährleisten. Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa/Archiv

Die Kultusministerinnen und -minister der Länder haben ihren Kurs für offene Schulen in der Corona-Pandemie bekräftigt. Der kontinuierliche Präsenzunterricht habe für sie weiterhin höchste Priorität, um das Recht der Kinder und Jugendlichen auf Bildung und Teilhabe zu gewährleisten, heißt es in einem Beschluss der Kultusministerkonferenz (KMK).

Die KMK hatte am Vortag über die aktuelle Corona-Lage an den Schulen beraten. In der vergangenen Woche waren laut Daten aus den Ländern mehr als 100.000 Corona-Infektionen bei Schülerinnen und Schülern bekannt. Insgesamt gibt es rund 11 Millionen Schüler in Deutschland.

Gesamtgesellschafltiche Aufgabe

«Das Offenhalten der Schulen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe», heißt es in dem Beschluss weiter.

Nach den umfangreichen Schulschließungen im letzten und vorletzten Schuljahr müssten nun Erwachsene Verantwortung übernehmen und die verschärften Regeln im öffentlichen Leben konsequent einhalten. «Wo notwendig, müssen weitere Kontakt- und Zugangsbeschränkungen für ungeimpfte Erwachsene einen zusätzlichen Beitrag zur Eindämmung der Pandemie leisten.»

Kritik des Deutschen Lehrerverbands

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, kritisierte den KMK-Beschluss und sagte im Sender ntv, die Politik sollte möglichst nichts ausschließen. «Angesichts neuer Virusmutationen zu sagen, wir halten Schulen offen auf Teufel komm raus, wäre der falsche Schritt.» Man wolle nicht wieder in den Wechselunterricht, aber es sei nicht auszuschließen.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) nannte das Ziel, Bildungseinrichtungen so lange wie möglich offen zu halten, grundsätzlich richtig, kritisierte aber unzureichende Maßnahmen für den Gesundheitsschutz der Beteiligten. Es müssten umgehend Luftfilteranlagen, «eingebettet in Raum-, Lüftungs- und Hygienekonzepte, eingebaut werden», sagte die GEW-Vorsitzende Maike Finnern. Auch der Bildungsverband VBE forderte von der Politik, «alle technischen Möglichkeiten für einen bestmöglichen Infektionsschutz auszuschöpfen».

Weitere Beschlüsse im Überblick:

- Sommerferien: Die Termine der Sommerferien bis 2024 stehen fest. Nun kann bald auch für die Jahre 2025 bis 2030 geplant werden. Die Kultusminister haben sich nach langen Diskussionen auf die Ferientermine in diesem Zeitraum geeinigt. Details will die KMK am Wochenanfang bekanntgegeben. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur erstrecken sich die Sommerferien je nach Jahr über jeweils 80 bis 87 Tage, starten frühestens am 18. Juni und enden spätestens am 15. September. Beim Ferienanfang rotieren die Länder in Gruppen. Bayern und Baden-Württemberg machen dabei nicht mit und starten immer als letzte in die Ferien. Das sorgt im Norden regelmäßig für Unmut. Bayern und Baden-Württemberg bestätigten, dass es bei dieser Sommerferienregelung bleibt.

- Maßnahmen gegen Lehrkräftemangel: Bei steigenden Schülerzahlen mangelt es vor allem an Lehrkräften im Sekundarbereich I - also oberhalb der Grundschule - in den Bereichen Mathe-, Chemie-, Physik- oder auch Musik. Die KMK hat nun Vorschläge vorgelegt, wie mehr junge Menschen für ein Lehramtsstudium vor allem auch in diesen Bereichen begeistert werden können. Schon in der Schule solle etwa das Interesse bei Abiturientinnen und Abiturienten durch Sommerunis, Workshops oder frühe Einblicke in den Beruf geweckt werden. Dazu soll es Imagekampagnen mit Lehramtstudierenden als Botschafter geben und Werbung, die auf die guten Einstellungschancen in dem Bereich hinweist.

- Mathe besser machen: «Wir haben in Deutschland ein Mathematikproblem, dass man nicht kleinreden soll», sagte Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe (SPD) und verwies darauf, dass viele Schüler in dem Fach nicht die Mindeststandards erreichten. Die Länder legen nun nach seinen Worten ein «gewaltiges» Mathelehrer-Fortbildungsprogramm über zehn Jahre auf. Rabe rechnet mit Kosten von rund 150 Millionen Euro. Erreicht werden soll damit rund jede dritte Schule.

- Digitales Lernen: Kreide, Tafel und Schwamm werden langfristig immer seltener zu sehen sein. Die KMK hat weitere Empfehlungen aufgestellt, wie der Unterricht im Digitalzeitalter verbessert werden kann. Die Länder sollen Institute beauftragen, die Konzepte dafür entwickeln. Es geht zum Beispiel um den gezielten Einsatz von digitalen Medien zur Steigerung von Motivation und Lernfreude und auch um deren Einbindung in Prüfungen. Zudem sollen neue Prüfungsformate entwickelt werden, in denen neben Fachwissen auch andere Kompetenzen geprüft werden, wie Kreativität, kritisches Denken, Kommunikation.

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