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Kryptowährung für die LGBTQ-Szene: Maricoin mit fester Zielgruppe

Spanien hat die Maricoin entwickelt, eine Kryptowährung, die speziell die LGBTQ-Szene als feste Zielgruppe ansprechen soll. Seit Februar ist die Kryptowährung auf offiziellen Plattformen handelbar und bereits vor dem Release war das Interesse groß – aber auch die Diskussionen um den neuen Token. Welche Absicht verfolgt die zielgruppenorientierte Kryptowährung? Und warum wird sie auch kritisch beäugt?

von Aschendorff Medien

Foto: Pixabay.com

Nachdem der Bitcoin als erste Kryptowährung zunächst allein den Markt bestimmte, können Anleger und Trader heute viele verschiedene Kryptowährungen kaufen. Dabei hat jede dieser virtuellen Währungen ihre Besonderheiten. Maricoin wurde nun als spezielle Währung für die LGBTQ-Szene konzipiert.

Maricoin bereits seit Februar handelbar

Im vergangenen Jahr hat sich der Kryptowährungsmarkt gut entwickelt. Dem Bloomberg Galaxy Crypto Index zufolge wuchs er um ganze 160 Prozent und damit mehr als konventionelle Vermögenswerte. Dieser Aufschwung des Kryptomarktes hat viele dazu inspiriert, in das Feld einzusteigen – als Investor, Miner, oder auch als Entwickler mit einer eigenen Währung. Eine der neuen Kryptowährungen ist Maricoin. Der Token wird auf der Maricoin-Website als die erste LGBTQ-Kryptowährung beworben. Doch was genau bedeutet das in der Praxis?

Übrigens: Die Behauptung, dass Maricoin der weltweit erste LGBTQ-Token ist, ist nicht ganz richtig. Die von Queers geschaffenen Kryptos LGBT Token und Pride gingen bereits 2018 bzw. 2021 an den Start. Und auch der LGBT Token soll gemeinnützige Projekte finanzieren – von der Förderung bei Startup-Gründungen bis hin zur Rettung verfolgter Menschen.

Hinter der Entwicklung von Maricoin stecken Juan Belmonte und Francisco Álvarez. Seit 2017 arbeiteten sie bereits an der Entwicklung der Münze. Der Name Maricoin spielt auf ein homophobes spanisches Schimpfwort an, das nun über den Token erobert und positiv besetzt werden soll. Der Transfer des Tokens zwischen den Nutzern soll „trans“ genannt werden. Die virtuelle Münze wurde mit dem Ziel entwickelt, die wirtschaftliche Macht der LGBTQ-Szene zur Bekämpfung von Homophobie zu nutzen.

Gehandelt werden sollte die Währung auf allen großen Kryptowährungsplattformen seit dem 22.02.2022 – ein einprägsames Datum.

Foto: Pixabay.com

Die Intention hinter einer szeneorientierten Kryptowährung

Wer als Unternehmer die Kryptowährung Maricoin nutzen will, muss zunächst ein Gleichstellungsmanifest unterzeichnen. Dieses verteidigt die Rechte von LGBTQ und anderen Minderheitengemeinschaften. Nutzt ein Unternehmen Maricoin und verstößt gegen die Bedingungen des Gleichstellungsmanifests, soll es von einer weiteren Nutzung ausgeschlossen werden. Meldet sich ein Unternehmen für die Nutzung des Tokens an, dann wird es auf einer Karte verzeichnet. Kurz vor dem Start des Tokens hatten sich zehn Geschäfte im Madrider Stadtviertel Chueca für einen Pilotversuch eintragen lassen. Die Hoffnung ist, dass Maricoin in Zukunft weltweit von Unternehmen akzeptiert wird. Zudem soll der Maricoin dafür genutzt werden, Mikrokredite beispielsweise für queerfreundliche Cafés in südamerikanischen Ländern zu vergeben. Das bedeutet, die Gewinne aus dem Handel mit Maricoin sollen gezielt LGBTQ-Projekte fördern.

„Da wir diese Wirtschaft bewegen, warum sollte unsere Gemeinschaft nicht davon profitieren, anstatt von Banken, Versicherungen oder großen Unternehmen, die LGBT+-Menschen oft nicht helfen“, sagt dazu Mitbegründer Juan Belmonte.

Hier stellt sich vielen Anlegern die Frage, ob eine so stark auf eine spezifische Zielgruppe ausgerichtete Kryptowährung möglicherweise zu eng gefasst ist, um sich wirtschaftlich sinnvoll am Markt positionieren zu können. Der Plan, mit dem Token entsprechende Projekte zu fördern, würde dann scheitern.

Unglücklicher Start durch Namenswahl

Während die Entwickler des Tokens beabsichtigen, dass Maricoin Geld der LGBTQ-Gemeinschaft für einen guten Zweck kanalisiert und zum Einsatz bringen kann, hat die Kryptowährung zunächst keine sehr positive Reaktion aus der Community erhalten. Vor allem in den sozialen Medien wurde allein der Namen „Maricoin“ wegen seiner negativen Konnotationen kritisiert. Ursprünglich sollte die Währung „Maricon“ heißen, was übersetzt so viel „Schwuchtel“ bedeutet. Diese Namenswahl traf in der Szene auf negative Reaktionen, weshalb der Erfolg innerhalb der dezidierten Zielgruppe zunächst ausblieb. Mit der Änderung des Namens auf „Maricoin“ fand die Kryptowährung stärkere Zustimmung. Doch blieben andere Kritikpunkte bestehen. Manch einer bezeichnet die Entwicklung des Tokens als „Queer-Kapitalismus“, da Gewinne durch die Einbeziehung von Elementen aus der Queer-Bewegung erzielt werden sollen.

Zudem gibt es das Argument, dass queere Menschen keine spezielle Währung für die Liberalisierung brauchen. Es wäre keine Befreiung, wenn man zwar eine eigene Währung hat, aber dennoch viele Menschen aus der LGBTQ-Gemeinschaft in prekären Verhältnissen leben würden.

Neben der Kritik aus den Reihen der LGBTQ-Community hat Maricoin auch bei Kryptoanalysten kaum positive Resonanz erfahren. Die Gründer Belmonte und Álvarez sind im Kryptobereich unerfahren und es gibt kein Whitepaper, das Details über das Projekt und die Probleme enthält, die es lösen soll. Selbst auf der Website des Tokens mangelt es an Informationen über das Team hinter dem Projekt. Allerdings gaben die Gründer des Tokens an, ein Whitepaper sei in Arbeit.

Abschließend lässt sich damit festhalten: Die Idee hinter dem Token ist eine gute, denn sie dient einem gemeinnützigen Zweck. Es bleibt die Frage, wie sich der Token in der kommenden Zeit entwickelt und ob er überhaupt Fuß fassen kann.

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