1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Freizeit
  4. >
  5. Finanzen
  6. >
  7. So setzen Anleger ihre eigene ETF-Strategie um

  8. >

Exotische Fonds

So setzen Anleger ihre eigene ETF-Strategie um

Frankurt/Main (dpa/tmn)

Sie wollen klimafreundlich anlegen? Oder in seltene Erden investieren? Oder doch lieber Dividenden kassieren? Kein Problem. Kaufen Sie einfach einen entsprechenden ETF. Aber lohnt das?

Von Falk Zielke, dpa

Mit einem ETF allein nur auf einen Weltindex zu setzen, ist manchen Anlegern zu langweilig. Es gibt aber genug Angebote, um bestimmte Anlageschwerpunkte zu setzen. Foto: Alexander Heinl/dpa-tmn

Einfach, günstig, transparent - das wollen börsengehandelte Indexfonds eigentlich sein. Ein Rezept, das bei Anlegern gut ankommt.

«Für den Privatanleger haben ETF den Charme, dass man zu recht günstigen Kosten sein Vermögen breit gestreut anlegen kann, ohne ein Einzelwertrisiko einzugehen», sagt Nicolas Pilz, Geschäftsführer der Societas Vermögensverwaltung in Düsseldorf. Die Fonds, die einen Aktienindex abbilden, investieren ihre Mittel in verschiedene Unternehmen, verteilt über viele Branchen und Länder.

Angebote sind vielfältig

Mit der Nachfrage wächst auch das Angebot. Um sich von der Masse abzuheben, legen Anbieter vermehrt spezielle ETF auf, die sich einzelnen Branchen oder Themen widmen. So gibt es zum Beispiel inzwischen Rohstoff-ETF, Krypto-ETF, Klima-ETF oder Seltene-Erden-ETF.

«Heute nur in den einen Länderindex zu investieren, reicht häufig nicht aus», sagt Frank Wieser, Geschäftsführer von PMP Vermögensmanagement. Bestimmte Themen seien global und miteinander vernetzt. Deshalb können spezielle ETF durchaus eine Bereicherung für das Depot sein, findet auch die Stiftung Warentest. Bis zu 30 Prozent kann man nach Ansicht der Warentester auf exotische ETF setzen - solange der Rest des Vermögens in marktbreite Indizes wie den MSCI World oder den FTSE All Country investiert ist.

Welche Strategie funktioniert wann?

Doch was wählen? Die Auswahl ist inzwischen ziemlich groß. Jeder Fokus birgt unterschiedliche Risiken. «Je spezieller die Auswahl ist, desto spekulativer wird es letztlich», sagt Andreas Görler, Vermögensverwalter bei Pruschke & Kalm. «Hier muss man sich die grundsätzliche Frage stellen: Will ich investieren oder spekulieren?»

Zwei Beispiele: Viele Anleger erhoffen sich von dividendenstarken Titeln weniger Wertschwankungen und eine bessere Rendite. Das geht nur teilweise auf, so die Stiftung Warentest. Zwar schwanken entsprechende ETF weniger, weil die Unternehmen oft aus defensiven Branchen kommen, dafür glänzen sie nicht unbedingt bei der Rendite.

Und die sogenannte Momentum-Strategie - also die Annahme, dass Aktien, die besonders gut gelaufen sind, auch in Zukunft gut laufen, funktioniert nur in guten Börsenphasen. Gibt es einen starken Kurseinbruch, kann das nach hinten losgehen. Daher eignet sich dieser Ansatz nach Ansicht der Stiftung Warentest eher zum kurzfristigen Spekulieren. Entscheiden sich Anlegerinnen und Anleger also für eine bestimmte Strategie, müssen sie sich damit vor dem Kauf beschäftigen.

Verschiedene Kriterien des ETF prüfen

Das gilt auch für die verschiedenen ETF selbst. «Beispielsweise kann man mit einem Themen-ETF auf die 'Alternde Bevölkerung' setzen», so Frank Wieser. Dies wird allerdings höchst unterschiedlich umgesetzt: Mal stehen Medikamente gegen das Altern im Vordergrund, mal Infrastrukturprojekte wie zum Beispiel Altersheime. «Beim gleichen Thema kann die Performance damit sehr unterschiedlich sein.»

Es lohnt sich, vorab bestimmte Kriterien anzusehen. «So sollte das Fondsvolumen groß genug sein, dass der ETF auch auf Sicht für die Gesellschaft interessant ist und nicht Gefahr läuft, liquidiert zu werden», sagt Rainer Göritz von der B&K Vermögensverwaltung. «Der ETF sollte vernünftig diversifiziert sein und mindestens 25 bis 30 Titel enthalten. Deren Zusammensetzung sollte regelmäßig überprüft werden.»

Und auch wenn es langweilig klingen mag: Erfolgreich sind Aktieninvestments in der Regel, wenn sie weltweit breit gestreut und langfristig angelegt sind. «Versuchen Sie nicht, den Markt zu schlagen», sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Das gelingt selbst Profis nur selten.

Literatur:

«Finanztest»-Spezial «Anlegen mit ETF», 176 Seiten, Heft ISBN: 419-2-1270-1490-2, 14,90 Euro.

Brigitte Wallstabe-Watermann u.a.: «Anlegen mit ETF - Geld bequem investieren mit ETF und Indexfonds», Stiftung Warentest 2020, 176 Seiten, ISBN 978-3-7471-0128-5, 19,90 Euro.

Gerd Kommer: «Souverän investieren vor und im Ruhestand - Mit ETFs Ihren Lebensstandard und Ihre Vermögensziele sichern», Campus Verlag 2020, 343 Seiten, ISBN 978-3-593-51245-7, 27,95 Euro.

Martin Weber u.a.: «Die genial einfache Vermögensstrategie - So gelingt die finanzielle Unabhängigkeit», Campus Verlag 2020, 255 Seiten, ISBN 978-3-593-51238-9, 27,95 Euro.

Hartmut Walz: «Einfach genial entscheiden im Falle einer Finanzkrise», Haufe, 1. Auflage 2020, 210 Seiten, ISBN 978-3-648-13758-1, 19,95 Euro.

Startseite
ANZEIGE