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Wirtschaftsauskunftei Crif

Verbraucherpleiten: Sorge trotz sinkender Zahlen

Frankfurt/Hamburg (dpa)

Hohe Energie- und Lebensmittelpreise belasten die Verbraucher. Dennoch sinkt die Zahl Privatinsolvenzen. Für Experten ist das allerdings kein Grund zur Entwarnung.

Von dpa

Gerade für finanz- und einkommensschwache Haushalte wird sich die finanzielle Lage zuspitzen, warnt Frank Schlein, Geschäftsführer von Crif-Deutschland. Foto: Jonas Walzberg/dpa

Trotz der finanziellen Belastung durch die hohe Inflation ist die Zahl der Verbraucherpleiten in Deutschland in den ersten neun Monaten gesunken. Die Wirtschaftsauskunftei Crif zählte 71.107 Privatinsolvenzen.

Das waren 13,5 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Allerdings waren die Zahlen in den ersten neun Monaten 2021 infolge einer Gesetzesänderung stark gestiegen. Der Vergleich falle daher verzerrt aus. Crif-Deutschland-Geschäftsführer Frank Schlein hält wegen steigender Kosten eine Verschuldungswelle für möglich. Auf Dauer führe weniger Einkommen erst in die Überschuldung und dann möglicherweise in die Privatinsolvenz.

Miet- und Energiepreise belasten einkommensschwache Haushalte

Crif rechnet in diesem Jahr mit 100.000 Privatpleiten in Deutschland. Im vergangenen Jahr zählte die Wirtschaftsauskunftei früheren Angaben zufolge 109.031 Fälle. 2023 sei ein Anstieg auf bis zu 120.000 Insolvenzen möglich. Die finanzielle Situation vieler Menschen bleibe durch die steigenden Miet- und Energiepreise angespannt. «Gerade für finanz- und einkommensschwache Haushalte wird sich die finanzielle Lage zuspitzen - auch weil die finanziellen Reserven durch Einbußen in der Corona-Pandemie aufgebraucht worden sind», erläuterte Schlein. Wirtschaftliche Krisen wirkten sich allerdings verzögert auf die Verbraucher aus. Die Folgen durch die Inflation würden erst ab nächstem Jahr einen Einfluss auf die Insolvenzzahlen haben.

In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres schlugen sich im Vorjahresvergleich die Folgen der Gesetzesänderung nieder, die eine Befreiung von der Restschuld schon nach drei statt nach sechs Jahren möglich macht. Etliche Betroffene hatten nach Einschätzung von Experten daher mit ihrem Insolvenzantrag gewartet, das trieb in der Folge die Zahlen 2021 in die Höhe.

Im Vergleich zu den ersten drei Quartalen 2019 - also dem Zeitraum vor der Gesetzesreform und vor Corona - stieg die Zahl der Privatinsolvenzen den Angaben zufolge um 11,8 Prozent.

Mehr Privatinsolvenzen in nördlichen Bundesländer

Der Crif-Auswertung zufolge gab es bundesweit in den ersten neun Monaten des Jahres 85 Privatinsolvenzen je 100.000 Einwohner. Die nördlichen Bundesländer sind dabei stärker betroffen als der Süden Deutschlands. So führe Bremen die Statistik mit 153 Privatinsolvenzen je 100.000 Einwohnern an. Es folgen Niedersachsen mit 120 und Hamburg mit 118 Fällen je 100.000 Einwohner. Deutlich über dem Bundesschnitt liegen zudem Schleswig-Holstein (110), Mecklenburg-Vorpommern (101) sowie Sachsen-Anhalt (100). Am wenigsten Privatinsolvenzen verzeichneten Bayern (52), Baden-Württemberg (64) und Thüringen (67).

In absoluten Zahlen steht das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen mit 16.577 Verbraucherpleiten an der Spitze der Insolvenzstatistik. Es folgen Niedersachsen (9637) und Baden-Württemberg (7141).

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