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Tipps für den Garten

Starthilfe für die Natur: Ein schönes Beet anlegen

Jüchen (dpa/tmn)

Hier etwas Grün, da etwas Blühendes und viel Boden dazwischen: Sehr locker bepflanzte Beete werden nie prächtig wirken. Gleiches gilt, wenn man nur auf Lieblingspflanzen setzt.

Von Dorothée Waechter, dpa

Wie ist der Boden beschaffen? Diese Fragen sollte man klären, bevor man sich Pflanzen anschafft. Foto: Benjamin Nolte/dpa-tmn/Illustration

Es könnte so einfach sein: Man setzt Pflanzen in Boden - und schon wächst ein Beet prächtig heran. Dem ist aber nicht so. Denn letztlich braucht jede Bepflanzung den passenden Standort, eine Starthilfe und die Inspiration seines Gärtners.

Tipp 1: Wissen, wohin man pflanzt

Man muss die Standortbedingungen des Beetes kennen, bevor man Pflanzen dafür kauft. Wie ist der Boden beschaffen? Und wie viel Licht erreicht die künftigen Pflanzen auf dem Standort?

Die Begrifflichkeiten werden Ihnen beim Pflanzenkauf auffallen: Es gibt feuchten, normalen und trockenen Boden, (voll-)schattige, halbschattige und (voll-)sonnige Standorte.

Folko Kullmann, Buchautor und Präsident der Gesellschaft der Staudenfreunde, erklärt die Definition der Lichtverhältnisse: «Wenn ein Platz im Garten im Sommer mindestens sechs Stunden Sonne abbekommt, dann handelt es sich um einen halbschattigen Standort. Die Stellen, an denen weniger oder gar keine direkte Sonne hingelangt, liegen im Schatten.» Sonnig ist natürlich ein Fleck mit Sonnenschein den ganzen Tag über.

Eine Besonderheit sei der lichte Schatten, ergänzt Kullmann. «Das sind Standorte unter Laubbäumen und -sträuchern, bei denen die Sonne durch die Blätter blitzt und viele kleine Licht- und Schattenflecken wirft.» Es gibt auch Pflanzen, die das vorziehen.

Tipp 2: Erkennen, wie viel Arbeit man haben möchte

Gartenarbeit ist Arbeit, auch wenn sie vielen mehr Spaß macht als die eigentliche Erwerbsarbeit. Und das heißt, man muss sich Zeit dafür nehmen und Kräfte investieren. Das kann man bei der Neuanlage eines Beets aber im Blick haben und Pflanzen und Gestaltungen auswählen, die weniger oder mehr Zeit über den Jahresverlauf beanspruchen.

Landschaftsarchitektin Brigitte Röde rät bei neuen Gärten klein anzufangen und ein Beet in zwei bis drei Abschnitten langsam zu erweitern, sollte man den eigenen Ansprüchen bei der Gartengestaltung hinterherkommen. Und sie rät davon ab, das perfekte Beet anlegen zu wollen. «Denn der Garten hat eine Dynamik, so dass es wichtig ist, dass man entspannt und flexibel bleibt», so die Mitgründerin der Gartenakademie Dycker Feld in Jüchen.

Tipp 3: Sammeln, was einem gefallen würde

Parks und Botanische Gärten haben oft Schau-Beete oder Bepflanzungsbeispiele für bestimmte Standorte. Hier kann man Anregungen suchen, welche Pflanzen sich anbieten und wie man sie schön zusammenbringt. Folko Kullmann rät auch, sich bei Garten- und Pflanzenliebhabervereinen umzuschauen. Viele bieten die Möglichkeit, Gärten zu besichtigen.

Auch Bücher, Zeitschriften, Internetportale und soziale Medien empfiehlt Kullmann als Quellen der Inspiration. Und: «Schauen Sie, was in den Nachbargärten gut wächst. Sie können sicher sein, dass sich diese Pflanzen auch in Ihrem Garten wohlfühlen.»

Der Experte rät davon ab, einfach das zu kaufen, was einem gefällt. «Es führt zu einem Sammelsurium, das nie gut aussehen wird.» Denn die Wunschpflanzen brauchen nicht irgendwelche weiteren schönen Begleiter, sondern welche, die zu ihnen passen.

Tipp 4: Erfahren, wie man kombiniert

Pflanzen brauchen ausreichend Platz, um sich entfalten zu können. Vor allem, da einige im Laufe der Jahre im Beet noch größer und breiter werden. Daher sollte man beim Einkauf erfragen, welche Abstände die Pflanzen brauchen - und daran gemessen, auch nur so viele Pflanzen kaufen, wie im Beet gut Platz finden. Die Lücken im ersten Jahr können etwa einjährige Sommerblumen schließen.

Trotzdem sollte man nicht zu knausrig sein: Ein schönes, dynamisches Pflanzbild entsteht nicht, wenn man nur einzelne Pflänzchen in großen Abständen setzt. Sondern, wenn man mit größeren Stückzahlen Gruppen oder Muster, die sich im Beet wiederholen, formt.

Tipp 5: Klären, wie gut der Boden ist

Oftmals können die Pflanzen nicht einfach so direkt in die Erde kommen, denn der Boden ist nicht immer auf sie vorbereitet. «Bei einem Neubau ist der Boden im Garten häufig stark verdichtet», nennen Brigitte Röde ein Beispiel. Man müsse hier «mit gärtnerischer Geduld» auch tiefgründig Problemzonen lockern.

Wer Zeit und Geduld hat, spendiert seinem Gartenbeet vor der Bepflanzung eine Gründüngung. Die Methode stammt aus der Landwirtschaft. Dort setzt man Pflanzen auf den nach dem Sommer kahlen Feldern mit besonderer Wirkung als Dünger ein. Sie geben dem Boden Nährstoffe zurück und versorgen ihn damit so gut, dass andere Pflanzen im nächsten Jahr darauf besser gedeihen. Das lässt sich auch mit den Gartenbeeten machen.

Zum Beispiel Sonnenblumen, Borretsch, Bienenfreund oder Beinwell dringen mit ihren Wurzeln in tief verdichtete Zonen vor und brechen über eine Wachstumsperiode die verhärteten Strukturen auf.

Für alle Flächen gilt: Das Bodenleben wird angeregt, wenn man reife Komposterde verteilt und in den Boden einarbeitet. «Beim Umgraben muss man unbedingt darauf achten, dass Wurzelunkräuter entfernt werden», sagt Brigitte Röde.

Tipp 6: Planen, wann man loslegen kann

Optimale Pflanzzeiten sind der Frühling und der Herbst. Kullmann rät zum Setzen bis maximal Mai. «Im Hochsommer wachsen die Pflanzen schlechter oder gar nicht an», sagt der Experte. Auch Brigitte Röde rät zum Frühling, denn er ermöglicht das gute Einwachsen der Pflanzen vor dem nächsten Winter.

Aber sie findet, dass es letztlich besser ist, auch dann damit anzufangen, wenn der Zeitpunkt nicht optimal ist, man dafür aber selbst die Zeit für die Arbeit gut aufbringen kann und den Schwung für die Aufgabe hat. «Das ist besser, als gar nicht damit anzufangen.»

Tipp 7: Verstehen, dass nicht alles perfekt sein muss

Auch für das Einsetzen der Pflanzen raten die Experten: Auf Perfektionismus verzichten. Wenn die Pflanzen «alles, was sie brauchen, im Pflanzloch auf dem Silbertablett serviert bekommen, wachsen sie nicht an», erklärt Buchautor Kullmann. Er rät daher, bei der Frühlingspflanzung keine besondere Pflanzerde oder Dünger in das Pflanzloch zu geben. Das regt das neue Grün an, seine Wurzeln tief in den Boden zu den Nährstoffen zu leiten.

Nach dem Setzen muss man nur gut angießen, so dass die Wurzeln und die Erde gut zueinander finden. «Den Rest macht die Natur allein», sagt Kullmann.

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