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Sonderveröffentlichung

Rheuma in jungen Jahren: Morbus Bechterew

Schmerzen und immer wieder Schmerzen gehören zu den Hauptsymptomen von Morbus Bechterew. In Schüben können sie unerträglich sein. In einem Interview erklärt PD Dr. Uta Kiltz weitere typische Anzeichen der Rheumaerkrankung des Rückens und wie sie sich dauerhaft lindern lassen.

von Aschendorff Medien

Foto: Unsplash.com

Etwa 550.000 Menschen in Deutschland leiden an einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung der Wirbelsäule: der sogenannten axialen Spondyloarthritis, kurz axSpA. Sie kämpfen mit immer wiederkehrenden, starken Rückenschmerzen. Schuld ist ein fehlgeleitetes Immunsystem, das chronische Entzündungen verursacht. Das Besondere des Rheumaleidens ist, dass es bereits in jungen Jahren, meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr, auftritt - einem Alter, in dem das Leben eigentlich in vollem Gange ist.

PD Dr. med. Uta Kiltz ist Oberärztin im Rheumazentrum Ruhrgebiet am Marien Hospital der Ruhr-Universität Bochum in Herne. Sie kennt die Anzeichen einer axSpA: „Typisch vor allem zu Beginn der Erkrankung sind länger als drei Monate anhaltende, tief sitzende Rückenschmerzen - Schmerzen also, die im Kreuzdarmbeingelenk lokalisiert sind.“ Den Unterschied zu anderen Rückenerkrankungen machen Zeit und Art der Schmerzen aus. „Die entzündlichen Schmerzen treten vornehmlich nachts oder am frühen Morgen auf, bessern sich aber bei Bewegung“, sagt die Fachärztin. Für etwa ein Viertel der Betroffenen führen die körperlichen Beschwerden auch zu psychischen Problemen: „Generell entwickeln 20 bis 30 Prozent der Patienten mit axialer SpA depressive Symptome.“

Früherkennung kann Spätfolgen verhindern

Viele Menschen kennen die Krankheit unter dem Namen Morbus Bechterew. Was sie nicht wissen, ist, dass dieser Name das fortgeschrittene Stadium beschreibt. Und in der Tat wird sie meist erst spät erkannt. Kiltz: „Im Schnitt dauert es sieben Jahre, bis ein Morbus Bechterew diagnostiziert wird.“ Oft haben dann anhaltende Entzündungen in der Wirbelsäule bereits zu Verknöcherungen und damit einhergehenden Versteifungen geführt. Das kann schneller gehen, als den Betroffenen lieb ist. „Studien haben gezeigt, dass von den Patienten, die seit einem Jahr unter Symptomen leiden, schon jeder fünfte an Veränderungen im Kreuzdarmbeingelenk leidet“, berichtet die Rheumatologin.
Deshalb ist es wichtig, axSpA so früh wie möglich zu diagnostizieren. Dann können nicht nur die belastenden Symptome schneller bekämpft werden. Auch Spätfolgen können mit der richtigen Therapie verhindert werden.

Mit Medikamenten und Bewegung gegen die Schmerzen

Die Behandlung einer axSpA besteht aus zwei Säulen. „Zum einen Bewegungstherapie, also ein Herzkreislauftraining, um die Ausdauer zu steigern, plus Muskeltraining, um das Knochengerüst zu stärken, sowie Übungen zum Erhalt der Beweglichkeit“, erklärt Kiltz. „Die zweite Säule sind Medikamente.“
Hier kommen zunächst nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) zum Einsatz. Sie wirken schmerzlindernd und entzündungshemmend. „Zu Beginn geben wir zwei Wochen lang ein NSAR in der Höchstdosis“, beschreibt die Rheumatologin ihren Therapieansatz. „Hilft das erste NSAR nicht, wird genauso lange mit einem zweiten NSAR versucht, die Schmerzen zu lindern.“
Doch was, wenn keines der NSAR wirkt? Das ist laut Kiltz bei zwei Dritteln der Betroffenen der Fall. Ihr Lösungsansatz: „Sie bekommen bei dauerhaft erhöhter Krankheitsaktivität ein Biologikum verordnet.“ Das sind im Labor hergestellte Antikörper. Sie blockieren gezielt bestimmte Botenstoffe im Körper und bekämpfen so die Entzündung. „Sie sind im Allgemeinen gut verträglich“, weiß die Ärztin aus der Praxis zu berichten. Sie betont aber auch, dass die Betroffenen ihre Medikamente regelmäßig und ein Leben lang einnehmen müssen. Befolgen sie diesen Rat, können sie trotz ihrer chronischen Erkrankung mit Vollgas in die Zukunft starten.

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