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Tinnitus – Alles rund um die lästigen Ohrgeräusche

Was ist Tinnitus und wie kann ich das lästige Ohrgeräusch loswerden? Hier finden Sie alles zu Symptomen und Behandlung – jetzt klicken!

von Aschendorff Medien

Foto: Colourbox.de

Etwa fünf bis 15 Prozent aller Deutschen kennen die lästigen Geräusche im Ohr: Tinnitus.[i]  Für ein Prozent von ihnen schränken sie die Lebensqualität sogar spürbar ein. Gerade für diese Menschen gibt es verschiedene Strategien, um den Tinnitus im Alltag als weniger belastend zu empfinden.

Tinnitus – Was ist das?

Tinnitus leitet sich vom lateinischen Wort „tinnire“ (klingeln) ab.[ii] Die Ohrgeräusche können jedoch sehr vielfältig sein. So erscheinen sie neben einem Klingeln auch zum Beispiel als Pfeifen, Rauschen, Piepsen oder Klopfen. Dabei sind sie entweder nur auf einem Ohr oder auf beiden zu hören.

Die Geräusche können im Körper selbst entstehen – etwa als Muskelspannungen oder in den Blutgefäßen. Diese Form bezeichnen Mediziner als objektiven Tinnitus – im Gegensatz zur subjektiven Form. Bei dieser Art ist keine Geräuschquelle lokalisierbar. Der Geräuscheindruck ist also eine Art akustische Halluzination.

Eingeteilt werden die Formen des Tinnitus außerdem nach akut und chronisch, wobei die Ohrgeräusche als chronisch gelten, wenn sie länger als drei Monate auftreten.[iii]

Die Folgen eines Tinnitus hängen also davon ab, in was für einem Ausmaß das Ohrgeräusch auftritt. Kurzes, sekundenlanges Piepen ist in der Regel gut zu überstehen, aber wenn das Brummen über Monate anhält, kann es den Alltag stark belasten.

Ursachen für Tinnitus

Es gibt verschiedene Faktoren, die die Entstehung eines Tinnitus begünstigen. So kann er zwar in jedem Lebensalter auftreten. Grundsätzlich steigt die Wahrscheinlichkeit aber mit dem Alter. Kurioserweise sind auch Schwerhörige und sogar Gehörlose öfter davon betroffen als der Bevölkerungsdurchschnitt.

Während hinter dem objektiven Tinnitus eine reale Geräuschquelle steckt, die sich gut eingrenzen lässt, ist sind die Ursachen der subjektiven Ohrgeräusche komplexer. Vom Knalltrauma über eine Entzündung bis hin zur Krankheit Morbus Meniére gibt es viele Möglichkeiten.[iv] Auch Stress, Depressionen und sogar einige Medikamente führen mitunter zu Tinnitus.

Symptome und Diagnose des Tinnitus

Meist ist es nicht das Geräusch selbst, das die Betroffenen zum Arzt treibt, sondern seine Folgen. Konzentrationsprobleme, Behinderung beim Hören, Ein- und Durchschlafprobleme gehören dazu.

Um herauszufinden, ob es sich bei den Geräuschen wirklich um einen Tinnitus handelt, führen Ärzte verschiedene Untersuchungen durch. Darunter fallen anatomische und physiologische Befunde über bildgebende Verfahren.[v] Außerdem wird das Hörvermögen der Patienten überprüft. Auch das Anamnesegespräch gibt Hinweise auf einen Tinnitus.

Tinnitus – Hilfe bei Ohrgeräuschen

Hat der Tinnitus eine organische Ursache, wird diese nach Möglichkeit entsprechend behandelt, sodass mit der Ursache auch die Ohrgeräusche verschwinden. Das kann bei Verspannungen als Auslöser zum Beispiel eine physiotherapeutische Intervention sein.[vi]

Für einen chronischen, subjektiven Tinnitus gibt es verschiedene Ansätze, um die Beschwerden zumindest zu lindern.

Psychologische Ansätze bei Tinnitus

Verschwindet der Tinnitus nicht und wird er als sehr belastend empfinden, sollen psychologische Verfahren den Patienten zu einem entspannteren Umgang mit den Ohrgeräuschen verhelfen.

Zu diesen Verfahren zählen das Counseling und die kognitive Verhaltenstherapie. Ersteres versucht, durch eine Aufklärung über die Erkrankung eine Akzeptanz zu entwickeln und negative Haltungen aufzulösen. Die Einstellung zum Tinnitus wird also positiver. Sie bildet die Basis für den zweiten Ansatz, die kognitive Verhaltenstherapie. Aber was ist das? Ganz einfach: Sie macht den Patienten ungünstige Verhaltensstrategien im Umgang mit dem Tinnitus bewusst und etabliert neue, positivere Muster. Das Ergebnis: Das Geräusch an sich verändert sich zwar nicht und wird auch nicht leiser – aber der Umgang der Betroffenen mit den Ohrgeräuschen entwickelt sich zum Positiven. In der Folge empfinden die Patienten den Tinnitus als weniger störend.

Akustische Gegenreize bei Tinnitus

Einen anderen Ansatz verfolgen diese Methoden. So werden für jeden einzelnen Patienten individuelle Geräusche zusammengestellt, die das Hören stimulieren und so den Tinnitus reduzieren sollen. Die Geräuschquelle kann dabei zum Beispiel in einem Hörgerät liegen. Sie kann aber auch eine Audiodatei auf dem Handy oder eine reale Geräuschquelle wie ein Zimmerspringbrunnen sein. Welches Geräusch beim Tinnitus eine Hilfe ist, müssen die Patienten dabei selbst ausprobieren.

Weitere Ansätze für den Tinnitus

Manchmal kann auch ein Hörtraining helfen. Dabei lernt das Gehirn der Tinnitus-Patienten, die Ohrgeräusche als unwichtig zu klassifizieren und sie deshalb einfach auszublenden.

Bei der sogenannten Tinnitus-Retraining-Therapie ist ebenfalls Weghören das Ziel – das in diesem Fall über eine Kombination aus Beratung und Hörstimulation erreicht werden soll.

Weitere Verfahren arbeiten mit Neurofeedback, magnetischer Stimulation der am Hören beteiligten Hirnregionen und mit Gegengeräuschen, die die Frequenzen des Tinnitus aufheben sollen.

Medikamente gegen Tinnitus gibt es allerdings bisher nicht, sodass HNO-Ärzte für ihre Patienten einen individuellen Mix der vorgenannten Verfahren zusammenstellen und mit dem Feedback der Betroffenen so lange modifizieren, bis sie das gewünschte Ziel erreichen.


[i] „Chronischer Tinnitus - eine interdisziplinäre Herausforderung.” Bundesärztekammer (Arbeitsgemeinschaft der deutschen Ärztekammern) und Kassenärztliche Bundesvereinigung, https://www.aerzteblatt.de/archiv/137200/Chronischer-Tinnitus-eine-interdisziplinaere-Herausforderung. Zugegriffen 18. November 2022.

[ii] „Was ist ein Tinnitus?“ Deutscher Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte e. V., https://www.hno-aerzte-im-netz.de/krankheiten/tinnitus/was-ist-ein-tinnitus.html. Zugegriffen 18. November 2022.

[iii] „Tinnitus - Definition & Einteilung“. Deutscher Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte e. V., https://www.hno-aerzte-im-netz.de/krankheiten/tinnitus/definition-einteilung.html. Zugegriffen 18. November 2022.

[iv] „Tinnitus - Ursachen & Risikofaktoren“. Deutscher Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte e. V., https://www.hno-aerzte-im-netz.de/krankheiten/tinnitus/ursachen-risikofaktoren.html. Zugegriffen 18. November 2022.

[v] „Tinnitus – Untersuchungen & Diagnose“. Deutscher Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte e. V., https://www.hno-aerzte-im-netz.de/krankheiten/tinnitus/untersuchungen-diagnose.html. Zugegriffen 18. November 2022.

[vi] „Behandlung eines akuten und chronischen Tinnitus“. Deutscher Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte e. V., https://www.hno-aerzte-im-netz.de/krankheiten/tinnitus/tinnitus-behandlung-beim-hno-arzt.html. Zugegriffen 18. November 2022.

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