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Herausforderungen in der Logistik – Nachhaltigkeit und gestörte Lieferketten

Die globale Logistik steht seit dem Beginn der Corona-Pandemie enormen Herausforderungen gegenüber. Neben gestörten Lieferketten ist aber auch mangelnde Nachhaltigkeit zunehmend ein Problem für die Branche. In der Kritik stehen dabei meist die hohen CO₂-Emissionen.

von Aschendorff Medien

André Wreth, Vorstand Solvium AG Foto: Christoph Ruhland

Die Corona-Pandemie hat Verbrauchern und Unternehmen in den vergangenen Jahren deutlich gezeigt, wie verletzlich der scheinbar grenzenlose Welthandel mit seinem Just-in-time-Ansatz tatsächlich ist. Die global gestörten Lieferketten haben dazu geführt, dass bei vielen Produkten die Lieferzeiten gestiegen sind, dass viele Firmen ihre Preise erhöhen mussten und dass in einigen Unternehmen die Produktion teilweise oder sogar ganz umstellen musste oder komplett eingestellt wurde.

Diese Probleme „stellen insbesondere die Logistik-Branche vor große Herausforderungen“, erklärt André Wreth, Vorstand der Hamburger Solvium Holding AG, die Logistik- und Transportinvestments etwa in Schiffscontainer, Eisenbahnwaggons und in sogenannte Wechselkoffer anbietet.

Lieferkettenprobleme belasten die Logistik

Wie Wreth und andere Logistikexperten erklären, wird die Branche besonders stark von den unterbrochenen Lieferketten belastet. Das liegt primär an der Verfügbarkeit von Containern. Vor der Corona-Pandemie wurde für jeden Container, der ein Schiff verließ, ein neuer auf das Schiff gebracht, also eine Quote von rund 2:1. Aktuell ist es eher ein Bedarfsverhältnis von 3:1.

„Lange vor Reiseantritt stand für die Reedereien und Logistiker fest, welches Schiff wann welchen Hafen anläuft und welcher Container, ob leer oder mit Ware, wann und wo be- bzw. entladen wird“, erklärt Wreth. Die Lockdowns und Hafensperrungen führten jedoch dazu, dass sich im Hinterland großer Seehäfen noch immer tausende Container stapeln und auf den Abtransport warten. Diese Container fehlen nun der von einer hohen Effizienz abhängigen Logistik fehlen.

„Die mancherorts fehlende Verfügbarkeit der Container in Kombination mit Lockdowns hat zu hohen Preisen bei den Kauf-, Miet- und Frachtraten sowie Schiffsstaus und verlängerte Lieferzeiten geführt“, erklärt Wreth. Das werde allgemein als Lieferkettenprobleme bezeichnet. Aktuell stehen die Zeichen wieder auf Normalisierung. Ohne nochmalige Lockdown-Wellen sollte der Markt Ende 2023 bzw. 2024 wieder zu alter Effizienz finden.

Auswirkungen des Ukraine-Kriegs auf den Welthandel

Russland, die Ukraine und Weißrussland repräsentierten nach den jüngsten Statistiken weniger als 2,5 Prozent des Welthandelsvolumens. Der Ukraine-Krieg beeinflusst die globalen Warenströme deshalb bislang nur in einem geringen Umfang. Es ist jedoch derzeit nicht vorhersehbar, ob die Lage eskaliert und sich in Zukunft stärker auf den Welthandel auswirkt. „Eine solche Eskalation würde die Lieferkettenprobleme mit zunehmender Dauer weiter verschärfen“, erklärt Wreth und weiter: „Dies würde vermutlich auch zur erheblichen Beeinträchtigung aller Wirtschaftszweige weltweit führen“.

Online-Shopping bringt Logistik-Unternehmen an ihre Kapazitätsgrenzen

Während der Corona-Pandemie konnten Onlineshops in Deutschland ihre Umsätze deutlich steigern. Im zweiten Corona-Jahr 2021 lag der Brutto-Umsatz im E-Commerce bei 99,1 Milliarden Euro, also 19 Prozent über dem Umsatz des Vorjahres. „E-Commerce wird immer mehr als das Normale und Übliche empfunden. Sein Wachstum stabilisiert sich auf hohem Niveau“, kommentiert Gero Furchheim, BEVH-Präsident.

Von dieser Entwicklung profitieren neben den Containermärkten vor allem Logistikfirmen wie DHL, UPS oder DPD. Wie Wreth erklärt „bedienen sich diese und deren Wettbewerber eines ähnlichen Transportbehältnisses wie Container – nämlich der sogenannten Wechselkoffer.“ Es handelt sich dabei um Container-ähnliche und auf Euro-Paletten-Maße ausgerichtete Metallboxen, die für die Land- und Schienenlogistik entwickelt wurden.

Dank der hochklappbaren Stützbeine an den Ecken können sie ohne Kran von LKW aufgenommen und abgestellt werden. Das erleichtert das Be- und Entladen sowie den Transport von Waren erheblich. Trotz der hohen Kapazität hat das unerwartet starke Versandwachstum im E-Commerce die Logistik-Unternehmen an ihre Kapazitätsgrenzen gebracht. Deutlich würde das vor allem durch die stark gestiegenen Lieferzeiten. Logistiker allen Orts hoffen auf baldige wesentliche Investitionen in den Ausbau des Schienennetzes.

Schlechte Umweltbilanz beim Straßentransport

In Deutschland wurden im Jahr 2021 insgesamt mehr als vier Milliarden Pakete verschickt. Ein Großteil davon wurde mit LKW über die Autobahnen und Straßen der Bundesrepublik transportiert. Der Anteil der Pakete, die über die Schiene transportiert werden, ist noch vergleichsweise gering. Beim Marktführer Deutsche Post sind es aktuell nur zwei Prozent. Umweltverbände und Klimaschützer kritisieren dies aufgrund der hohen CO₂-Emissionen der Lkw.

Auch Wreth ist überzeugt, dass „unter dem Gesichtspunkt von Nachhaltigkeit und Ökobilanz die Schiene als Transportweg deutlich an Bedeutung gewinnen muss.“ Die Deutsche Post plant mittelfristig sechs Prozent ihrer DHL-Pakete über die Schiene zu transportieren. Langfristig sollen es 20 Prozent werden. Die zunehmende Verlagerung von Gütern auf die Schiene ist nicht auf Deutschland beschränkt. Aktuell gibt es zahlreiche Pläne zum Ausbau des europäischen Schienennetzes.

„Aus meiner Sicht eine sehr gute und vernünftige Entscheidung, die hoffentlich alsbald und mit viel Volumen umgesetzt wird“, kommentiert Solvium-Vorstand Wreth. Dies belegen auch Studien, laut denen der Schienenverkehr im Vergleich zum Straßentransport 80 Prozent weniger Treibhausgase verursacht.

Investitionen in die Schienenlogistik?

Neben einem deutlichen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit und Umweltschutz ist die Verlagerung der Logistik von der Straße auf die Schiene auch aus Investorensicht eine Chance. Branchenexperten gehen mittel- und langfristig von einer steigenden Rendite bei Investitionen in den Schienenverkehr aus. „Deshalb haben Güterwaggons schon seit Jahren einen bedeutenden Anteil an unseren Logistik-Portfolios – mit steigender Tendenz“, erklärt Wreth. Inzwischen fragten Investoren immer öfter gezielt nach Logistikinvestments im Schienenverkehr.

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