1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Freizeit
  4. >
  5. Lifestyle
  6. >
  7. Der Kampf mit dem Anziehen – warum Kinder so oft auf stur schalten

  8. >

Der Kampf mit dem Anziehen – warum Kinder so oft auf stur schalten

Die meisten Eltern kennen es: Der Nachwuchs will sich partout nicht anziehen lassen, doch die Zeit ist knapp und es ist Eile geboten. Obwohl Psychologen sich seit Jahrzehnten mit dem Thema beschäftigen, ist es noch nicht gelungen, die jüngste Generation von der Notwendigkeit des Anziehens zu überzeugen. Irgendwann kommt immer die Phase, wo „Nein“ zum Lieblingswort wird und Kleidung zum absoluten Horror. Ein paar Tricks helfen aber meist doch, damit die Ankleidestunde für Eltern und Kind nicht zur Katastrophe wird.

von Aschendorff Medien

Selbst die Kleinsten haben schon ein eigenes Modebewusstsein für sich entwickelt. Foto: Pixabay.com

Es ist ein weitverbreiteter Irrglaube, dass Kinder keinen modischen Geschmack haben. Es hat gute Gründe, warum modische Trends wie Dirndl für Kinder so beliebt sind. Auch der Nachwuchs hat bereits seinen ganz eigenen Geschmack und ein großes Problem beim Ankleiden besteht darin, dass Eltern über den Kopf des Kindes hinweg entscheiden.

Besteht die Lösung also darin, dass das Kind selbst entscheidet, welches Outfit es in die Kita anziehen möchte? In gewissen Teilen auf jeden Fall allerdings sind der Selbstentwicklung Grenzen gesetzt, da es sonst zu Problemen kommen kann:

  • Kinder orientieren sich bei der Kleidungswahl nicht an der Jahreszeit.
  • Unpassende Kleidungsstücke werden im kindlichen Schema oft als passend angesehen.
  • Drei Wochen am Stück das Lieblings-Shirt tragen funktioniert einfach nicht.

Grenzen durch die Eltern sind also wichtig, müssen aber nicht zu streng gesetzt werden. Wenn das Kind morgens gern selbst aussuchen möchte, in welchem Outfit es die Kita besucht, soll es die Möglichkeit dazu haben.

Das falsche Outfit kann schon mal zu einem Tobsuchtsanfall beim Kind führen. Foto: Pixabay.com

Kleidungsauswahl von Anfang an einschränken, um die Wahl zu erleichtern

Richtiges Anziehen im Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter ist schon für Erwachsene eine Kunst, wie soll ein Dreijähriger da problemlos sein Kita-Outfit festlegen können? Das funktioniert durch Vorarbeit der Eltern. Wer den Nachwuchs vor den vollgepackten Kleiderschrank stellt, muss mit kuriosen Kombinationen rechnen. Das Sommerkleid im Winter ist da keine Seltenheit.

Wer nun dem Kind aber ausschließlich der Jahreszeit angemessene Kleidung zur Auswahl stellt, braucht sich um die Tauglichkeit keine Sorgen zu machen. Dann darf der Nachwuchs selbst entscheiden, welche Kleidung er tragen möchte. Und wenn es ein grüner Pullover zur roten Hose ist, kann das durchaus erlaubt werden. Jedes Kind hat das Recht, sich selbst zu entfalten, farblich schräge Kombinationen sollten von Eltern nicht verhindert werden.

Warum möchten Kinder nicht einfach angezogen werden?

Mode spielt eine entscheidende Rolle im Leben der Menschen. Großveranstaltungen wie die Oscar-Verleihung sind nicht nur geprägt von Talenten der Gäste, sondern auch vom modischen Auftreten. Und die Ausbildung eines persönlichen Geschmacks beginnt bereits im Kindesalter.

Es scheint so einfach, das niedliche Outfit als Eltern auszuwählen und den braven Nachwuchs nach eigenem Gusto auszustatten. Entsprechend groß ist das Entsetzen, wenn das Kind plötzlich die liebevoll ausgewählten Pullover gar nicht tragen möchte und sie sogar mit Worten wie „Ihhh oder Nein“ kommentiert.

Es ist ein Lernprozess, allerdings für die Eltern. So klein das Kind ist, so ausgeprägt ist sein eigener Geschmack. Es ist ein wichtiger Entwicklungsschritt, dass Kinder sich von ihrem Eltern abkapseln und ihre eigenen Vorlieben entwickeln dürfen. Das passiert am Tisch, wenn das Abendbrot nicht schmeckt, das passiert aber auch am Kleiderschrank, wenn das Outfit nicht dem kindlichen Geschmack entspricht.

Mit Outfit-Päckchen gegen den Anziehstress

Der große Stress beim Anziehen entsteht oft dadurch, dass jede einzelne Komponente mehrfach durchdacht wird. Schon allein die Frage nach den richtigen Socken kann für das Kind minutenlang dauern. Zeit, die man dem Nachwuchs nur zu gern gönnen würde, die aber einfach nicht vorhanden ist. Hier kann es Abhilfe schaffen, wenn Kleidung im Kinderschrank nicht einzeln, sondern in Outfit-Paketen verschnürt wird.

So helfen Eltern dem Nachwuchs auch dabei, nicht als farbenfroher Papagei in der Kita aufzutauchen, weil das eigene Modebewusstsein zwar ausgeprägt, aber noch nicht ausgereift ist. Sets aus T-Shirts, Hosen, Unterwäsche und Socken werden einfach zu Komplettpaketen verschnürt und in den Schrank gelegt. Das Kind hat nun die Möglichkeit, jeden Morgen auszusuchen, welches Paket es anziehen möchte.

Entscheidet es sich für das coole Batman-Shirt, sind die anderen Komponenten des Sets (Hose, Unterhose usw.) gleich mitenthalten. Diesen Kompromiss muss der Nachwuchs eingehen, getauscht wird in den Paketen nicht mehr. Ein Deal, den erstaunlich viele Kids gern eingehen. Es entsteht das Gefühl der Selbstverantwortung, zugleich verlieren Eltern aber nicht ganz die Kontrolle und können im Sinne ihrer Kinder ein bisschen mitbestimmen, wie die Außenwirkung geprägt wird.

Fazit: Anzieh-Dramen sind normal und manchmal sogar wichtig

Das Anzieh-Drama mit dem Kind wird nie ganz unterbunden werden können, dazu ist die Trotzphase bei den meisten Kids in einem gewissen Alter zu ausgeprägt. Doch mit Tipps und Tricks und vor allem viel Geduld ist es möglich, dass Eltern und Kinder unbeschadet durch die Phase kommen. Spätestens in der Jugend ist die Zeit dann ohnehin vorbei, wo sich Kinder von ihren Eltern modisch beraten lassen. Da müssen die Großen dann durch, ganz ohne Wenn und Aber.

Startseite
ANZEIGE