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Haut-Sache Tattoo

Der Trend zu Extra-Pflegeprodukten für Tätowierte

Berlin (dpa)

Für tätowierte Haut gibt es mehr spezielle Kosmetika. Wie sinnvoll sind solche Tattoopflege-Produkte? Einen Effekt, der eher psychologisch ist, lobt ein Experte auf jeden Fall.

Von Gregor Tholl, dpa

Tätowieren wird immer beliebter: Bei Leuten zwischen 20 und 30 trägt heute jeder Zweite ein Tattoo. Foto: Frank Leonhardt/dpa

Das Vorurteil, Tattoos seien verwegen und nur was für Straftäter, Drogenkonsumenten oder Darsteller aus der Scripted-Reality-Soap «Berlin - Tag & Nacht» ist ein veraltetes Klischee. Tätowierungen sind - egal ob sie einem gefallen oder nicht - angesagt und ein Massenphänomen.

Bei Leuten zwischen 20 und 30 trägt heute jeder Zweite ein Tattoo. In der Gesamtbevölkerung verdoppelte sich der Anteil der Tätowierten in den vergangenen zehn Jahren auf mehr als 20 Prozent. Etwa ein Viertel der Bevölkerung in Deutschland ist also tätowiert, Tendenz steigend - kein Wunder, dass die Industrie da einen Markt für Spezialkosmetika sieht.

Neues Geschäftsfeld im Massenmarkt

Empfahl das Tattoo-Studio früher Produkte aus dem Ausland oder aus der Apotheke, so stehen spezielle Lotionen und Cremes nun auch in der Drogerie um die Ecke. In der als Trend-Indikator geeigneten Vox-Gründershow «Die Höhle der Löwen» wurde schon vor ein paar Jahren eine vegane Pflegeserie vorgestellt - mit Salbe, Creme und Gel.

Wenn dann noch eine Branchengröße wie Beiersdorf eine Hautpflegeserie für tätowierte Haut auflegt - unter dem Label «Skin Stories», übersetzt etwa Haut Geschichten - und dies als erste neue Marke des Konsumgüterkonzerns seit über 30 Jahren anpreist, dann handelt es sich wohl um ein Segment mit Zukunft. Ein «neues Geschäftsfeld im Massenmarkt» nannte es der Hamburger Hersteller selber beim Launch 2019.

Versprochen wird etwa «Feuchtigkeitspflege für intensive und leuchtende Farben». Eine Sonnenlotion mit Lichtschutzfaktor 30 soll die Farben vorm Verblassen schützen.

Bei der Haut entschuldigen

Frei nach dem umstrittenen Philosophen Slavoj Žižek könnte man auch sagen: Die kapitalistische Marktwirtschaft macht aus allem ein Geschäft - und sie ist oft dann am erfolgreichsten, wenn sie den Leuten ihr schlechtes Gewissen zurückverkaufen kann. Auch wenn das auf angeblich ethischen Konsum zielte, so ließe sich das auch auf Tattoos beziehen. Denn die sind aus dermatologischer Sicht eigentlich nichts anderes als verwundete Haut. Und mit Extra-Pflegeprodukten können sich Tätowierte sozusagen bei ihrer Haut entschuldigen.

«Man sollte das nicht so negativ darstellen», sagt jedoch als Vertreter des Berufsverbandes der Deutschen Dermatologen der Hautarzt Gerd Kautz. «Wenn Sie jungen Leuten sagen «Benutz Sonnenschutz», dann ist das ein langweiliges Thema. Wenn Sie aber sagen «Du musst dein Tattoo besonders pflegen», dann ist das eine coole Sache.» Deshalb sehe er solche Produkte durchaus positiv, auch wenn es keine großen Studien gebe, welche Inhaltsstoffe extra gut für Tätowierte seien.

Werbung für mehr Lichtschutz

Kautz, der in Konz bei Trier sitzt, hält es für dringend geboten, vor allem junge Menschen dazu zu motivieren, mehr Cremes, Sprays oder Fluide zu verwenden. «Lichtschutz wird viel zu wenig betrieben - gerade in der jungen Generation ist das Bewusstsein zu gering. In anderen Ländern wie Australien ist man da viel weiter. Wahrscheinlich bringen Tattoo-Kosmetika nicht viel mehr als normaler Sonnenschutz oder normale Hautpflege, aber auch die wird ja eben zu wenig gemacht.»

Der Experte Kautz betont: «Wenn jeder seine Haut ordentlich pflegen würde, wäre das für uns Mediziner deutlich unproblematischer.» Es sei wichtig, dass die Generationen mit mehr Tattoos nicht so viel Hautkrebs bekämen. Denn angesichts eines drohenden Ärztemangels stelle sich auch bald die Frage: «Wer soll das alles behandeln?»

Weniger ist mehr

Zu guter Hautpflege gehöre auch, sie nicht zu trocken werden zu lassen und sich klug zu reinigen. «Wir waschen uns alle zu viel.» Man könne ruhig täglich duschen, sollte aber möglichst wenig Seife oder Duschgel benutzen. «Ein bisschen an schwitzigen Stellen reicht.» Was die Feuchtigkeitspflege angehe, reiche Sonnenschutz aus dem Discounter meist völlig, überteuerte Produkte aus Edelparfümerien seien unnötig, meint er.

«Nehmen Sie den Hautschutz, mit dem Sie am besten zurechtkommen und der auch preislich akzeptabel ist. Je wohler sich ein Patient mit einem Produkt fühlt, desto eher wird er es anwenden.»

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